Gutes Bewerbungsgespräch, trotzdem Absage – und nun?

 

Der Hürdenlauf – herausragende Bewerbung verfassen, das Bewerbungsgespräch vorbereiten und mit positiver Rückmeldung bestehen, alle wichtigen Fragen stellen – ist beendet, das Ziel erreicht. Das Treffen verlief professionell, ja, es wurde sogar hier und da gescherzt. „Sie hören von uns!“ heißt es beim Abschied. Der Kandidat ist beschwingt und malt sich aus, demnächst den neuen Arbeitsvertrag in der Tasche zu haben.

Eine Woche vergeht. Noch eine.

Am Ende der dritten Woche – noch immer hat der Kandidat nichts „gehört“ – greift er zum Hörer und erfährt, dass die Position inzwischen leider anderweitig besetzt wurde.

Rrrrrums – da ist er, der Tiefschlag. Man sitzt wie gelähmt neben dem Telefon und vor einem Scherbenhaufen von geplatzten Vorstellungen. Und jetzt?

Das Schlimme an der Prozedur ist nicht mal, dass sie für viele geeignete Bewerber so abläuft, sondern dass der Kandidat erst mal an seiner Wahrnehmung zweifelt. Ist das Gespräch doch anders gelaufen, als ich es in Erinnerung habe? Und: Bin ich jetzt weniger wert als vorher?

Die Enttäuschung ist groß und nagt. Aus der Perspektive des Coachs lässt sich dazu folgendes sagen:

  1. Dass ein Bewerbungsgespräch „gut läuft“, ist zu erwarten.  Personaler sind Profis der Gesprächsführung – sie wissen freilich auch, wie Stressinterviews funktionieren. Aber oft liegt ihnen mehr daran, einen Sympathie-Kontext zu schaffen – dann erfahren sie mehr über ihr Gegenüber, als wenn er nervös ist. Was der Kandidat dann erlebt, ist konventionelle Gesprächsführung im Genre „Job-Interview“. Es hat relativ wenig mit ihm persönlich zu tun.  Sie müssen nur mal kurz die Perspektive wechseln, um das nachzuvollziehen: Personaler führen Dutzende solcher Gespräche,  das ist ihr Job. Das „Einzigartige“ aus Sicht des Kandidaten hat für sie längst Mengenrabatt. Als Kandidat sollten Sie daraus die Konsequenz ziehen und nicht die Sympathie-Herstellung mit einer Zusage gleichsetzen.
  2. Dass sich der Bewerber auch noch selbst den Korb abholen muss, ist schlechter Stil aber leider verbreitet. Personalabteilungen frönen dem „keine-Zeit-Mythos“. Nach absolvierter Pflicht – also Bewerbungsgespräch höflich und sympathisch gestalten – ist oft Schluss mit höflich.
  3. Mit Ihrem Selbstwert hat das nichts zu tun. Es ist ein Spiel, das nicht auf Augenhöhe abläuft, da dem Bewerber entgeht, worauf es eigentlich ankommt und er dies wg. Gleichstellungsgesetz auch nicht erfährt. Die einzig richtige Konsequenz ist: Aufstehen, negative Energie abschütteln und weitermachen!

Bewerben: Was tun, wenn nur Absagen kommen?

Selbst Personalprofis ist das schon passiert: Man schickt Bewerbung um Bewerbung raus, bekommt aber keine Antwort.  Und weil hier wie anderswo der Satz gilt „keine Antwort ist auch ne Antwort“, wird dann die Frage „woran liegt es nur?“ zu einer Hauptsorge.

Eins vorweg: Den einen, „wahren“ Grund kann es nicht geben. Und selbst wenn, würden Sie ihn nicht erfahren: Das allgemeine Gleichstellungsgesetz steht dieser Forderung im Weg – schriftlich formulierte Absagen sind vage gehalten, um zu verhindern, dass ein verschmähter Kandidat den Klageweg beschreitet.

Mögliche Gründe gibt es dagegen einige. Manche Positionen werden nur der Form halber ausgeschrieben, sind aber im Prinzip schon „intern“ besetzt.  Da Sie als Bewerber so etwas aber nicht erfahren werden, gilt immer: Lassen Sie sich nicht den Wind aus den Segeln nehmen, bleiben Sie am Ball! Genauso, wenn vermutlich ein anderer Bewerber das Rennen gemacht hat: Sie wissen einfach nicht, woran das gelegen hat und sollten daraus kein düsteres Vorzeichen konstruieren.

Vielleicht ist auch gerade Flaute in Ihrer Branche. Das war noch bis vor kurzem –Stichwort Krise – verbreitet der Fall. Momentan jedoch geht es mit den meisten Personalmärkten wieder aufwärts.

Aber wenn Sie sich schon an die eigene Nase fassen wollen, fragen Sie sich: Sind meine Unterlagen wirklich adressatenorientiert geschrieben und auf die Vakanz zugeschnitten? Ist mein Profil scharf genug und überzeugend formuliert? Habe ich meine Passgenauigkeit mit den Anforderungen herausgearbeitet? Habe ich die richtige Suchstrategie?

Im Zweifel nehmen Sie sich einen Coach oder Karriereberater zur Seite, der Sie aus neutraler Sicht durch die Bewerbungsphase begleitet. Und falls Sie zwischendurch doch mal in den Seilen hängen: Gönnen Sie sich etwas, was Ihnen Spaß macht, nutzen Sie Ihre freie Zeit!