Geschickte Männer

 

Die Weihnachtszeit naht und mit ihr eine Welle des Gutmeinens. Der Krawatten und Manschettenknöpfe sind genug verschenkt, man hat auch eigentlich alles, aber irgendetwas fehlt doch: Zeit, Hingabe, Konsens, Sinn?

So oder ähnlich müssen die Gedanken der Ehefrauen lauten, die dieser Tage bei mir anrufen, um für ihre nichtsahnenden Männer nach einem Geschenkgutschein für ein Coaching zu fragen. Dahinter steckt ein Veränderungswunsch – der Ehefrau, nicht unbedingt des Ehemannes. In neunundneunzig Prozent der Fälle höre ich von jenen geschickten Männern nämlich nichts.

Drum, liebe besorgte Ehefrauen, denkt doch bei aller guter Absicht noch mal über Euer Vorgehen nach: Wäre es nicht geschickter, den Männern die Initiative zu überlassen, nämlich dann, wenn sie selbst einen Änderungswunsch verspüren? Dann ist ein Coaching auch erfolgversprechend. Bei geschickten Männern leider nicht.

Geschenktes Glück, Coaching als Geschenk?

 

„Schenken Sie Glück“, lautet die Werbebotschaft eines Anbieters aus dem Luxussegment, die funkelnde Brillianten an einer schlanken Frauenhand zeigt. Weihnachtszeit, Geschenkezeit. Wenn es Glück in Tüten gäbe, wären die inzwischen Mangelware. So aber sucht der Weihnachtskunde Stellvertreter dafür, oder wenigstens Geschenke, die anders sind, die Sinn versprechen.

Entsprechend sind Socken out, Wellnessgutscheine und Verwöhnwochenenden aber in. Auf dieser Welle schwappen  zur Zeit etliche Anfragen nach Geschenkgutscheinen für Coachings zu mir rein. Ein Coaching bitte, mit rotem Schleifchen, vom Schenkenden zweifellos gut gemeint. Genau das ist der Haken an der Sache,  fast so wie bei den Socken früher: Der Beschenkte nimmt die Gabe artig an, denkt sich aber: Was soll ich bloß damit?

Es tut mir jedes Mal leid, die eifrigen Stimmen am Telefon einzubremsen, denn Coaching ist keine Gurkenpackung – zumal auch nicht jeder Gurkenpackungen mag. Sein Erfolg hängt ganz elementar von einer Kraft ab: Der Eigenmotivation des Klienten. Der Klient muss es selbst wollen, ein „verschriebenes“ Coaching wird nicht funktionieren. Das kann man sich also gleich schenken, wenn man es wirklich gut meint.