Zeitmanagement: Mehr Zeit für mich!

Eine Frau verlässt um fünf Uhr ihren Arbeitsplatz ohne weitere Erklärungen. Was denken ihre Kollegen? – Aha, die geht nach Hause zur Familie.
Ein Mann tut das Gleiche. Was denken die Kollegen? Aha, der geht zu einem Kundenbesuch.
Das liegt, wie Erin Reid, Dozentin an der Uni Boston, herausgefunden hat, nur zum Teil daran, wie die Rollenverteilung im öffentlichen Denken verankert ist. Es liegt auch daran, dass Männer besser im Schummeln sind. Die unausgesprochenen Regeln des Karrieremachens, zu denen es gehört, „keine Zeit“ zu haben, werden von ihnen nicht in Frage gestellt, sondern mit kleinen Tricks unterlaufen.
Die „Jackett-überm-Stuhl-Strategie“ ist eine der bekannteren Varianten, mal gemütlich einen Espresso zu trinken, aber gleichzeitig irgendwie „präsent“ zu sein. Vor allem gehört zu dieser Zeitmanagementstrategie, jedem, der es hören will oder nicht, um die Ohren zu hauen, wie (beruflich!) überlastet man ist, und wie opferbereit dazu. „Alles für die Firma geben“, auch wenn man(n) zu Hause im home office – oder im Garten sitzt.
Das System des gegenseitigen zur-Schaustellens von beruflicher Nachgefragtheit haben Frauen offenbar nicht durchdrungen. Sie sind zu ehrlich, „werben“ statt dessen um Akzeptanz für familiäre Belange.
Aber es gibt, wie Frau Reid meint, einen Hoffnungsschimmer: Die Zeiten ändern sich, glaubt sie. Ihre Studie beweise, dass Menschen, die weniger arbeiten (also auch die, die nur so tun als ob) genauso geschätzt werden wie Rund-um-die-Uhr-Malocher. Und dass Firmen keine Unterwürfigkeit mehr von ihren Angestellten erwarten könnten. Warum? Weil die nicht unbedingt zu besserer Leistung führe…
Mehr dazu: NYtimes

Mitarbeitergespräch: Geschmeidiger sein und mehr lächeln?

 

Grundsätzlich, und wenn beide Seiten sich an die Regeln halten, ist so ein Mitarbeitergespräch ja eine gute Sache: Der Mitarbeiter weiß, woran er ist und wohin er sich entwickeln kann. Der Vorgesetzte wiederum wird seiner Führungsaufgabe gerecht, Ziele zu setzen, zu motivieren, Potentiale zu fördern und in akzeptabler Form Kritik zu üben.

Was aber, wenn dabei so ein Satz fällt: „Sie müssen geschmeidiger sein und mehr lächeln“.

Geht es hier etwa die Produktgestaltung von Streichkäse? Oder sind wir im Land des Lächelns?  Würde ein Mann diesen „Rat“ zu hören kriegen? Oder sind wir in einem Aerobic-Studio, wo etwas kraus Gelenkigkeit gemeint sein könnte?  Nein, wir sind in einem Finanzinstitut, beim Mitarbeitergespräch zwischen Vorgesetztem (männlich) und Mitarbeiterin (mittlere Führungsebene, weiblich).

Zugegeben, es hat schon wieder was Komisches. Ich empfehle nämlich oft meinen Klientinnen, weniger zu lächeln, weil sie sonst speziell in Männerrunden nicht ernst genommen werden.  Dieser Klientin gratuliere ich hiermit: Sie ist offenbar ein guter Sparringpartner für ihr sonst männlich besetztes Umfeld – und sie sollte daran auf keinen Fall etwas ändern!

Siehe dazu auch:

http://www.telegraph.co.uk/science/science-news/10101889/Key-to-promotion-for-women-dont-smile.html

Die Frau, die Wirtschaft und Deutschland

 

Irgendetwas war anders. Bloß was? War etwa Muttertag?  Oder Blumen-Konsum-Tag? – Verzeihung, Valentine’s Day? Nee, falsches Datum.  Mir fiel jedenfalls die Frauenlastigkeit in einem spätabendlichen Kulturmagazin auf. Da plötzlich kapierte ich, das war’s: Der achte März, WELTFRAUENTAG!

Wie konnte der nur so spurlos an mir vorübergehen? Ich bin aufgestanden, habe gelebt und gearbeitet, ohne dieses meiner Art geltende Achtsamkeits-Datum zu bemerken. Ein Tag wie jeder andere, wären der aspekte-Moderatorin nicht die Bälger um die Beine gekrabbelt ..

Ach ja. Wäre es nicht wunderbar, wenn wir mal Claus Kleber oder Tom Buhrow mit Kleinkind-umflorten Beinen zu sehen bekämen?

Dann bräuchte vermutlich auch keiner mehr einen „Weltfrauentag“ auszurufen…

Übrigens, laut einer vom WEF erstellten weltweiten Rangliste ist Deutschland im letzten Jahr in Bezug auf die Verringerung geschlechtsspezifischer Unterschiede in der Wirtschaft von Platz 11 auf Platz 13 gefallen.

P.S.  eine Woche später: Demnächst – am 21. März – ist „Equal Pay Day“ – ein möglicherweise wichtigeres Datum für messbare Gleichstellung von Frauen. Mehr „Messbares“  im sogenannten 2. Atlas zur Gleichstellung von Männern und Frauen.

Auch interessant für Frauen, die Familienernährerinnen sind, ein vom Bundesfamilienministerium und DGB gemeinsam finanziertes Projekt.

Gemeinsam einsam: Fernbeziehungen für den Job

„Die Zeit hier geht mit Arbeit drauf“, sagt mein Klient. Unter der Woche sei ohnehin niemand da, der auf ihn warte: „Meine Frau arbeitet in Brüssel – wenn wir Glück haben, sehen wir uns zweimal im Monat. Schon seit sechs Jahren geht das so…“

Anfangs, meint er, habe das noch etwas reizvolles, nomadenhaft-romantisches gehabt: Man hob sich ab von der Tristesse der Häuslebauer, jedes Treffen war ein Date, man sehnte sich, freute sich, weinte beim Abschied.

Eine einzige Gefühls-Berg-und-Talfahrt, wieder und wieder, dazu der anspruchsvolle Job, das Reisen, die doppelte Haushaltsführung – inzwischen sei das nur noch anstrengend.

„Beide sind wir wochentags zu Einzelkämpfern geworden, unsere Freunde kommen zu kurz und haben inzwischen auch keine Zeit mehr…“

Ob dieser Job das wirklich wert sei, fragt sich mein Klient. Ich glaube, die Antwort kennt er schon….

Neues aus Deutschland: Die Frau als Hauptverdienerin?

Kennen Sie eine Internetseite, die „Familienernaehrer.de“ heißt und bei der es um die Rolle des Mannes als Haupt-Brötchenverdiener geht?

Nein? Kein Wunder – so eine Seite gibt es auch nicht.

Schließlich gilt es in Deutschland immer noch als „normal“, daß der Mann die Familie finanziell ernährt. Die Frau schmeißt Haushalt und Familie und verdient vielleicht noch ein „Zubrot“ als schlecht bezahlte Teilzeitkraft.

Dieses  Rollenmodell ist jedoch in Bewegung gekommen, das konnte ich längst beobachten. Mir sitzen oft „starke Frauen“ gegenüber, die in ihrer Partnerschaft oder gar für die Familie den Löwenanteil erwirtschaften.  

Einfach ist das nicht. Mit so einem „Rollentausch“ (!!) erleben beide Partner nicht nur  Akzeptanzprobleme in ihrer Umwelt. Bei Männern wie Frauen nagt das Modell am Selbstverständnis und bei Frauen nagt es insbesondere am Geldbeutel: Denn immer noch verdienen sie in D bei gleicher Position bis zu 24 Prozent weniger als Männer. Da zahlt es sich immer noch aus, die „traditionelle Variante“ zu wählen…

Wundern wir uns also nicht darüber, dass es die Seite http://www.familienernaehrerin.de/ gibt. Immerhin, im fünfköpfigen Vorstand des DGB, der die Seite verantwortet, sitzen zwei Frauen…