Von einer Befristung in die andere

 

Träume sind Schäume. In Deutschland gehört der Traum vom „sicheren Arbeitsplatz“ zu solch geplatztem Schaumwerk. Leistung und Loyalität des Arbeitnehmers werden zwar gern gesehen, jedoch keineswegs mit Arbeitsplatzsicherheit beantwortet. Jeder zweite Arbeitsvertrag ist inzwischen befristet, selbst über 10-jährige „Kettenbefristungen“ haben mittlerweile die Absegnung des EuGH, solange ein „Sachgrund“ vorliegt.

Was Unternehmer als Autonomie-Gewinn begrüßen, hat für den einzelnen Angestellten schwerwiegende Konsequenzen: Gerade für unter 35-jährige ist eine Lebens-und Familienplanung kaum möglich. Erst hangelte man sich von Praktikum zu Praktikum, um dann nach dem Examen weiter im „Stand-By-Modus“ verfügbar zu sein.

Aber auch für ältere Angestellte mit Festvertrag hat die Befristungs-Mode Konsequenzen: Sie überlegen es sich vor diesem Hintergrund zweimal, ob sie sich noch mal einen Jobwechsel wagen.

 Während die eine Altersgruppe also unter stetem Druck steht, sich zu beweisen,  toleriert die andere mitunter Arbeitsbedingungen, die längst unzumutbar geworden sind. So bedauerlich das ist, es bringt allerhand Handlungsbedarf für Coachings.

Mehr dazu: ZEIT/Karriere, SPIEGEL/Wirtschaft, SPIEGEL/Politik

Anwaltsschwemme: Hilfe, ich verliere Mandanten!

Prozesshanselei ist in Deutschland ja ein beliebter Sport, von daher müssen sich Anwälte keine Sorgen machen, glauben viele. Und im Glauben, hier einen sicheren Broterwerb zu finden, wählen viele Berufseinsteiger die juristische Laufbahn. Zu viele inzwischen, wenn man den Statistiken  glauben darf. Die Folge: Das Hauen und Stechen unter Juristen ist groß, mitunter wird von etablierten Anwälten schon davon abgeraten, diesen Beruf zu ergreifen.

In meiner Beratung habe ich auch mit desillusionierten Anwälten zu tun. Manche  kommen mit der von ihnen geforderten Fassade nicht klar, manche ringen mit dem immer stärker werdenden Leistungsdruck. Ein anderes Problem: Die steigende Anspruchshaltung der Mandanten.  Mitunter zögern sie nicht, mitten im Verfahren den Anwalt zu wechseln, aus Unzufriedenheit.

Worauf sich diese allerdings bezieht, ist ihren Anwälten oft unklar. „Aus heiterem Himmel“,  klagt mein Klient, habe man ihm nun schon mehrmals das Mandat gekündigt.  Dabei habe er fachlich und sachlich alles erdenkliche für die Mandanten getan. Und genau hier hakt die Sache: Die Beziehungsebene wird im Diskurs mit Mandanten gern vernachlässigt. Anziehend für die Berufswahl sind Status und Respekt – Menschen, die ihn ergreifen, sind eher Distanzmenschen, die auch das verpönte Juristendeutsch in diesem Sinne einsetzen.

Aber Klardeutsch reden zu können, ist meines Erachtens nur ein Teil des Problems. Viel wichtiger: Die Perspektive wechseln zu können, die Bedürfnisse des Klienten erkennen. Das fängt schon beim ersten Gespräch an – hier werden viele Fehler gemacht, die später im Mandatsverlauf hinderlich sind. „In medias res“ ist nicht immer zielführend!