Wer bin ich?

Menschen gibt es in vielen Erscheinungsformen – das ist auch vor David Precht schon einigen aufgefallen. Die Rollen, die wir im Leben spielen – z.B. Eltern sein, Kinder, Schüler, Partner, Kollege, Lösungsagent, Blitzableiter – zeigen uns in unterschiedlichsten Facetten. Zudem ist es in, „etwas Besonderes“ darzustellen, in den sozialen Netzwerken etwa, 15 Minuten Star sein…. und in dem Streben sind dann auch wieder alle gleich. Unser Zeitalter giert nach Individualität, Selbstverwirklichung ist ein „Must“, wie es scheint. Und gar nicht so einfach. Irgendwie macht doch jeder etwas, was andere schon vorher gemacht haben. Oder ist es die Lösung, einen Marathon als Erster rückwärts zu laufen…?

Was heißt es, anzukommen?

Die Frage „wer bin ich“ treibt viele um. Ein Klient, Mitte dreißig, hadert mit sich, weil er noch nicht „angekommen“ ist, wie er meint. Ankommen zu müssen, dieser Imperativ hat sich in seinem Kopf festgesetzt.  Ob „ankommen“ heißt, nicht mehr unterwegs zu sein,  oder was das denn überhaupt bedeute, diese Fragen beantwortet er nach kurzem Zögern mit einer Retourkutsche: Wenn er das wüsste, wäre er nicht hier.

Psychotests als Lösung?

Das Orakel unsrer Tage (Internet) liefert auf die Frage reflexartig Tests, Tests, Tests. Einfach und schnell, nach zehn Minuten weißt du, wer du bist. Der (oder das?) Mensch will schnelle Lösungen, man muss ja delegieren können.
Sich selbst, also den eigenen Kopf zu bemühen, um diese Frage zu beantworten, scheint  grade nicht „in“ zu sein. Wie Reflektion, Nachdenken überhaupt. Dass sich gerade darin das Eigene, das Echte zeigen könnte, darauf kommt irgendwie keiner…

Nachdenk-Übung zur Frage „wer bin ich?“

Wenn Sie die Frage, wer Sie sind, in Ihrem Herzen und Hirn bewegen wollen, machen Sie doch als Anstoß die folgende Übung:
• Schreiben Sie auf, welche Rollen Sie im Leben spielen. Nehmen Sie Ihre Funktion gegenüber anderen dabei als Anhaltspunkt.
• Fragen Sie sich, ob Sie Mut zum Unglücklich-Sein haben, oder unbedingt „glücklich“ sein müssen.
• Fragen Sie sich, wie das momentane Kapitel Ihres Lebens heißt, wie die vorher hießen, und welche Kapitel Sie noch schreiben wollen.

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