Perspektivische Lebensführung

Da die Welt „unendliche Interpretationen in sich schliesst“ (Nietzsche, Fröhliche Wissenschaft), gibt es ebenso unendlich viele perspektivische Blickwinkel auf sie. Keine davon kann eine absolute Wahrheit, sondern nur eine relative Wahrheit im Rahmen dieser Sicht für sich beanspruchen.

Perspektivische Lebensführung heißt also:

  • Den von einer Perspektive erfüllten Raum mit Sinn und Bedeutung ausfüllen, um eine bejahenswerte Existenz zu verwirklichen.
  • Die Idee der Perspektivität offensiv einsetzen, um Gegebenheiten, die nicht zu verändern sind, so zu betrachten, dass sich mit ihnen leben lässt.
  • Lebensperspektiven verändern können, um Optionen bereit zu halten für den Fall, dass sich eine Perspektive erschöpft.
  • Eine reflektierte eigene Perspektive schaffen, die grundsätzlich erweiterbar und veränderbar ist.

Beruflicher Neustart mitten im Leben?

Mein Klient schaut auf den Boden neben sich, stockend sagt er „… ich glaube, dafür fehlt mir die Fantasie …“ Eine Vision seines künftigen beruflichen Selbst jenseits der bisherigen Inhalte zu entwerfen, empfindet er als kaum zu bewerkstelligende Herausforderung.

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Mein Job macht mich fertig – wirklich nur der Job?

Der Begriff burnout irrlichtert durch die Medien.

Dort finden wir, was „Vordenker“ schreiben, damit wir uns das Nachdenken sparen können.

Nach dieser medial vorverdauten Denkungsart handelt es sich beim burnout um einen „Zustand emotionaler Erschöpfung,… meist durch Stress ausgelöst“ (http://de.wikipedia.org/wiki/Burnout-Syndrom).  Die Ursache, der Stressauslöser, wird überwiegend in der Arbeitswelt lokalisiert.

Dass diese Sicht der Dinge vielleicht zu kurz greift, zeigt ein Artikel meines lieben Kollegen Peter Gester. Peter ist eine wandelnde Enzyklopädie und verblüfft immer wieder mit seinem Blick aufs Ganze. Dabei mag seine Sprache aufgebläht und kanzelhaft wirken, aber gut, so ist das eben bei Leitwölfen von seinem Schlag. Wenn man diesen Schaum abzieht, kann man wertvolle Perlen finden.

So ging es mir mit diesem Artikel, da wo et um den burnout jeht. Peter beschreibt das Phänomen als Antwort auf ein „längerdauerndes biographisches Unbehagen“,  und mit Blick auf Antonovskys Gesundheitskonzept („Salutogenese“) als Unterbrechung des Kohärenzgefühls, der Stimmigkeit mit sich selbst. Eine Krise, die letztlich zu einer „transzendentalen Obdachlosigkeit“ führt.  Hier ein paar Appetithappen:

[…] man könnte einen Burn-out als die Folge eines seit längerem nicht mehr passenden biographischen Anzugs verstehen, den der Betroffene aber (noch) nicht ablegen wollte […]

In diesem Falle wird der Zusammenbruch meistens jedoch nicht durch die Unterdrückung der eigenen Selbstverwirklichungswünsche ausgelöst, sondern durch eine Verkleinbürgerlichung durch überangepasste und vorwiegend geld- und leistungsgetriebene Karriereverwicklung. Dieser überangepasste Selbstverwirklichungspfad hat sich von den primärprozesshaften Tiefenstrukturen des Eigners so weit entfernt und distanziert, dass dadurch die eigenen Energie-, Kraft- und Kreativitätsquellen aus der Balance geraten sind […]

Mit anderen Worten: Es gibt kein richtiges Leben im falschen.

Aber lesen – und denken – Sie selbst: http://www.missing-link-institut.de/pages/de/-latest-n-e-w-s-.php

Bin ich etwa der Sklave meines Lebenslaufs?

 

Eine starke Frage. Eine Klientin stellte sie, um sie umgehend selbst zu beantworten: „Ich lebe nicht mehr für meinen Lebenslauf.“

 Klasse. Ich habe ihr dafür gratuliert. Spätestens (!) in der Mitte des Berufslebens merkt man: Außer, dass es gradlinige Lebensläufe eh kaum mehr gibt, wer will denn überhaupt so einen CV? 

Die sogenannten Anforderungen für einen gradlinigen CV sind ja ohnehin meist von außen Konstruierte, am echten Leben orientieren sie sich nicht. Wir müssen heut extrem beweglich sein, um den steten Wandel in der Arbeitswelt mitzumachen, und sind das auch. Aber ab einer bestimmten Stufe auf der Karriereleiter merken wir, dass wir eigene Anforderungen ans Leben haben. Dann ändert sich der Mensch und der CV. Und dann ist keiner mehr „Sklave seines Lebenslaufs.“

Wie werde ich glücklich und unbekannte Wörter

Glücklich werden müssen, das scheint mittlerweile in jedes persönliche Grundgesetz hinein-gemeißelt zu sein, so wie „the pursuit of happiness,“  in den Vereinigten Staaten  Bestandteil der Verfassung ist. Menschen streben auch hier nach Traumjob, Traumpartner, nach der Traumhochzeit, dem Traumhaus und so weiter und so fort.

Es ist eine verdammt verkrampfte Angelegenheit geworden, diese Suche nach den Traumdingen und dem Glück. Coaches werden konsultiert, weil man bei dieser Suche „nicht erfolgreich“ ist. Der Coach wird befragt, wie man ins Glück steuert.

Im englischen Sprachraum gibt es ein Wort, das hierzulande unbekannt ist: Serendipity.

Es bedeutet so viel wie „glückliche Fügung oder glücklicher Zufall“. Laut Wiki lassen sich viele Begebenheiten auf dieses Prinzip zurückführen – die Entdeckung des Penicillins, des Klettverschlusses und des LSDs zum Beispiel. Schade eigentlich, dass man es in Deutschland nicht kennt…

Der körperlose Mensch: Wie körperlos sind Sie?

 

Es ist schon seltsam. Da sitzt mir ein Mensch gegenüber, im sogenannt besten Alter (um die Vierzig), die Schultern hängend, dazwischen ein in den Sitz gedrückter Oberkörper, die Hände zucken manchmal, ein Bein angewinkelt, das andere ausgestreckt, ein Fuß hier, der andere da. Die Stimme kommt von irgendwoher und erzählt mir von Prozessen, von schwierigen Meetings, von Zahlenvorgaben, die kaum zu erfüllen sind.

 Ein körperloser Mensch, denke ich. Er hat seinen Körper hier deponiert, während sein Geist  irgendwo irrlichtert, vielleicht sogar zwischen elektronischen files.

 Hatte er also recht, der Spinner und geniale Vordenker Marshall McLuhan, als er in seinen apokalyptischen Schriften den „körperlosen Menschen“ vorhersah? Gut, er stellte sich einen elektronischen Menschen vor, der, von seinem Körper losgelöst, mit Menschen auf anderen Kontinenten telefoniert, während der Fernseher sein zentrales Nervensystem besiedelt.

 Aber mal ehrlich: Wovon nicht alles lassen wir unser zentrales Nervensystem besiedeln?

„To do-Listen“, Multitasking-, und Effizienz-Ideen, Changemanagement, you name it, they have it.

Körperlich arbeiten, schmecken, riechen, fühlen, lieben, tanzen, kitzeln, singen, wandern, laut lachen, schwimmen… all das kommt in unsrer “Zentral-Programmierung” immer seltener vor, oder?

Für antibakterielle Lebensführung: Tipps von Juliane Vieregge

Wie sollen wir leben? Wer gibt uns Führung, nachdem die klassischen Anbieter auf diesem Markt (Kirche, Philosophen, Psychologen, Meteorologen) auch so oft überfragt sind?

Gut, dass wir mit diesem Anliegen nicht ganz allein gelassen werden: Juliane Vieregge hat ein Plädoyer für die Leidenschaft geschrieben.

Nun kenne ich das Buch nicht, nur die Ankündigung des Verlags, aber die gefällt mir so gut, dass ich sie hier weitergebe, zu Ihrer Erheiterung:

 Wer sich vor eventueller Leidenschaft schützen will, erhält von Juliane Vieregge verlässlichen Expertenrat: 

1.       Machen Sie sich klein und unbedeutend.

2.       Verwenden Sie nur weiße Gewürze.

3.       Essen Sie Tofu.

4.       Blättern Sie während des Beischlafes in einer Formelsammlung.

5.       Hören Sie Zwölftonmusik.

6.       Fragen Sie sich grundsätzlich zuerst, was Kant tun würde.

7.       Relativieren Sie alles.

8.       Denken Sie bei Sonne an das Ozonloch.

9.       Bedenken Sie, dass jeder Kuss ein hohes bakterielles Risiko birgt.

10.   Schließen Sie die Augen und denken Sie an Ihre letzte Darmspiegelung.

11.   Verachten Sie rote Fingernägel, Rockkonzerte und schnelle Autos.

12.   Stellen Sie sich vor, Sie sind ein Lurch. 

Mit besten Wünschen für Ihr Leben als Lurch und gelegentlichem Schalk im Nacken,

Ihr Frankfurter Coach Wiebke Sponagel