Angst vor Kritikgespräch mit dem Mitarbeiter?

 

Ich blicke in ein Gesicht mit Sorgenfalten. Es gehört der Führungskraft eines großen Unternehmens. Ich höre immer wieder die Worte „Vertrauen und Respektlosigkeit“.

Die Führungskraft hat sich eine „Schlange an die Brust“ gesetzt. Sie hat den neuen Mitarbeiter als Stellvertreter für sich ins Unternehmen geholt, ihr vertraut und Freiräume gegeben. Kaum dass die Probezeit beendet ist, kommt es zu massiven Konflikten. Der Mitarbeiter überschreitet seine Kompetenzen, unterschreibt, wo er nicht unterschreiben darf, äußert vor versammelter Mannschaft Kritik am Führungsstil meines Klienten.

Er hat mit großer Treffsicherheit den Nerv getroffen. Mein Klient meinte, mit „Vertrauen und Freiraum“ führen zu können. Die Kehrseite der Medaille: Mein Klient scheut Konflikte, geht ihnen lieber aus dem Weg, meint, das erledigt sich schon von selbst.

Nun hat er den Salat. Er hat ein Kritikgespräch mit seinem Stellvertreter anberaumt, vor dem ihm selbst die Hosen flattern. Er wird, sagt er, „innerlich ganz klein“, wenn er dem entgegensieht. Dies mit Unfähigkeit gleichzusetzen, wäre sträflich – es ist ein „wunder Punkt“ in einem sonst hochkompetenten Persönlichkeitspuzzle.

Was tun? Der Weg, der vor uns liegt ist nicht einfach, aber gangbar und schon erprobt. Und noch etwas. Der Mann ist mit seinem Problem nicht allein; wie dieser Beitrag aus dem Coaching-Newsletter von Christopher Rauen zeigt.

Mitarbeitergespräch: Geschmeidiger sein und mehr lächeln?

 

Grundsätzlich, und wenn beide Seiten sich an die Regeln halten, ist so ein Mitarbeitergespräch ja eine gute Sache: Der Mitarbeiter weiß, woran er ist und wohin er sich entwickeln kann. Der Vorgesetzte wiederum wird seiner Führungsaufgabe gerecht, Ziele zu setzen, zu motivieren, Potentiale zu fördern und in akzeptabler Form Kritik zu üben.

Was aber, wenn dabei so ein Satz fällt: „Sie müssen geschmeidiger sein und mehr lächeln“.

Geht es hier etwa die Produktgestaltung von Streichkäse? Oder sind wir im Land des Lächelns?  Würde ein Mann diesen „Rat“ zu hören kriegen? Oder sind wir in einem Aerobic-Studio, wo etwas kraus Gelenkigkeit gemeint sein könnte?  Nein, wir sind in einem Finanzinstitut, beim Mitarbeitergespräch zwischen Vorgesetztem (männlich) und Mitarbeiterin (mittlere Führungsebene, weiblich).

Zugegeben, es hat schon wieder was Komisches. Ich empfehle nämlich oft meinen Klientinnen, weniger zu lächeln, weil sie sonst speziell in Männerrunden nicht ernst genommen werden.  Dieser Klientin gratuliere ich hiermit: Sie ist offenbar ein guter Sparringpartner für ihr sonst männlich besetztes Umfeld – und sie sollte daran auf keinen Fall etwas ändern!

Siehe dazu auch:

http://www.telegraph.co.uk/science/science-news/10101889/Key-to-promotion-for-women-dont-smile.html

Hilfe, das Mitarbeitergespräch kommt!

Diesen Hilferuf habe ich schon von beiden Seiten des Schreibtischs gehört. Obwohl oder vielleicht weil es „Leitfäden“ und Seminare über das Führen solcher Gespräche gibt, fühlen sich beide Parteien nicht selten mit diesem Genre überfordert. Ein zuviel an Regeln kann zweierlei bewirken: Der/die Vorgesetzte wischt sie mit grosser Geste vom Tisch, führt das Gespräch in lockerem Plauderton und mischt noch rasch ein paar Kritikpunkte unter. Ergebnis: Unklarheit, mit der keiner etwas anfangen kann. Oder das Augenmerk liegt zu stark auf Struktur und Regeln und die Gesprächspartner fühlen sich davon eingezwängt. Irgendwie künstlich, so was.

Die Kunst liegt wohl mal wieder in der Mitte, wenn Tenor und Struktur des Gespräches zusammen Sinn ergeben. Es ist genug Zeit zum Reden vorhanden, Störungen sind ausgeschlossen. Beide Gesprächspartner sind gut vorbereitet auf den Rückblick und die sich daraus ergebenden Entwicklungsziele. Der Ton ist wertschätzend, ein Kritikgespräch wird nicht noch eben „eingefädelt“. Beide können ab und zu geben, sodass kein einseitiges Frage-Antwort-Spiel entsteht. Der oder die Vorgesetzte setzt erreichbare Ziele. Der oder die Mitarbeiter/in achtet darauf, dass die Ziele erreichbar sind und dass dafür auch die Rahmenbedingungen gegeben sind. Davor braucht sich eigentlich keiner zu fürchten, oder?