Ziele erreichen: nur eine Frage des Selbstmanagements?

Ich arbeite in leitender Position im IT- Bereich und möchte mir im neuen Jahr neue berufliche Ziele setzen. Welche Fragestellungen können mir dabei helfen?

Allgemeine Leitfragen für die berufliche Zielsetzung loten Ihre persönlichen Möglichkeiten und Werte aus:

  • Welche Stärken und Schwächen stecken in Ihnen und wie möchten Sie diese nutzen?
  • Sind Sie mehr bedacht auf (finanzielle) Sicherheit oder würden Sie sich auch einer relativ neuen Herausforderung stellen?
  • Welche Menschen aus Ihrem beruflichen und privaten Umkreis werden Sie auf dem Weg zu dem neuen Ziel begleiten und unterstützen?
  • Wie sind Sie bisher mit beruflichen Erfolgen und Misserfolgen umgegangen?
  • Wie können Sie diese Erfahrungen für die Erreichung der neuen Ziele nutzen?

Welchen Stellenwert hat das „positive Denken“ zur Zeit?

Der Zenit fürs „positive Denken“, wie es gebetsmühlenhaft in Büchern von Carnegie, Murphy und anderen verkauft wird, ist allerdings mittlerweile deutlich überschritten. Einerseits, weil einige seiner Protagonisten aus den Bereichen New Economy und Motivationstraining inzwischen spektakulär gescheitert sind – angesichts dieses Scheiterns wurden Effekte des „positiven Denkens“ wie z.B. Burnout und Isolation offensichtlich.

Der Psychotherapeut Günther Scheich hat das mit Fallstudien belegt und in seinem Buch „Positiv Denken macht krank“ griffig beschrieben. Aber schon Erich Fromm hat den Marketing-Charakter beschrieben, der nur davon geleitet ist, was sich verkaufen lässt. Da wird der Mensch selbst zur Ware, und erleidet einen zunehmenden Selbstverlust, den er durch immer stärkere Reize, z.B. „Outdoor-Adventures“, auszugleichen versucht.

Können Sie das bestätigen?

Unbedingt. Einer meiner Klienten sagte neulich „bei mir muss auch im Urlaub immer etwas los sein“. Meine Frage, ob er nicht einfach mal ruhig die Zeit „vergehen lassen“ könne, erstaunte ihn. Zeit müsse man nutzen. Für ihn sei es schon eine Qual, warten zu müssen – für diesen Fall habe er immer das Laptop oder Handy bereit. Er erlebte das Innehalten als unerträgliche Konfrontation mit sich selbst.

Und wie kann ich genauer ermitteln, wohin der Weg gehen soll?

Vielleicht können Sie sich etwas Zeit nehmen, um eine Standortbestimmung Ihrer momentanen beruflichen Stellung zu machen – diese können Sie dann in Ihre Zielsetzung einbeziehen. Betrachten Sie beispielsweise einen normalen Arbeitstag – was ist Ihnen dabei wichtig?

  • Auf welche Eigenschaften dieses Tages würden Sie lieber verzichten?
  • Wie würden Sie Ihre persönlichen „Arbeitsregeln“ beschreiben und wie vertragen sich diese mit Ihrem Arbeitsumfeld?
  • Wie gestaltet sich die Kooperation mit Ihren Mitarbeitern, Kollegen und Vorgesetzten?

Sie können diese Tagesbilanz nun weiterentwickeln in eine Vision Ihres angestrebten Tages, an dem Sie Ihre neuen Ziele erreicht haben. Wie wird ein solcher Tag aussehen? Inwiefern unterscheidet er sich von Ihren momentanen Arbeitstagen? Was an diesem Tag ist realisierbar und was muss Vision bleiben? Warum ist das so? Viele Vertreter des „positiven Denkens“ wollen glauben machen, der Erfolgswille genügt – ein Einzelner kann es allein schaffen, ans Ziel zu kommen. Was halten Sie davon? Wir Menschen sind keine Einzelgänger, sondern soziale Wesen. Was wir schaffen, gelingt uns immer auch durch die Akzeptanz und Unterstützung anderer. Klar ist auch, daß eine bejahende Grundhaltung zu sich selbst und zum Leben gesund und förderlich ist.

Wohin geht der Trend momentan? Was kann ein einzelner „Sinnsucher“ tun?

Ein Einzelner kann genau diese Konfrontation mit sich selbst suchen, am besten im Dialog, wie es Führungskräfte zur Zeit beispielsweise hinter Klostermauern tun. Klosterseminare zur „Selbstfindung“ haben Konjunktur. Genau wie sie haben viele Menschen festgestellt, dass das „positive Denken“ keinen Halt gibt, wenn man mit normalen Lebensbausteinen wie Misserfolg, eigener Krankheit oder Tod eines geliebten Menschen konfrontiert wird. Diese Menschen haben herausgefunden, dass die autosuggestive Masche, mit Formeln wie „ich bin der/die Beste“ Ziele zu erreichen, Selbstbetrug ist – eine wichtige, nützliche Erkenntnis. Wir können sie nutzen, indem wir für die künftige Sinnsuche und Zielsetzungen das Gespräch, die Auseinandersetzung mit anderen und ihre Unterstützung suchen – auch jenseits der Klostermauern.