Kaltgestellt und ausgebremst – Intrigen am Arbeitsplatz

 

Die Anrufe haben stets den gleichen Tenor: „Hätte nie gedacht, dass mir so was passieren könnte.“

Warum nicht?

„Ich habe mich immer fair verhalten. Habe offen und professionell kommuniziert und effizient gearbeitet. Und dann das.“

„Das“ sind Anfeindungen aus unterschiedlichsten Richtungen, oft vom direkten Vorgesetzten, oder von Kollegen. Mitgedacht ist da auch, dass ein „Mobbing-Opfer“ irgendwie eine Breitseite für solche Anfeindungen gibt, getreu dem Motto, die Lämmchen erwischt es eben, so funktioniert die Darwinsche Auslese. Womit man das Mobbing-Geschehen als naturgegeben und unabänderlich darstellt.

Und etwas Wahres ist dran: Wo Ressourcen knapp sind, fängt das Beißen in alle Richtungen an. Allerdings ist Mobbing komplexer und von „Mobbing-Opfern“ spricht man längst nicht mehr. Der Begriff „Mobbing-Betroffener“ hat sich eingebürgert, um zu zeigen: Es kann jeden in unserer Arbeitswelt treffen. Sobald das allerdings passiert, ist der oder diejenige „angezählt“. Es beginnt unter Umständen ein langes Martyrium, bei dem Menschen aus der Mitte an den Rand gestellt werden, und alle machen irgendwie mit, besonders, wenn sie wegschauen. Wie heißt es so schön, „Kommunikation auf Augenhöhe?“   Wer hinschaut und Stellung bezieht, muss befürchten, ebenso ins Abseits befördert zu werden. Oder nicht?

Die Rechtslage hat sich inzwischen geändert. Zwar ist Mobbing nicht wie in Schweden oder Spanien ein Straftatbestand, Betroffene können sich jedoch dank deutlicher Rechtsprechung  wehren, sie können auch versuchen, ihr Umfeld zu aktivieren. Allerdings braucht das Mut, Kampfgeist und Solidarität – seltene Werte heutzutage. Wichtig auf jeden Fall: Die richtigen Prioritäten setzen und an das eigene Wohlergehen denken.  Mehr Informationen.

Mobbing unter Ärzten

Es ist ein alter Hut: Wo Ressourcen knapp sind, wird „gemobbt“. Offenbar sind für diese Art von Virus aus diesem Grund Kliniken ein idealer Nährboden. Dort gibt es straffe Hierarchien und eine so starke Ausrichtung auf finanzielle Effizienz, dass die ärztliche Ethik, im Sinne des  Patienten zu handeln, häufig auf der Strecke bleibt. Wer in einem solchen System weiter kommen will, muss viele Kröten schlucken. Eine davon ist die des Mobbings, in Kliniken interessanterweise oft durch Vorgesetzte, wenn man einer älteren Statistik der Ärztekammer Nordrhein glauben darf.

Die Gefahr wurde durch die Ärztekammern längst erkannt, deshalb beschloss der deutsche Ärztetag schon 1998, in den Kammern Mobbingbeauftragte zu installieren. Ob dies ein Versuch war, dem Phänomen wirklich intern zu begegnen, oder es eher intern unter den Teppich zu kehren, bleibt offen. Als Beraterin habe ich jedenfalls den Eindruck, dass diese Krankheit weiter grassiert.

Dafür, was Mobbing eigentlich ist, gibt es inzwischen übrigens mehrere taugliche Definitionen, allen zugrunde liegt die von Heinz Leymann (1993):

“Unter Mobbing wird eine konfliktbelastete Kommunikation am Arbeitsplatz unter Kollegen oder zwischen Vorgesetzten und Untergebenen verstanden, bei der die angegriffene Person unterlegen ist, und von einer oder einigen Personen systematisch, oft und während längerer Zeit mit dem Ziel und/oder dem Effekt des Ausstoßes aus dem Arbeitsverhältnis direkt oder indirekt angegriffen wird und dies als Diskriminierung empfindet.”

Wichtig an dieser Definition: Die Systematik, mit der das schädigende Verhalten gegenüber dem Betroffenen abläuft.

Interessante Informationen zu Mobbing in Kliniken hier

Hier eine Grundsatzentscheidung von 2007  zu den Schäden, die durch Mobbing entstehen: