Entscheidungsfindung: Dafür oder gegen beides?

Wie entscheide ich, in welches Restaurant ich heute abend gehe oder ob ich meinem Kollegen endlich mal die Meinung sage?

Für beide Fragen werden Sie schon eine eigene Entscheidungsstrategie bereit halten. Dabei geht es um persönliche Prioritäten und ein Abwägen der Konsequenzen der Entscheidung. Bei dem Restaurant geben Sie vielleicht Ihren Lieblings-„Italiener“ den Zuschlag – weil Sie dort Stammkunde sind, weil Ihre Begleitung dafür ist, oder weil ganz einfach Essen und Service gut sind.

Möglicherweise aber auch einem neuen In-Restaurant – weil Sie gern etwas neues ausprobieren, weil es um die Ecke aufgemacht hat, oder weil Sie in bestimmten Kreisen mitreden wollen – oder aus allen drei Gründen. Auch die Entscheidung für oder gegen die Auseinandersetzung mit dem Kollegen wird von Ihren individuellen Pros und Contras geleitet – dabei spielen auch weniger kalkulierbare Faktoren wie der situative Rahmen oder Ihre Tagesform eine Rolle. Im allgemeinen werden solche alltagsweltlichen Entscheidungen intuitiv und mehr oder weniger spontan getroffen – und das ist gut so, weil kräfte- und zeitsparend.

Was sagt die Wissenschaft zu dem Thema?

Enscheidungsfindung ist ein weites Feld, das von verschiedenen Blickwinkeln und Fakultäten betrachtet wird (Sponagel 2000, 14f.). Besonders in der Management-Literatur trägt das „decision-making“ zum Mythos des Machers bei – wir sehen schon am Begriff, daß „Entscheider“ eine männliche Welt repräsentieren, die das Klischee einer vernunftorientierten Heuristik einschliesst.

Neuere Forschungen (Boden, 1994) weisen darauf hin, daß auch Führungspersönlichkeiten nicht immer rational entscheiden, ja dass die sogenannte emotionale Intelligenz für bestimmte Entscheidungsfragen unabdingbar ist. Die Fähigkeit für „einsame Entscheidungen“ wird zwar in der Theorie geschätzt, weicht in der täglichen Arbeit aber immer mehr einem prozessorientierten Handeln, das die von der Entscheidung betroffenen Menschen einbezieht. Mit der psychologischen Seite der Entscheidungsfindung haben sich. Gerd Gigerenzer und Peter M. Todd (Max Planck Institut Berlin) beschäftigt. In ihrem Buch Simple heuristics that make us smart (OUP 1999) setzen sie sich mit raschen und am individuellen Anspruchsniveau orientierten Entscheidungen auseinander. Ihr Fazit könnte stark vereinfacht lauten „wir können nie alles für die Entscheidung wichtige wissen – trotzdem können wir ökonomisch und richtig entscheiden.“

Angenommen, es geht um eine Karriereentscheidung mit einiger Tragweite – Wie kann ich im Voraus wissen, ob ich richtig entscheide?

Gegenfrage: Gibt es eine Versicherungspolice für richtige Entscheidungen? –  Klar, das gibt es nicht, auch wenn wir uns das manchmal wünschen mögen. Aber es gibt Wege, wichtige Entscheidungen „abzusichern“. Das bedeutet, daß Sie sich die für Ihre Situation relevanten Fragen stellen. Zum Beispiel, welche Konsequenzen die Entscheidung für Sie und Ihr persönliches Beziehungsnetzwerk hat. Werden die Menschen, die Ihnen wichtig sind, den Weg mit Ihnen gehen? Wie werden Sie sich nach der Entscheidung für einen bestimmten Weg fühlen? Lässt sich visualisieren, oder können Sie sich konkret vorstellen, wie Ihr Alltag nach dieser Entscheidung aussieht? Hier die richtigen Fragen zu stellen, ist nicht immer einfach, denn dazu gehört, sich selbst einmal mit Abstand betrachten. Eine Beratung kann diesen Prozess klärend unterstützen.

Ich zweifle manchmal im Nachhinein an meinen Entscheidungen. Wäre es nicht besser gewesen, ich hätte es damals anders gemacht? Was kann ich da tun?

Zweifeln ist nicht unbedingt nachteilig, solange es nicht zur Handlungsbremse wird, denn ohne kritische Betrachtung ist keine Veränderung oder Verbesserung möglich. Sie können, wenn Sie wollen, das Zweifeln an vergangenen Handlungen konstruktiv einsetzen, um kommende Entscheidungen „tragfähiger“ zu gestalten. Wenn Sie mögen, können Sie ausloten, inwiefern Ihnen die zweifelnde Retrospektive schon genutzt oder geschadet hat und ob es das wirklich gibt, den „Blicke-immer-nach-vorn-Typ“, der seine Vergangenheit ablegt wie ein altes Kleidungsstück? Sie können sich auch fragen, was wohl anders gelaufen wäre, wenn, und ob Sie mit diesem Ergebnis wirklich zufriedener wären. – Und wenn Ihnen das alles zu einseitig, zu grüblerisch vorkommt und Sie meinen, Sie allein könnten sich dabei im Kreis drehen, suchen Sie sich für diese Fragen ein Gegenüber, dem Sie vertrauen. Im Dialog klärt sich so manches, was einem im „stillen Kämmerlein“ nebulös vorkommt.