Der körperlose Mensch: Wie körperlos sind Sie?

 

Es ist schon seltsam. Da sitzt mir ein Mensch gegenüber, im sogenannt besten Alter (um die Vierzig), die Schultern hängend, dazwischen ein in den Sitz gedrückter Oberkörper, die Hände zucken manchmal, ein Bein angewinkelt, das andere ausgestreckt, ein Fuß hier, der andere da. Die Stimme kommt von irgendwoher und erzählt mir von Prozessen, von schwierigen Meetings, von Zahlenvorgaben, die kaum zu erfüllen sind.

 Ein körperloser Mensch, denke ich. Er hat seinen Körper hier deponiert, während sein Geist  irgendwo irrlichtert, vielleicht sogar zwischen elektronischen files.

 Hatte er also recht, der Spinner und geniale Vordenker Marshall McLuhan, als er in seinen apokalyptischen Schriften den „körperlosen Menschen“ vorhersah? Gut, er stellte sich einen elektronischen Menschen vor, der, von seinem Körper losgelöst, mit Menschen auf anderen Kontinenten telefoniert, während der Fernseher sein zentrales Nervensystem besiedelt.

 Aber mal ehrlich: Wovon nicht alles lassen wir unser zentrales Nervensystem besiedeln?

„To do-Listen“, Multitasking-, und Effizienz-Ideen, Changemanagement, you name it, they have it.

Körperlich arbeiten, schmecken, riechen, fühlen, lieben, tanzen, kitzeln, singen, wandern, laut lachen, schwimmen… all das kommt in unsrer “Zentral-Programmierung” immer seltener vor, oder?

Mein Beruf ist nur noch Fassade

 

Alle Berufe heutzutage fordern ein hohes Maß an Professionalität. Manche aber „verkörpern“ diese Professionalität geradezu durch ihr Erscheinungsbild und durch hochstilisierte Verhaltensweisen – beispielsweise Juristen, Ärzte und Bankangestellte. Den Berufseinsteigern macht es noch Spaß, in ihre Berufskluft zu steigen, den entsprechenden Habitus zu imitieren und dazu zu gehören.

Aber mit den Jahren stellt sich oft ein Gefühl der Ernüchterung oder gar Entfremdung ein.  Die „Uniform“ wird als Fassade empfunden, in der kaum Platz ist für individuelles Dasein. Einer meiner Klienten sprach von dem Fluch des „Funktioniern-Müssens“, aus dem er lieber heut als morgen rauskäme.

Neulich fiel mir bei einer Fahrt durch Frankfurt auf, wie viele unserer Bürohäuser gerade ohne Fassade und „gestrippt“ dastehen. In der Platenstraße steht z.B. eines, ein anderes an der Taunusanlage, gegenüber von „Soll“ und „Haben“. Kein Zweifel, da entsteht Neues mit altem Kern. Ein neue Verkleidung kommt dran, energieeffizienter und schöner als vorher.

So eine Fassade hat ja auch einen Nutzen: Sie schützt das Innere und lässt nicht alles gleich durch. Und wie man an unseren Bürotürmen sieht,  ist sie auch veränderbar…