Die Bauchentscheidung – Manager mit Bauch und ohne Intuition

 

Seltsam, wenn Männer mit sichtbarer Auswölbung darüber klagen, dass ihnen etwas fehlt: Das Bauchgefühl. Der Bauch, den sie vor sich her tragen, bringt Distanz – nicht nur zu anderen, auch zu sich selbst. Mit sich selbst – und ihrem Bauch – möchten sie sich eher nicht „befassen“.

Meist sind es Manager, Schwergewichte des Geschäftslebens, die viel bewegt haben und dabei selbst zusehends unbeweglicher geworden sind. Sie fragen sich, wie das passieren konnte, denn früher (!) hatten sie diese Kompetenz in hohem Maß, die man umgangssprachlich „gesunden Menschenverstand“ oder Intuition nennt. Sie fragen sich, ob sie denn überhaupt noch das können, was die öffentliche Wahrnehmung als Kernkompetenz der Managerkaste ansieht: Entscheiden, und zwar richtig.

Im Coaching mit einem solchen Klienten geht es darum, sich vorsichtig, fast zaghaft,  wieder dem Bauch und den Gefühlen darin zu nähern. Denn „eigentlich“ ist er einfühlsam und sensibel, mein Klient, und die Wampe ist zum Gutteil eine Rüstung gegen die steten Rempler und Verletzungen der Berufswelt. Wenn die weg wäre, müsste man sich zeigen. Man stünde nackt da, distanzlos – schutzlos?… Geht das?

Es geht. Aber es erfordert Mut und einen Aufbruch in Neuland – oder bekanntes Land, denn früher war man ja schon mal da.

Bauchgefühl bei Wiki

Entscheiden aus dem Bauch als Kompetenz von Unternehmern

Auf den Bauch hören nach Gerd Gigerenzer

Auf der Suche nach… dem Bauchgefühl

 

Als ich meinen Klienten kennen lernte, war er sichtbar zur Gelassenheit entschlossen. Sein Lachen war einen Tick zu laut, seine Körperhaltung etwas zu locker, sein Blick eher antrainiert gerade. Er sei eigentlich, sagte er, total entspannt, was seine berufliche Situation beträfe. Mit Mitte fünfzig hatte er eine verantwortungsvolle Position in einer Bank. Nur eins fehle ihm: Die Perspektive. Sollte das jetzt bis zur Pensionierung so weiter gehen oder sollte er noch mal “ranklotzen“ und sich eine neue Herausforderung suchen? Zurück in das Vielflieger-Leben, das er früher so gern geführt hatte? Um genau zu sein, meinte er, habe er nämlich etwas ganz wichtiges verloren: Sein Bauchgefühl.

Früher habe er eine innere Kompassnadel gehabt, die ihn immer zur richtigen Zeit an den richtigen Ort brachte. Aber jetzt? Es gebe ja viele interessante Stellenanzeigen momentan, aber irgendwie wisse er im Moment nicht recht, was oben und was unten ist.

Irgendwann in seinem anspruchsvollen Berufsleben hatte sich seine Intuition unbemerkt verabschiedet.  Wir kann man so was wieder finden? Gibt es da einen Erfahrungswert, a la recherche du Bauchgefühl? Kann man so was Unterbewusstes überhaupt bewusst ansteuern?

Ein Zeitschritt nach vorn. Kürzlich hatten wir unsere Abschluss-Sitzung. Das Coaching, meinte er, habe ihm viel gegeben, am besten: Sein Bauchgefühl sei wieder da. Es habe sich ja schon so eine Tendenz in unseren Sitzungen ausgeprägt, aber nun sei er sicher. Erstaunt hörte ich von einem unglaublich realistischen Traum, den er sich notiert hatte. Da ging es um unterschiedliche Wege in einen hellen, lichten Raum und um einen Beraterkoffer, der darauf wartete, mitgenommen zu werden.  Jetzt kenne er seinen Weg, sagte er mit einem echt entspannten Lächeln. Vielflieger-Dasein? Das hatte er ja zur Genüge.