Streit in der Gemeinschaftspraxis

Es gibt Professionen, die für Außenstehende so geheimnisvoll erscheinen, dass sie bis heute eine Aura der Perfektion und Anbetungswürdigkeit umgibt. Die des Arztes zum Beispiel. „Hinter den Kulissen“  von Praxen und Kliniken aber geht es, wie der Hesse sagt, de Mensche wie de Leit: In Zeiten der Ressourcenknappheit wird auch hier gekämpft um Arbeitszeiten, Territorien, Geld, um Macht.

Und wie überall gibt es auch in Gemeinschaftspraxen erwartbare Schwierigkeiten, wenn es um die Gestaltung von Übergängen geht: Der/die Neue kommt hinzu, glaubt sich von Anbeginn im Besitz gleicher Rechte, die der/die Alte jedoch nicht zugestehen will: Da werden Befunde vom alteingesessenen Praxispartner kontrolliert, was der/die Neue als Vertrauensbruch sieht, da werden Meetings zu nicht einhaltbaren Zeiten angesetzt.  Da werden Rechnungstricks verheimlicht, weil man das „schon immer so“ gemacht hat, da wird das alte Praxisteam zur Mauer gegen den Neuling…

Es gibt unendlich viele Möglichkeiten, um den hoffnungsvollen Neustart einer Gemeinschaftspraxis in den Sand zu setzen. Das Schlimme für die betroffenen Ärzte, die sonst immer Souveränität und Kompetenz ausstrahlen (müssen): Plötzlich ist beides futsch. Aber die Fassade von Souveränität und Kompetenz muss nach wie vor aufrecht erhalten werden. Das geht an die Substanz, ist ein Energiedieb allererster Kajüte.

Dabei hätte man es ja kommen sehen können. Man hätte schon im Vorfeld die „Klassiker“, also die erwartbaren Streitpunkte und nicht ausgesprochenen Erwartungen, klären können, eventuell auch mit Hilfe eines Coaches oder Mediators.

http://www.chance-praxis.de/aktuelles/streit-in-der-gemeinschaftspraxis-oft-hilft-eine-mediation/

Mobbing unter Ärzten

Es ist ein alter Hut: Wo Ressourcen knapp sind, wird „gemobbt“. Offenbar sind für diese Art von Virus aus diesem Grund Kliniken ein idealer Nährboden. Dort gibt es straffe Hierarchien und eine so starke Ausrichtung auf finanzielle Effizienz, dass die ärztliche Ethik, im Sinne des  Patienten zu handeln, häufig auf der Strecke bleibt. Wer in einem solchen System weiter kommen will, muss viele Kröten schlucken. Eine davon ist die des Mobbings, in Kliniken interessanterweise oft durch Vorgesetzte, wenn man einer älteren Statistik der Ärztekammer Nordrhein glauben darf.

Die Gefahr wurde durch die Ärztekammern längst erkannt, deshalb beschloss der deutsche Ärztetag schon 1998, in den Kammern Mobbingbeauftragte zu installieren. Ob dies ein Versuch war, dem Phänomen wirklich intern zu begegnen, oder es eher intern unter den Teppich zu kehren, bleibt offen. Als Beraterin habe ich jedenfalls den Eindruck, dass diese Krankheit weiter grassiert.

Dafür, was Mobbing eigentlich ist, gibt es inzwischen übrigens mehrere taugliche Definitionen, allen zugrunde liegt die von Heinz Leymann (1993):

“Unter Mobbing wird eine konfliktbelastete Kommunikation am Arbeitsplatz unter Kollegen oder zwischen Vorgesetzten und Untergebenen verstanden, bei der die angegriffene Person unterlegen ist, und von einer oder einigen Personen systematisch, oft und während längerer Zeit mit dem Ziel und/oder dem Effekt des Ausstoßes aus dem Arbeitsverhältnis direkt oder indirekt angegriffen wird und dies als Diskriminierung empfindet.”

Wichtig an dieser Definition: Die Systematik, mit der das schädigende Verhalten gegenüber dem Betroffenen abläuft.

Interessante Informationen zu Mobbing in Kliniken hier

Hier eine Grundsatzentscheidung von 2007  zu den Schäden, die durch Mobbing entstehen: