Selbstmarketing, das dem Selbst schadet

 

Woran denken Sie bei dem Begriff „Stress im Beruf“? Daran, dass der Termindruck immer mehr steigt? Dass immer mehr Arbeit auf immer weiniger Schultern verteilt wird? Dass Berufstätige rund um die Uhr verfügbar sein müssen?

Alles richtig, aber etwas fehlt.

Der Stress nämlich, der entsteht, wenn eher introvertierte Menschen meinen, sich ständig „gut verkaufen“ zu müssen. Performance mit Halo-Effekt ist das, was in der Marketing-Gesellschaft gefordert wird. Wer kein geborener Schaumschläger ist, hat es deutlich schwerer, bemerkt und gefördert zu werden. Schon allein, in einem Meeting die Stimme zu erheben, kann schwer fallen. Das bedeutet,  dass sich introvertierte Menschen stark „verbiegen“ müssen, um irgendetwas beruflich zu erreichen. Das können sie zwar, aber sie tun es gegen ihre Natur und auf Kosten ihrer Energie-Reserven. Irgendwann „brennen sie aus.“ Eine schwierige, aber unter Umständen heilsame Einsicht zu ihrer Lebensführung ist dann fällig. Die Einsicht nämlich, dass dieses dauernde Fassaden-Leben gar nicht zu ihnen passt und ihnen gesundheitlich schadet.

Selbstmarketing: Von Arbeitsbienen und Schaumschlägern

So eine Biene könnte ja eigentlich prima Schaum schlagen, mit ihrem flotten Flügelantrieb. Aber die gemeine Arbeitsbiene, egal ob männlich oder weiblich, ist da zurückhaltend. Auf ihre Erfolge und Leistungen weist sie keinen hin. Emsig fliegt sie von Blüte zu Blüte und macht ihren Job, stets in dem Glauben, gute Arbeit spreche für sich.

Ganz anders der Schaumschläger: Charmant und wendig nutzt er Gelegenheiten, wenn sie sich bieten, gibt ungeniert fremde Ideen und Ergebnisse als seine aus und bekommt dafür auch noch Anerkennung. „Bescheidenheit ist ne Zier, doch besser lebt sich’s ohne ihr“, lautet sein Motto, auch wenn er nicht auf den Namen Karl-Theodor hört. Er gibt an und schummelt, was das Zeug hält – das bescheidene Bienchen wendet sich ab mit Grausen.

Ende der Parabel. Zu welcher Spezies gehören Sie, was meinen Sie? Die Moral von der Geschicht soll übrigens keineswegs lauten, Leute, werdet alle Schaumschläger. Denn auch das Blender-Dasein hat seine Schattenseiten. Aber gutes Selbstmarketing hilft durchaus dabei, gelegentlich an die Sahneschüssel zu kommen….

Karrieretipp Einschmeicheln: Bringen Komplimente mich voran?

„Ich schleime einfach nicht genug. Deshalb komme ich nicht voran.“

Glauben Sie das auch von sich? Wenn „einschleimen“ hier  für „netzwerken“ und „Selbstmarketing“ steht, ist da vielleicht sogar etwas dran. Denn diese beiden Fähigkeiten sind nötig, um beruflich voran zu kommen. Viele meinen, der Verzicht auf Schmeicheln sei ein Qualitätsmerkmal für aufrechte, redliche Menschen. Schade nur, dass  diese Art von Redlichkeit auf Dauer weniger gut ankommt. Meist ist es nämlich leichter, andere für sich einzunehmen, als sie davon zu überzeugen, dass man kompetent ist.

Es ist also nützlich, ab und zu auch das Einschmeichel-Register ziehen zu können. Aber Vorsicht: Im beruflichen Umfeld Komplimente zu verteilen hat, je nach Dosis und Zielgruppe, unterschiedliche Effekte. Wenn  von unten nach oben geschmeichelt wird, sehen das nicht nur die lieben Kollegen mit Missfallen. Vergleichen Sie mal die folgenden beiden Aussagen:

 1.  Chef an MA: „Sie machen gute Arbeit. Wir profitieren davon. Weiter so!“

2.  MA an Chef: „Sie machen gute Arbeit. Wir profitieren davon. Weiter so!“

Sie werden zugeben, die zweite Aussage kommt uns schräg vor. Warum? Sie verletzt die Rollenerwartungen für Personen mit niedrigerem Status. Ein „Untergebener“ will hier seinen Vorgesetzten beurteilen können. Vielleicht kann er das ja, aber Beurteilen zu dürfen ist nach herkömmlicher Übereinkunft ein Vorrecht des Statushöheren. Es ist auch eine – unausgesprochene – Funktion dieses Sprechakts, genau diesen Statusunterschied zu etablieren.

Da sind wir bei den Nebenwirkungen eines jeden Kompliments. Wer ein Kompliment macht, bezweckt irgendetwas damit. Und sei es nur, Sie zu (noch) mehr Arbeit zu „motivieren“…

Erfolgreich bewerben: Was ist mein USP?

Der Arbeitsmarkt zieht wieder an: Jetzt ist eine gute Zeit für einen Stellenwechsel. Aber wie machen Sie einem potentiellen neuen Arbeitgeber klar, dass Sie die beste Wahl für ihn sind?

Der erste Schritt in die richtige Richtung lautet: Glauben Sie an Ihre Einzigartigkeit! Leider haben viele Arbeitnehmer im Kopf, dass sie „eigentlich austauschbar“ seien. Wenn Sie das glauben, spielen Sie Ihrem Arbeitgeber einen Trumpf zu. Überlegen Sie doch mal: Jeder Lebenslauf ist anders, und hinter jedem Lebenslauf stehen unterschiedliche Charaktere. Sie sind ein Unikat.  Auch wenn bei der Neubesetzung einer Stelle die Inhalte gleich bleiben – wovon nicht immer auszugehen ist – wird der oder die Neue diese Inhalte anders und neu ausfüllen.

Die große Frage für Ihren künftigen Arbeitgeber wird also sein: Wie wird der oder die Neue den Job machen? Was wird ihn auszeichnen?

Nach dem ersten Schritt wird es also für Sie darauf ankommen, aus der Stellenanzeige und sonstigen Informationen (Telefongespräche o.ä.) herauszufiltern, was genau man von Ihnen erwartet und was Sie liefern können. Noch besser: Was können Sie, das andere nicht können?

Hier geht es also um Ihr USP, um Ihr Alleinstellungsmerkmal, das Besondere an Ihnen. Haben Sie einen besonderen Draht zu den Kunden? Sind Sie besonders erfolgreich im Verhandeln von Verträgen? Was können Sie besser als andere und inwieweit profitiert Ihr künftiger Arbeitgeber davon?

 Wenn Sie sich über solche Fragen klar sind, haben Sie einen Riesenvorsprung gegenüber  all den Konkurrenten, die glauben, dass alle Jobanwärter eigentlich austauschbar seien….

Karriereplanung: Bewerben, auch wenn das Profil nicht ganz passt?

Meinem Gegenüber steht ein Fragezeichen auf der Stirn. „So richtig passe ich nicht auf die Stellenausschreibung,“ meint er. Die mitgedachte Frage lautet: „Soll ich mich trotzdem bewerben?“

Im Reich der Personalarbeit gibt es ja viele Sagen und Legenden. Eine davon ist der „gradlinige Lebenslauf“, eine andere das sogenannte „perfect fit“, das Headhunter ihren Firmenkunden liefern sollen: Die hundertprozentige Übereinstimmung zwischen Kandidat und Stellenausschreibung. Nach meiner Erfahrung –  ich berate seit zehn Jahren – gibt es die selten oder gar nicht. Viel wahrscheinlicher ist eine Übereinstimmung von sechzig bis siebzig Prozent.

Allerdings gehen Kandidaten mit dieser Diskrepanz unterschiedlich um. Männer bewerben sich meist noch, wenn ihr Profil nur zu 50% oder auch weniger übereinstimmt, Frauen scheinen mehr Prozentpunkte fürs Bewerben zu brauchen.

Wenn also so eine erwartbare Abweichung vom Anforderungsprofil da ist, kommt es aus Bewerbersicht darauf an, klug damit umzugehen. Filtern Sie Informationen aus der Stellenanzeige: Welche Anforderungen sind obligatorisch? Welche sind verhandelbar oder durch Ihre Stärken kompensierbar?  

Wenn Sie das klar haben und im Selbstmarketing gut sind – das kann man bekanntlich üben! –  bewerben Sie sich!  Ihr Ziel ist es schließlich, erst mal ins Gespräch zu kommen – also die Gelegenheit zu einem Vorstellungsgespräch zu bekommen.