Berufliche Neuorientierung oder leichte Umorientierung?

Wir Deutschen sind eine Vollkaskogesellschaft, heißt es. Sicherheitsbewusst, bodenständig, nicht unbedingt für Experimente zu haben. Drum meinen wir, ein Schuster müsse bei seinen Leisten bleiben.

Trotzdem schleichen sich bei vielen um die Lebensmitte Zweifel ein, die die Berufswahl betreffen. Was auch nicht weiter überrascht: Warum sollten die Werte, die Anfang zwanzig für jemanden beruflich gut waren, auch um die vierzig noch Bestand haben? Der Mensch ändert sich, das soll und darf er auch.

Die Frage, die sich dann stellt, lautet: Etwas ganz Neues oder nur eine leichte Kursanpassung?

Für eine leichte Kursanpassung würde sprechen, wenn die folgenden Annahmen zuträfen:

–        Der Job an sich macht Freude, nur das momentane Umfeld nicht.

–        Sie sind erfolgreich, das Unternehmen schätzt Sie, aber Sie haben dort alles erreicht, was zu erreichen ist.

–        Alles ist gut, aber die Routine macht über 50% aus und Sie beginnen, sich zu langweilen.

Wenn Sie sich aber sagen, dass Sie auf dem völlig falschen Dampfer sitzen und diesen Verdacht nicht erst seit gestern hegen, dann ist es Zeit. Denn je länger Sie mit einer Neuorientierung zögern, desto größer wird der Frust und das ungute Gefühl morgens beim Aufstehen. Arbeitszeit ist Lebenszeit. Und die falsche Arbeit ist ein falsches Leben.

Karriere in der Sackgasse?

 

Mein Klient atmet tief durch. Eigentlich, sagt er, hat er seinen Traumjob. Er macht ihn gern, hat nette Kollegen und einen Vorgesetzten, der ihm viel Spielraum gibt. Nur: Er macht den Job schon zu lang. Alle Vorgänge sind Routine, es fehlt an Abwechslung, nur 30 Prozent von dem, was er kann, wird abgerufen. Seine Kreativität bleibt auf der Strecke. Und was am schlimmsten ist: Die Spitze der Fahnenstange ist erreicht – jedenfalls in diesem Unternehmen. Weiter geht es nicht, eine neue Herausforderung fehlt. Mein Klient sagt, in diesem Unternehmen kann er alt und grau werden – aber will er das?

Was also tun?

So einfach, wie die Antwort aussieht –  einen neuen Job suchen –  ist das nicht. Mein Klient ist hin- und hergerissen zwischen dem, was ihm lieb und teuer geworden ist und dem Ungewissen, was ihn erwartet. Einerseits möchte er nicht auf die momentanen Annehmlichkeiten verzichten, andererseits aber auch nicht mit 65 sagen müssen, er habe 20 Jahre in einer beruflichen Sackgasse gesteckt.

Erschwerend kommt seine Definition vom „Traumjob“ hinzu:  Jahrelang hat er nach dem, was er jetzt tut, gestrebt und nur das als Ziel gehabt. Jenseits davon gab es – nichts.  Woher soll nun plötzlich die neue Vision, das neue Ziel kommen?

Plötzlich wird sie nicht kommen, die neue Zielsetzung. Sie kann reifen wie ein guter Wein und darf sorgsam entwickelt werden. Aber wenn sie dann da ist, ist die Zeit reif. Wer nicht wagt, der nicht gewinnt.

Von einer Befristung in die andere

 

Träume sind Schäume. In Deutschland gehört der Traum vom „sicheren Arbeitsplatz“ zu solch geplatztem Schaumwerk. Leistung und Loyalität des Arbeitnehmers werden zwar gern gesehen, jedoch keineswegs mit Arbeitsplatzsicherheit beantwortet. Jeder zweite Arbeitsvertrag ist inzwischen befristet, selbst über 10-jährige „Kettenbefristungen“ haben mittlerweile die Absegnung des EuGH, solange ein „Sachgrund“ vorliegt.

Was Unternehmer als Autonomie-Gewinn begrüßen, hat für den einzelnen Angestellten schwerwiegende Konsequenzen: Gerade für unter 35-jährige ist eine Lebens-und Familienplanung kaum möglich. Erst hangelte man sich von Praktikum zu Praktikum, um dann nach dem Examen weiter im „Stand-By-Modus“ verfügbar zu sein.

Aber auch für ältere Angestellte mit Festvertrag hat die Befristungs-Mode Konsequenzen: Sie überlegen es sich vor diesem Hintergrund zweimal, ob sie sich noch mal einen Jobwechsel wagen.

 Während die eine Altersgruppe also unter stetem Druck steht, sich zu beweisen,  toleriert die andere mitunter Arbeitsbedingungen, die längst unzumutbar geworden sind. So bedauerlich das ist, es bringt allerhand Handlungsbedarf für Coachings.

Mehr dazu: ZEIT/Karriere, SPIEGEL/Wirtschaft, SPIEGEL/Politik

Enttäuschung für Bewerber: Das Versprochene war ein Versprecher

 

Ein Kurswechsel im Leben ist immer eine Herausforderung. Allerhand Neues und Unbekanntes wartet auf einen: Schon allein, die passenden Jobanzeigen zu finden, den richtigen Ton in der Bewerbung anzuschlagen, Ausdauer zu zeigen, wenn Absagen kommen, ist schwierig.

Häufig aber machen Bewerber zu alledem eine besonders ärgerliche Erfahrung; Es werden Zusagen gemacht, die nicht eingehalten werden.  Eine telefonische Einladung zum zweiten Vorstellungsgespräch, zum Beispiel. Und einen Tag später liegt die schriftliche Absage im Briefkasten. Oder ein Firmenwagen wird zugesagt, bei Stellenantritt aber ist plötzlich kein Budget mehr dafür da. Oder ein bestimmter Ansprechpartner für die Einarbeitung, der beim Jobantritt nicht mehr im Unternehmen ist. Oder, oder, oder…

Bei manchen dieser Zusagen hört man dann, dumm gelaufen, das war ein Missverständnis. Damit ist die Verantwortung geschickt auf den Zuhörer, also auf den „Neuen“ abgewälzt. Nachdem ich immer wieder von meinen Klienten davon höre, muss ich schließen, dass nicht nur unprofessionelles Verhalten, sondern oft auch Kalkül dahinter steckt. Ist der Bewerber erst mal geködert, stellt sich das Versprochene als Versprecher heraus. Eine rechtliche Handhabe hat der Neuzugang in den seltensten Fällen . Vertrauensvolle Arbeitsbeziehungen entstehen unter solchen Vorzeichen nicht. Aber wer so handelt, legt darauf auch keinen gesteigerten Wert…

Lassen Sie daher gemachte Zusagen im Vertrag festhalten, empfiehlt Ihnen Ihr Frankfurter Coach Wiebke Sponagel.