Karrieretipp Einschmeicheln: Bringen Komplimente mich voran?

„Ich schleime einfach nicht genug. Deshalb komme ich nicht voran.“

Glauben Sie das auch von sich? Wenn „einschleimen“ hier  für „netzwerken“ und „Selbstmarketing“ steht, ist da vielleicht sogar etwas dran. Denn diese beiden Fähigkeiten sind nötig, um beruflich voran zu kommen. Viele meinen, der Verzicht auf Schmeicheln sei ein Qualitätsmerkmal für aufrechte, redliche Menschen. Schade nur, dass  diese Art von Redlichkeit auf Dauer weniger gut ankommt. Meist ist es nämlich leichter, andere für sich einzunehmen, als sie davon zu überzeugen, dass man kompetent ist.

Es ist also nützlich, ab und zu auch das Einschmeichel-Register ziehen zu können. Aber Vorsicht: Im beruflichen Umfeld Komplimente zu verteilen hat, je nach Dosis und Zielgruppe, unterschiedliche Effekte. Wenn  von unten nach oben geschmeichelt wird, sehen das nicht nur die lieben Kollegen mit Missfallen. Vergleichen Sie mal die folgenden beiden Aussagen:

 1.  Chef an MA: „Sie machen gute Arbeit. Wir profitieren davon. Weiter so!“

2.  MA an Chef: „Sie machen gute Arbeit. Wir profitieren davon. Weiter so!“

Sie werden zugeben, die zweite Aussage kommt uns schräg vor. Warum? Sie verletzt die Rollenerwartungen für Personen mit niedrigerem Status. Ein „Untergebener“ will hier seinen Vorgesetzten beurteilen können. Vielleicht kann er das ja, aber Beurteilen zu dürfen ist nach herkömmlicher Übereinkunft ein Vorrecht des Statushöheren. Es ist auch eine – unausgesprochene – Funktion dieses Sprechakts, genau diesen Statusunterschied zu etablieren.

Da sind wir bei den Nebenwirkungen eines jeden Kompliments. Wer ein Kompliment macht, bezweckt irgendetwas damit. Und sei es nur, Sie zu (noch) mehr Arbeit zu „motivieren“…