Die erste Führungsposition… und ihre Fallstricke

Meine junge Klientin hat sich bewährt, ihr Unternehmen bietet ihr eine Führungsposition an.  Voller Enthusiasmus tritt sie die Leitung einer Abteilung an. Doch schon ein paar Wochen später merkt sie, dass von ihrem Elan wenig übrig geblieben ist : „Es hakt“, sagt sie.  Sie hat einige neue Prozesse angestoßen, beobachtet aber, dass sie immer wieder nachfragen muss, und dass kaum etwas in Gang kommt. – Woran liegt‘s?

Einerseits scheint es an Akzeptanz für ihre neue Rolle zu fehlen.  Sie ist für ihren fachlichen Arbeitseinsatz bekannt, aber noch nicht dafür, ihre Projekte auch durchzusetzen.  Auch hat sie es versäumt, neue Meta-Regeln einzuführen – ein  Meeting alle vier Wochen etwa, bei dem ihre Mitarbeiter sie als neue Chefin „erleben“ können.  Sie ließ halt alles beim Alten. Und obendrein hat sie sich durch ihre ständige Kontrolle nicht gerade beliebt gemacht. Es gibt zwei ältere Mitarbeiter, die ihr das übel nehmen und nun „mauern“.

Meine Klientin hat es versäumt, sich rechtzeitig – nämlich vorher – auf ihre neue Aufgabe einzustellen. Also zum Beispiel mit einem Coach die Situation zu analysieren,  Erwartungen zu klären und eigene Ziele für sich zu setzen.  Jetzt bläst ihr der Gegenwind ins Gesicht, und ihre Korrekturen brauchen neben dem Tagesgeschäft viel Kraft.

Führen und Denken

Haben Sie es auch schon gemerkt? Denken ist Luxus geworden. Im Auto denken die elektronischen Helferlein, beim Job gibt es „best practice-Prozesse“ oder „think tanks“, unterwegs und zuhause Berieselung durch neue und alte Medien.

Worüber haben Sie zuletzt nachgedacht, ich meine, abgesehen von alltagsweltlichem Kram wie „nicht-vergessen-die-Hemden-abzuholen“ oder „was-mache-ich-am-Wochenende?“

Über die Art, wie Sie mit Mitmenschen oder Mitarbeitern umgehen, zum Beispiel?

Darüber, was Ihnen wichtig ist im Leben und was anderen wichtig ist?

Einer neuen Studie zufolge hilft das Reflektieren auch bei Führungsaufgaben. Reflektierte Manager wurden als die besseren Führungskräfte wahrgenommen.

Wann soll ich das denn auch noch hinkriegen, fragen Sie?

Es gibt Orte und Zeiten fürs gemeinsame Nachdenken. Coaching, ergo sum.