Wie wichtig ist das Bewerbungsfoto?

Jede Antwort von „Ohne Foto geht gar nichts!“ bis „auf den Inhalt kommt es an“ ist denkbar. Wahrscheinlich ist jedoch eher „sehr wichtig, es sei denn, Sie bewerben sich politisch korrekt ohne Bild.“ Denn das Bewerbungsfoto stellt ohne Worte eine direkte Beziehung zum Betrachter her. Es sagt ihm etwas über Sie, den Bewerber. Man muss kein Psychologe sein, um aus einem Gesichtsausdruck Informationen ableiten zu können. Im Gegenteil, das „Lesen“ von menschlicher Mimik gehört zu unsrem täglichen Verhaltens-, und Überlebensrepertoire. Wie weit diese Interpretationen gehen, zeigt angeblich eine vor kurzem veröffentlichte Studie. Dort wird die These aufgestellt, dass kanadische Studenten aus Fotos von Gesichtern ihrer Altersgruppe ablesen können, ob sie einen „reichen“ oder „armen“ Hintergrund haben.


Prompt raschelt es enorm im Web-Medienwald. Im üblichen Dreischritt „Studie=Fakt=faktische Behauptung“ wird publiziert, dass Bewerbungsfotos Auskunft über soziale Herkunft geben. Ich würde vorschlagen, bei solchen Schlagzeilen doch mal das Gehirn einzuschalten.

Zunächst: Was ist daran neu? Gesichter, Haltungen, Blicke sagen viel. Vicky Pollard schaut anders aus der Wäsche als „Herzogin Kate“. Die Schlüsse, die wir daraus ziehen, sagen aber auch etwas über uns, die Interpreten. Welchem Kulturkreis wir angehören, oder welcher Altersgruppe. Im vorliegenden Beispiel gehörten die Betrachter zur Altersgruppe der 18-bis 22-jährigen. Womit ist diese Altersgruppe vorwiegend beschäftigt? Mit ihren Hormonen. Das Lesen von Gesichtern und Körpersignalen gehört für sie zum „Paarungsverhalten“. Über die Eignung von Bewerbungskandidaten haben sie glücklicherweise nicht zu entscheiden…

Wenn wir da weiter denken, wo die Studie angeblich aufhört, glauben wir bald wieder, dass man Verbrechergesichter erkennen könne. Ein Trugschluss. „Das Böse“, „das Gemeine“ – es wohnt hinter ganz alltäglichen Gesichtern, soviel ist inzwischen bekannt. Aber auch das weiß man ja: Für jede Studie gibt es eine Gegenstudie. Und Personaler sind auch nur Menschen. Es schadet also nichts, wenn Sie Ihrer Bewerbung ein „aussagefähiges Foto“ beilegen.

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