Mein Arbeitgeber, mein Ausbeuter – facebook als Klagemauer?

 

Wohin mit dem Frust, wenn er so richtig frisst? Der Partner kann es längst nicht mehr hören, Freunde auch nicht. Da eignen sich doch die neuen sozialen Netzwerke am besten, oder?

Besser nicht.

Eine neue Verfahrenswelle rollt gerade auf die Arbeitsgerichte zu: Verhaltensbedingte Kündigungen, bei denen es um Arbeitnehmer geht, die sich z.B. bei facebook über ihr Unternehmen beklagten.

Derzeit läuft z.B. beim LAG Hamm die Berufung eines 52-jährigen Arbeiters aus der Stahlindustrie, der auf seiner privaten facebook-Seite über seinen Chef lästerte. Allerdings: Von seinen 70 angemeldeten „Freunden“ arbeiteten die Hälfte im gleichen Betrieb.

Sind Kollegen Freunde?  Aber das ist ein anderes Thema.

Das ArbG Hagen  betrachtete die abfälligen Kommentare in erster Instanz als „quasi betriebsöffentlich“. Dem Mann wurde außerordentlich und ordentlich gekündigt, letztere erkennt das Arbeitsgericht trotz 32-jähriger Betriebszugehörigkeit als gerechtfertigt an.

Nun kann man natürlich fragen, wie doof kann man eigentlich sein?

Aber es soll ja auch schon vorgekommen sein, dass sich Angestellte krank gemeldet und anschließend auf ihrer „Pinwand“ Urlaubsfotos vom Strandleben gepostet haben…

Bedauerlich, wenn Geltungstrieb oder Kränkungen das Hirn ausschalten.

Gutes Bewerbungsgespräch, trotzdem Absage – und nun?

 

Der Hürdenlauf – herausragende Bewerbung verfassen, das Bewerbungsgespräch vorbereiten und mit positiver Rückmeldung bestehen, alle wichtigen Fragen stellen – ist beendet, das Ziel erreicht. Das Treffen verlief professionell, ja, es wurde sogar hier und da gescherzt. „Sie hören von uns!“ heißt es beim Abschied. Der Kandidat ist beschwingt und malt sich aus, demnächst den neuen Arbeitsvertrag in der Tasche zu haben.

Eine Woche vergeht. Noch eine.

Am Ende der dritten Woche – noch immer hat der Kandidat nichts „gehört“ – greift er zum Hörer und erfährt, dass die Position inzwischen leider anderweitig besetzt wurde.

Rrrrrums – da ist er, der Tiefschlag. Man sitzt wie gelähmt neben dem Telefon und vor einem Scherbenhaufen von geplatzten Vorstellungen. Und jetzt?

Das Schlimme an der Prozedur ist nicht mal, dass sie für viele geeignete Bewerber so abläuft, sondern dass der Kandidat erst mal an seiner Wahrnehmung zweifelt. Ist das Gespräch doch anders gelaufen, als ich es in Erinnerung habe? Und: Bin ich jetzt weniger wert als vorher?

Die Enttäuschung ist groß und nagt. Aus der Perspektive des Coachs lässt sich dazu folgendes sagen:

  1. Dass ein Bewerbungsgespräch „gut läuft“, ist zu erwarten.  Personaler sind Profis der Gesprächsführung – sie wissen freilich auch, wie Stressinterviews funktionieren. Aber oft liegt ihnen mehr daran, einen Sympathie-Kontext zu schaffen – dann erfahren sie mehr über ihr Gegenüber, als wenn er nervös ist. Was der Kandidat dann erlebt, ist konventionelle Gesprächsführung im Genre „Job-Interview“. Es hat relativ wenig mit ihm persönlich zu tun.  Sie müssen nur mal kurz die Perspektive wechseln, um das nachzuvollziehen: Personaler führen Dutzende solcher Gespräche,  das ist ihr Job. Das „Einzigartige“ aus Sicht des Kandidaten hat für sie längst Mengenrabatt. Als Kandidat sollten Sie daraus die Konsequenz ziehen und nicht die Sympathie-Herstellung mit einer Zusage gleichsetzen.
  2. Dass sich der Bewerber auch noch selbst den Korb abholen muss, ist schlechter Stil aber leider verbreitet. Personalabteilungen frönen dem „keine-Zeit-Mythos“. Nach absolvierter Pflicht – also Bewerbungsgespräch höflich und sympathisch gestalten – ist oft Schluss mit höflich.
  3. Mit Ihrem Selbstwert hat das nichts zu tun. Es ist ein Spiel, das nicht auf Augenhöhe abläuft, da dem Bewerber entgeht, worauf es eigentlich ankommt und er dies wg. Gleichstellungsgesetz auch nicht erfährt. Die einzig richtige Konsequenz ist: Aufstehen, negative Energie abschütteln und weitermachen!