Kein Gefühl für Erfolg mehr

Mein Gegenüber hat viel geleistet und erreicht in seinem Leben. Er hat sich Ziele gesetzt, hart gearbeitet und sie erreicht. Jetzt ist er da, wo er immer hin wollte. Er könnte zufrieden sein, sich selbst auf die Schultern klopfen. Aber das geht nicht, denn etwas stimmt nicht, sagt er. Er hat das Gefühl verloren, das gute Gefühl, wenn man erfolgreich ist.

Früher, da waren Erfolge immer ein Fest für ihn, sagt er. Er habe sie zuhause oder mit Freunden oder Kollegen gefeiert, habe sich feiern lassen. In letzter Zeit aber habe er davon Abstand genommen. Dieses Verhalten passe nicht mehr zu einem über 40-jährigen, meint er. Auch habe sich seine Umgebung daran gewöhnt, dass ihm fast alles gelingt. Die Erwartungshaltung an ihn sei immer hoch, und seine Erfolge würden dann „abgenickt“ werden – man hat es ja nicht anders erwartet.

Er schaut mich mit einem fragenden Ausdruck an. Der Job, das Gehalt, die Arbeitsbedingungen … all das sei okay, aber irgendwie fad geworden. Wie, fragt er, kann ich das Gefühl zurück bekommen, das gute Gefühl des Erfolgreichen?

Wir haben uns daraufhin auf den Weg gemacht in die Gefühlswelt meines Klienten. Es ist ein Aufbruch zu eher kindlichen Anteilen seiner Persönlichkeit, zu Eigenschaften hinter einer Fassade von Professionalität und Seniorität. Sie bringt überraschende Erkenntnisse, diese Reise. Unter anderem, dass man tatsächlich älter und anders wird, sich dabei aber in keine Erwartungs-Zwangsjacke rein zwängen muss. Dass man Erfolge nach wie vor feiern kann und dass man Jobs, wenn sie fad werden, wechseln kann.

Mir fehlt berufliche Anerkennung

Es ist fast wie Liebesentzug, wenn bei der Arbeit die Anerkennung fehlt. Man strampelt sich ab, – schaut her, wie ich mich für Euch krumm mache! – legt noch eine Schippe drauf, das Resultat bleibt gleich – nichts. Da kann die Arbeit selbst noch so viel Spaß machen, wenn die Anerkennung ausbleibt, stellt sich ein ungutes Gefühl ein, nämlich Demotivation oder „die innere Kündigung.“
In manchen Fällen hat fehlende Anerkennung von Seiten des Arbeitgebers, ähnlich wie Liebesentzug, auch etwas Systematisches: „Ätsch, Du brauchst es, das weiß ich, aber Du kriegst es nicht! Ich lass Dich zappeln!“
Was macht man, wenn einem/ einer über längere Zeit so übel mitgespielt wird?
Man kündigt (die Beziehung auf).
Wenn Sie nämlich langfristig von Ihrem Arbeitgeber etwas fordern, was der nicht geben will, geben Sie ihm etwas: Macht über Sie, über Ihr Wohlbefinden. Sowas braucht kein Mensch.