Bin ich’s oder die? Rückmeldungen auf Bewerbungen bewerten

Mir sitzt ein echter Profi gegenüber – unser Gesprächspingpong verläuft versiert und entspannt, keine Unsicherheiten.
Nur, als wir auf seinen CV zu sprechen kommen, kommt er ins Stocken. Das sei der wunde Punkt, meint er. Er habe bisher nie davor zurück geschreckt, in seinem Feld unterschiedlichste Erfahrungen zu machen. Immer war seine Devise „lernen, lernen!“, und seine Beweglichkeit war auch über eineinhalb Jahrzehnte lang gefragt. Bis der Stellenabbau kam.
Nun heißt die Devise, einen neuen Job suchen und „das Beste aus dem Lebenslauf machen“ – aber wie? „Die meinen alle, ich sei ein Tausendsassa und könne alles, aber nichts richtig,“ glaubt er nach den ersten Rückmeldungen auf seine Bewerbungen.
Mal angenommen, frage ich zurück, Sie wären ein Spezialist? Wie wären dann die Rückmeldungen?
Vermutlich genau umgekehrt – „zu spezialisiert, zu wenig anpassungsfähig.“
Die eigentliche Kunst ist es, als Bewerber mit solchen Reaktionen umzugehen. Valide Informationen – so sie denn überhaupt kommen – herauszufiltern und zu unterscheiden von rezeptartigen, unverbindlichen und unbrauchbaren Antwortfloskeln.

Wenn Sie spezialisiert sind, geht es darum, für Sie eine Nische zu finden – es gibt sie, diese Nischen. Wenn Sie Generalist sind, geht es darum, für Sie eine Helikopter-Position zu finden, wo Sie die meisten Ihrer Kompetenzen einbringen können. Auch das gibt es.

Sie jedenfalls sollten mit Sicherheit und Stolz auf Ihren Lebenslauf blicken und sagen, das bin ich, das kann ich, und das ist gut so! Natürlich gehört dazu, einen CV auf die Adressaten zu zuschneidern. Aber von Allerwelts-Rückmeldungen sollten Sie sich nicht verunsichern lassen – es sind gute Zeiten für einen Jobwechsel!

Mehr Auswahl, bessere Jobs – wie die Jobsuche besser läuft

 

Im neuen Jahr soll alles anders werden: Die Arbeit soll mehr Spaß machen, besser bezahlt sein, näher am Wohnort und besser mit der Familie vereinbar sein… mit einem Wort: Ein neuer Job muss her. Den aber zu finden, kann  zeit-, und kraftraubend werden und sich zu einem „Projekt in eigener Sache“ auswachsen. Sie sollten dieses Projekt also mit einem guten Plan anpacken und auf die folgenden Dinge achten:

  1. Erstellen Sie sich ein  Profil Ihres Wunsch-Jobs. Schreiben Sie auf, welche Rahmenbedingungen für Sie wichtig sind, worauf es Ihnen beruflich ankommt. Wollen Sie eine Führungsposition? Brauchen Sie ein Büro für sich allein oder arbeiten Sie gern mit anderen zusammen? Und so weiter und so fort. Es ist wichtig, dass Sie klar an die Suche rangehen und wissen, „das kann passen“, „das  nicht“ und „darüber kann man verhandeln“.  Erstellen Sie auf diesen Kategorien basierend einen Fragenkatalog für kommende Einstellungsgespräche. Nur so können Sie in etwa herausfinden, ob Sie in diesem Unternehmen richtig sind.
  2. Wenn Sie das Profil Ihres Wunsch-Jobs haben, gehen Sie an Ihr eigenes Profil. Damit ist nicht Ihr CV gemeint – das kommt noch. Erarbeiten Sie für sich, was das Besondere, das Unverwechselbare ist, das Ihr künftiger Arbeitgeber mit Ihnen bekommt. Inwiefern kann er sich glücklich preisen, wenn er Sie einstellt?
  3. Fangen Sie rechtzeitig an, den Arbeitsmarkt zu beobachten. Melden Sie sich bei unterschiedlichen Portalen an, dann bekommen Sie regelmäßig Angebote. Unterschätzen Sie aber auch nicht die Mundpropaganda: Nutzen Sie Ihre Kontakte bei Freunden und Bekannten – Vitamin B ist eine gute Suchstrategie. Aktualisieren Sie Ihr Profil bei Netzwerken wie XING, LINKED-IN, etc. Hier suchen headhunter, die sollen Sie finden können. Überprüfen Sie ggfs. Ihren Auftritt in den sozialen Netzwerken mit dem Leitsatz „hier darf nichts sichtbar sein, was nicht auch in der Zeitung stehen könnte.“
  4. Aktualisieren Sie Ihre Bewerbungsunterlagen. Achten Sie beim Anschreiben auf eine persönliche Ansprache und schneiden Sie jeden CV auf den jeweiligen Adressaten zu.
  5. Wenn Sie eingeladen werden, denken Sie daran: Sie haben die Wahl! Seien Sie aktiv in der Gesprächsgestaltung,  bereiten Sie sich gut vor, mit Fragen (s. Punkt 1), die Ihnen wichtig sind.

Falls Sie einen headhunter hinzu ziehen wollen, achten Sie darauf, wie man Ihnen begegnet. Die Branche stellt sich  bisweilen ziemlich raubeinig dar, hier ein Beispiel. Von solchen Tönen sollten Sie sich nicht beeindrucken lassen – es geht um Ihr Leben und wenn ein headhunter Ihr Fragen und Nachhaken als lästig empfindet, ist er wohl kaum der Richtige.

Was ist erwartbar im Bewerbungsgespräch?

Hunderte von Ratgebern gibt es zu dieser Frage, und doch höre ich sie immer wieder. Klar,  das Genre „Jobinterview“ ist thematisch vorbestimmt durch gegenseitige Erwartungen – über das Sexualleben der Stubenfliege wird man sich vermutlich nicht unterhalten, es sei denn, es ist das Fachgebiet des Kandidaten.

Dennoch, innerhalb des gemeinsamen Erwartungshorizonts gibt es immer noch viel Spielraum – nicht nur über die Inhalte, sondern auch zur Struktur des Gesprächs. Die meisten Bewerber überlassen in dieser Hinsicht dem Gastgeber oder Interviewer die Initiative: Der oder diejenige hat schließlich Erfahrung in diesen Dingen.

Gerade diese Routine birgt jedoch auch Fallstricke – manche Fehler entstehen gerade deshalb. Karl Westhoff von der Uni Dresden („Das Entscheidungsorientierte Gespräch als Eignungsinterview“) sieht auf Seiten der Personaler beispielsweise eine Vorliebe für Suggestivfragen, die die erwünschte Antwort schon mitgeben. Auch von Warum-Fragen rät der Psychologe ab, da die Antworten darauf nur Informationen über „später erdachte Erklärungen“ geben würden.

Was will uns das sagen? Auf beiden Seiten des Tisches sitzen Menschen, beide können Fehler machen. Deshalb ist es für  Kandidaten ratsam, nicht nur „gute Antworten“ parat zu haben, sondern auch mit eventuellen Fehlern des Gegenübers umgehen zu können. Zuviel verlangt für einen Bewerber, der eh schon im Stress ist? Mag sein – aber auch da gilt: Alles eine Frage der Vorbereitung. Und wer gut vorbereitet ist, hat keinen Stress.

Bewerben: Was tun, wenn nur Absagen kommen?

Selbst Personalprofis ist das schon passiert: Man schickt Bewerbung um Bewerbung raus, bekommt aber keine Antwort.  Und weil hier wie anderswo der Satz gilt „keine Antwort ist auch ne Antwort“, wird dann die Frage „woran liegt es nur?“ zu einer Hauptsorge.

Eins vorweg: Den einen, „wahren“ Grund kann es nicht geben. Und selbst wenn, würden Sie ihn nicht erfahren: Das allgemeine Gleichstellungsgesetz steht dieser Forderung im Weg – schriftlich formulierte Absagen sind vage gehalten, um zu verhindern, dass ein verschmähter Kandidat den Klageweg beschreitet.

Mögliche Gründe gibt es dagegen einige. Manche Positionen werden nur der Form halber ausgeschrieben, sind aber im Prinzip schon „intern“ besetzt.  Da Sie als Bewerber so etwas aber nicht erfahren werden, gilt immer: Lassen Sie sich nicht den Wind aus den Segeln nehmen, bleiben Sie am Ball! Genauso, wenn vermutlich ein anderer Bewerber das Rennen gemacht hat: Sie wissen einfach nicht, woran das gelegen hat und sollten daraus kein düsteres Vorzeichen konstruieren.

Vielleicht ist auch gerade Flaute in Ihrer Branche. Das war noch bis vor kurzem –Stichwort Krise – verbreitet der Fall. Momentan jedoch geht es mit den meisten Personalmärkten wieder aufwärts.

Aber wenn Sie sich schon an die eigene Nase fassen wollen, fragen Sie sich: Sind meine Unterlagen wirklich adressatenorientiert geschrieben und auf die Vakanz zugeschnitten? Ist mein Profil scharf genug und überzeugend formuliert? Habe ich meine Passgenauigkeit mit den Anforderungen herausgearbeitet? Habe ich die richtige Suchstrategie?

Im Zweifel nehmen Sie sich einen Coach oder Karriereberater zur Seite, der Sie aus neutraler Sicht durch die Bewerbungsphase begleitet. Und falls Sie zwischendurch doch mal in den Seilen hängen: Gönnen Sie sich etwas, was Ihnen Spaß macht, nutzen Sie Ihre freie Zeit!

Erfolgreich bewerben: Was ist mein USP?

Der Arbeitsmarkt zieht wieder an: Jetzt ist eine gute Zeit für einen Stellenwechsel. Aber wie machen Sie einem potentiellen neuen Arbeitgeber klar, dass Sie die beste Wahl für ihn sind?

Der erste Schritt in die richtige Richtung lautet: Glauben Sie an Ihre Einzigartigkeit! Leider haben viele Arbeitnehmer im Kopf, dass sie „eigentlich austauschbar“ seien. Wenn Sie das glauben, spielen Sie Ihrem Arbeitgeber einen Trumpf zu. Überlegen Sie doch mal: Jeder Lebenslauf ist anders, und hinter jedem Lebenslauf stehen unterschiedliche Charaktere. Sie sind ein Unikat.  Auch wenn bei der Neubesetzung einer Stelle die Inhalte gleich bleiben – wovon nicht immer auszugehen ist – wird der oder die Neue diese Inhalte anders und neu ausfüllen.

Die große Frage für Ihren künftigen Arbeitgeber wird also sein: Wie wird der oder die Neue den Job machen? Was wird ihn auszeichnen?

Nach dem ersten Schritt wird es also für Sie darauf ankommen, aus der Stellenanzeige und sonstigen Informationen (Telefongespräche o.ä.) herauszufiltern, was genau man von Ihnen erwartet und was Sie liefern können. Noch besser: Was können Sie, das andere nicht können?

Hier geht es also um Ihr USP, um Ihr Alleinstellungsmerkmal, das Besondere an Ihnen. Haben Sie einen besonderen Draht zu den Kunden? Sind Sie besonders erfolgreich im Verhandeln von Verträgen? Was können Sie besser als andere und inwieweit profitiert Ihr künftiger Arbeitgeber davon?

 Wenn Sie sich über solche Fragen klar sind, haben Sie einen Riesenvorsprung gegenüber  all den Konkurrenten, die glauben, dass alle Jobanwärter eigentlich austauschbar seien….