Selbstständigkeit für Manager – geht das?

 

Als Coach und Karriereberaterin hätte ich manchmal gern ein Megaphon. Damit würde ich dann in die Menschheit rufen wollen: 1. Es gibt keine gradlinigen Lebensläufe mehr. 2. Schaut Euch um: Überall im Bekanntenkreis gibt es Zweitkarrieren, haben Menschen sich neu erfunden. Sie sind angekommen in einem neuen, für sie besseren Leben!

Was würde ich dann sehen? Stirnrunzeln. Man befindet sich in einer Komfort-Zone, was man kennt, ist vertraut und vor einem oder einer liegt erst mal nur Nebel. Wie soll das gehen, sich neu zu erfinden?

Wie kriegt man diesen besonders schwierig erscheinenden kulturellen Wechsel vom Angestellten zum Selbstständigen hin?

Das ist in Deutschland in der Tat ein harter Knochen. Wir Deutschen sind traditionell risikoavers und überversichert. Wir ziehen unser Selbstverständnis aus dem maskulinen Prinzip der Konkurrenz, legen viel Wert auf Status und neigen zu Zynismus, wie Geert Hofstedes kulturelle Untersuchungen zeigen.

Früher Angestellter, jetzt Selbstständig, das erscheint in solch einem Umfeld als riesige Herausforderung: Mit wem soll man sich messen? („Ich hätte schon gern eine Bürogemeinschaft…“) Wie soll man all das aufsetzen, wo man doch bisher eher fremdbestimmt gearbeitet hat? Wird man nicht alle Freunde verlieren?

Der Tenor, mit dem solche Kurswechsel in der deutschen Presse bedacht werden, passt zum kulturellen Wertesystem: Er ist  skeptisch bis warnend.  So sind wir halt. Eine Vollkaskogesellschaft, die wenig bis gar nichts wagt und dem „Selbst“ weniger zutraut als einem Kollektiv.

Dabei hat man hier alles, was es braucht, um einen soliden Neustart  auf die Beine zu stellen. Zeit, Ressourcen, Planungstools und für jedes Thema die richtigen Berater. Hier ist nicht Indien. Allerdings sind dort die Selbstständigen wesentlich rühriger.

Berufliche Neuorientierung oder leichte Umorientierung?

Wir Deutschen sind eine Vollkaskogesellschaft, heißt es. Sicherheitsbewusst, bodenständig, nicht unbedingt für Experimente zu haben. Drum meinen wir, ein Schuster müsse bei seinen Leisten bleiben.

Trotzdem schleichen sich bei vielen um die Lebensmitte Zweifel ein, die die Berufswahl betreffen. Was auch nicht weiter überrascht: Warum sollten die Werte, die Anfang zwanzig für jemanden beruflich gut waren, auch um die vierzig noch Bestand haben? Der Mensch ändert sich, das soll und darf er auch.

Die Frage, die sich dann stellt, lautet: Etwas ganz Neues oder nur eine leichte Kursanpassung?

Für eine leichte Kursanpassung würde sprechen, wenn die folgenden Annahmen zuträfen:

–        Der Job an sich macht Freude, nur das momentane Umfeld nicht.

–        Sie sind erfolgreich, das Unternehmen schätzt Sie, aber Sie haben dort alles erreicht, was zu erreichen ist.

–        Alles ist gut, aber die Routine macht über 50% aus und Sie beginnen, sich zu langweilen.

Wenn Sie sich aber sagen, dass Sie auf dem völlig falschen Dampfer sitzen und diesen Verdacht nicht erst seit gestern hegen, dann ist es Zeit. Denn je länger Sie mit einer Neuorientierung zögern, desto größer wird der Frust und das ungute Gefühl morgens beim Aufstehen. Arbeitszeit ist Lebenszeit. Und die falsche Arbeit ist ein falsches Leben.

Der Job, der mich glücklich macht

„Ich hätte gern einen Job, der mich glücklich macht“ – so drücken es viele meiner Klienten aus, wonach sie suchen.

Eine große britische Organisation für berufliche Weiterbildung untersucht regelmäßig, welche Jobs am meisten geeignet sind, Menschen glücklich zu machen und warum. Das Ergebnis, der „Careers-Happiness-Index 2012“, ist hier  zu sehen.

Am wenigsten glücklich sind demnach Banker und IT-Fachkräfte. Am glücklichsten – Floristen.

Wer hätte das gedacht?

Allerdings ist Glück eine sehr persönliche und auch zeitlich begrenzte Sache, was leicht vergessen wird. Zufriedenheit zu erreichen ist möglicherweise das erfolgversprechendere Projekt…

Welche Perspektiven habe ich?

 

„Alles eine Frage der Perspektive“ – diese Weisheit ist so schlicht wie nachvollziehbar. Wer eine neue Orientierung sucht, findet die Vielfältigkeit der Möglichkeiten, die sich ihm oder ihr theoretisch und praktisch  bieten, vielleicht gar nicht so begrüßenswert. Denn Perspektivität ist nicht nur eine Frage des Standpunkts – von oben? Von der Seite, von unten? Von innen? Von Aussen? – sondern auch eine der Blickrichtung (rückwärts? Nach vorn?), und der Sehschärfe des Betrachters. Ganz klar: Ohne Betrachter keine Perspektiven, der Mensch steht im Mittelpunkt.

 Vor elf Jahren habe ich den Begriff „Perspektive“ in meinen Firmennamen aufgenommen, um auf Anhieb zu vermitteln, worum es geht: Um grundlegende Weichenstellungen, Visionen, Entscheidungen, Sinn im Leben. Es freut mich immer wieder, wenn ich dazu anregende Ideen und Hintergrundinformationen entdecke, wie zum Beispiel in brandeins vom Juni  letzten Jahres – ein Zufallsfund, den ich gerade erst gemacht habe und gern mit Ihnen teile.

Berufliche Neuorientierung: Wann ist die Zeit reif dafür?

Wir Deutsche sind nicht gerade bekannt dafür, dass wir Hasardeure wären. Wir bauen sichere Autos, sind eher über-, als unterversichert und als Anleger besonders vorsichtig. Wenn es um Entscheidungen wie einen grundlegenden Kurswechsel im Leben geht, warten die meisten sehr lang, bis sie die Sache anpacken. In den USA ist es seit Jahren selbstverständlich, dass man zwei bis drei Karrieren hat im Leben, hier immer noch nicht.

Die Frage, die in jedem Orientierungswilligen lange gärt ist, was gebe ich auf und was bekomme ich dafür. Darauf gibt es, wenn wir ehrlich sind, keine Antwort – das gilt es herauszufinden. Aber ein paar Fragen helfen, zu erkennen, wann die Zeit reif ist für eine Neuorientierung. Hier sind sie:

  • Haben Sie Ihren Berufsweg auf Empfehlung anderer begonnen?
  • Finden Sie inzwischen im Berufsleben oft, dass Sie „im falschen Film“ sind?
  • Bekommen Sie wenig Anerkennung im Beruf?
  • Suchen Sie Anerkennung hauptsächlich über den Beruf?
  • Sind die Verantwortlichkeiten bei Ihrem Job unklar?
  • Sind Sie unter-, oder überfordert?
  • Führt Ihr Job zu gesundheitlichen Beeinträchtigungen?
  • Sind Sie mit den Prozessen/Entscheidungen in Ihrer Firma unzufrieden?
  • Hätten Sie gern mehr Gestaltungs-, und Einflussmöglichkeiten?
  • Bietet Ihr Arbeitgeber Ihnen keine geeigneten Entwicklungsmöglichkeiten?
  • Haben Sie innerlich gekündigt?
  • Können Sie nachts mitunter nicht „abschalten“?
  • Würden Sie gern mehr selbst gestaltete Zeit haben?
  • Würden Sie gern einen Job haben, der besser zu Ihnen passt?
  • Wollen Sie persönlich wachsen und mehr über sich erfahren?

Wenn Sie zu fast allen dieser Fragen „ja“ sagen, sollten Sie nicht länger zögern und sich auf den Weg machen, neue berufliche Perspektiven für sich zu finden. Es lohnt sich!