Neue Studie: Was Studienabgänger wollen

Die junge Generation ist anders – das meinen die jeweils Älteren jedenfalls. Nun scheint es auch wissenschaftliche Argumente dafür zu geben: Prof. Dr. Heinrich Wottawa hat mit Kollegen von der Ruhruniversität Bochum die Lebensziele und Leistungspotentiale von über 20 000 Hochschulabsolventen untersucht. Zu seinen  Ergebnissen zählt, dass der Anteil potentieller Führungskräfte zurück gegangen sei und dass Stressresistenz und die Fähigkeit für Selbstmanagement abgenommen haben.

Eine Drifter-Generation also? Interessant auch, dass nach Wottawas Untersuchung die meisten Studienabgänger extrinsisch motiviert sind: Sie wollen arbeiten, um etwas zu erreichen. Wie das allerdings mit dem fehlenden Führungspotential einher geht, scheint die Studie nicht zu klären…

 H. Wottawa, C. Monteol, C. Mette, B. Zimmer, M. Hiltmann: Berufliche Lebensziele und Leistungspotentiale junger Hochschulabsolventen. Wirtschaftspsychologie 3/2011, S. 85-111 

Welche Perspektiven habe ich?

 

„Alles eine Frage der Perspektive“ – diese Weisheit ist so schlicht wie nachvollziehbar. Wer eine neue Orientierung sucht, findet die Vielfältigkeit der Möglichkeiten, die sich ihm oder ihr theoretisch und praktisch  bieten, vielleicht gar nicht so begrüßenswert. Denn Perspektivität ist nicht nur eine Frage des Standpunkts – von oben? Von der Seite, von unten? Von innen? Von Aussen? – sondern auch eine der Blickrichtung (rückwärts? Nach vorn?), und der Sehschärfe des Betrachters. Ganz klar: Ohne Betrachter keine Perspektiven, der Mensch steht im Mittelpunkt.

 Vor elf Jahren habe ich den Begriff „Perspektive“ in meinen Firmennamen aufgenommen, um auf Anhieb zu vermitteln, worum es geht: Um grundlegende Weichenstellungen, Visionen, Entscheidungen, Sinn im Leben. Es freut mich immer wieder, wenn ich dazu anregende Ideen und Hintergrundinformationen entdecke, wie zum Beispiel in brandeins vom Juni  letzten Jahres – ein Zufallsfund, den ich gerade erst gemacht habe und gern mit Ihnen teile.

Coachingthema „Wie finde ich Sinn in meinem Leben?“

Mein Klient ist knapp dreissig, und mit sieben Jahren Berufserfahrung in einer Seniorposition angekommen. Er sagt, er hat eigentlich alles. Eigentlich. Was ihm fehlt, ist der Sinn im Leben. Der Job erfüllt ihn nicht, obwohl es sein Traumjob ist. Was er jetzt ist, wollte er immer sein. Er hat manchmal das Gefühl, neben sich zu stehen und sich selbst zu beobachten. Dann fragt er sich: Wozu machst Du das eigentlich?

Eine Generation zuvor erwischte die sogenannte Sinnkrise uns frühestens um die vierzig. Jetzt ist sie eine Dekade früher da. Sie ereilt Menschen, die ihre Ausbildungszeit im Turbotempo absolviert haben. Äußeren Anforderungen haben sie immer schon in höchstem Masse entsprochen. Sie sind  der Stolz ihrer Patchworkfamilien. Sie sind überall schon mal gewesen, sprechen mehrere Sprachen, ohne elektronische Helferlein fühlen sie sich verloren. Was man will, erarbeitet man sich oder kauft man. Nur mit dem Sinn geht das scheinbar nicht.

Mein Klient ahnt, dass Sinn „etwas ganz Individuelles“ ist.  Genau da lauert die Schwierigkeit: Er sagt, er hat die Fühlung zu sich verloren. Wer er selbst ist, weiss er eigentlich nicht. Jetzt will er sich Zeit dafür nehmen, das herauszufinden.

Mit diesem Anliegen ist mein Klient nicht allein. Die Sinnfrage ist ein Produkt unserer standardisierten Arbeitswelt.  Als Coach und Begleiter so mancher Sinnsucher  bin ich – ob ich will oder nicht – Teil  des sogenannten Sinnmarktes geworden, dem eine blühende Zukunft prognostiziert wird. Sinnsuche als Massenbeschäftigung, Sinn im Duzend billiger. Ob das sinnvoll ist?

Mehr zu Thema Sinnmärkte:  

http://www.zukunftsinstitut.de/downloads/rez_sinnmaerkte_wuv0209.pdf

 http://www.manager-magazin.de/lifestyle/artikel/0,2828,627674,00.html