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Karriereplanung: Bewerben, auch wenn das Profil nicht ganz passt?

Meinem Gegenüber steht ein Fragezeichen auf der Stirn. „So richtig passe ich nicht auf die Stellenausschreibung,“ meint er. Die mitgedachte Frage lautet: „Soll ich mich trotzdem bewerben?“

Im Reich der Personalarbeit gibt es ja viele Sagen und Legenden. Eine davon ist der „gradlinige Lebenslauf“, eine andere das sogenannte „perfect fit“, das Headhunter ihren Firmenkunden liefern sollen: Die hundertprozentige Übereinstimmung zwischen Kandidat und Stellenausschreibung. Nach meiner Erfahrung –  ich berate seit zehn Jahren – gibt es die selten oder gar nicht. Viel wahrscheinlicher ist eine Übereinstimmung von sechzig bis siebzig Prozent.

Allerdings gehen Kandidaten mit dieser Diskrepanz unterschiedlich um. Männer bewerben sich meist noch, wenn ihr Profil nur zu 50% oder auch weniger übereinstimmt, Frauen scheinen mehr Prozentpunkte fürs Bewerben zu brauchen.

Wenn also so eine erwartbare Abweichung vom Anforderungsprofil da ist, kommt es aus Bewerbersicht darauf an, klug damit umzugehen. Filtern Sie Informationen aus der Stellenanzeige: Welche Anforderungen sind obligatorisch? Welche sind verhandelbar oder durch Ihre Stärken kompensierbar?  

Wenn Sie das klar haben und im Selbstmarketing gut sind – das kann man bekanntlich üben! –  bewerben Sie sich!  Ihr Ziel ist es schließlich, erst mal ins Gespräch zu kommen – also die Gelegenheit zu einem Vorstellungsgespräch zu bekommen.

Umgang mit der Krise: Darf’s ein bisschen mehr sein?

Wirtschaftskrise, Bankenkrise, Euro-Krise, Kreditkrise, Vertrauenskrise…Unser Leben scheint, will man den Medien glauben, zur Dauerkrise geworden zu sein, von persönlichen Krisen (Midlife? Sinn? Partnerschaft?) mal  ganz zu schweigen.

Was macht das mit uns? Ein Coaching-Klient sagte neulich, „Ich kann es schon nicht mehr hören, dieses Krisengeschwafel. Früher gab es das nicht. Ich dreh dann einfach weg, und hör Musik.“

Auch eine Lösung. Sie steuern so aus der Perma-Krisenberieselung, allerdings ist das Ergebnis kein Zurück in den Ursprungszustand, sondern ein bewusstes Ausblenden.  Der Angstmacher ist zwar noch da, aber irgendwo im Nebulösen, wo er auf den Alltag nicht mehr so deutlich zugreifen kann. Dadurch kann der Alltag leichter und unbeschwerter werden. 

Eine Freundin macht es ganz anders. Seit sie durch eine handfeste Lebenskrise gegangen ist,  ist sie Krisenfan geworden. Sie sagt, „Krise als Chance, das kann zwar keiner mehr hören – aber es ist so!“ Obwohl sie selbst an diesen System-Krisen nichts ändern kann, hat sie keine Angst davor. Menschen haben immer in Krisenzeiten gelebt, meint sie, einen paradiesischen Urzustand gab es nie. Und irgendwie haben viele Menschen auch viele Krisen gemeistert. Sie geht mit dem „Krisengefühl“ um wie mit einer Schwäche: Sie kennt sie, achtet auf die Schwäche und gibt ihr manchmal auch Raum. Die Schwäche gehört zu ihr. Genauso, wie das Krisengefühl zu unsrer Zeit gehört. Es hilft uns, achtsam und beweglich zu bleiben, meint meine Freundin. Was meinen Sie?

Alles neu macht der Juni: Mein neuer Blog

Die Zeit war reif, liebe Leser, den Anbieter für meine regelmäßigen Postings zu wechseln. Nach fünf Jahren Blogger erscheinen meine Postings jetzt bei wordpress – da habe ich einfach mehr gestalterische Möglichkeiten.

Das umfangreiche Blog-Archiv, das in diesen fünf Jahren zusammen gekommen ist, können Sie nach wie vor durchstöbern, indem Sie rechts auf den Hinweis „Archiv 2005-Mai 2010“ klicken. Hier eine kleine Auswahl von früheren  Postings, die für Sie vielleicht noch interessant sein könnten:

 

Eins brauche ich wohl nicht zu betonen: Ich freue mich nach wie vor über Ihre Rückmeldungen und Kommentare! – Herzlichst, Ihre Wiebke Sponagel

Ziele setzen und erreichen: Hilfe, mein Chef bremst mich aus!

Einfach ist sie nicht, die Beziehung zwischen Chef und Mitarbeiter, auch wenn sich alle duzen und „locker drauf“ sind. Unsere Kultur des Zeitmangels muss oft als Erklärung dafür herhalten, dass grundsätzliche gegenseitige Erwartungen nie geklärt werden.

Was erwartet der Mitarbeiter? Will er viel oder wenig Führung, also auch das Erkennen und Entwickeln seiner Potentiale? Oder kennt er die selbst und weiss, wo es hingeht?

Umgekehrt, was will der oder die Vorgesetzte? Einen „automatischen“ Mitarbeiter, der ohne viel Zutun funktioniert? Führung auf Autopilot, sozusagen?

Wenn diese Erwartungen nicht geklärt werden, können bei der Zusammenarbeit unangenehme Überraschungen lauern. Ein Klient beklagte sich, sein Vorgesetzter sei auch gleichzeitig sein Mentor und unterlasse es seit Jahren, ihn für eine Beförderung vorzuschlagen. Statt dessen mäkele er nur an der Arbeitsweise des Klienten herum, nicht aber an den von ihm geleisteten Überstunden. Das Verhältnis der beiden war sich zum Selbstläufer geworden – jeder meinte, die Reaktionen des anderen vorhersagen zu können und war deshalb auch im eigenen Verhalten festgefahren.

Wenn es so weit ist, helfen nur sichtbare Interventionen von außen: Im Extremfall der Jobwechsel. Sonst die Vermittlung durch einen betriebsinteren Ansprechpartner im Personal. Denkbar ist natürlich  auch, das eigene Verhaltensrepertoire um neue, unerwartete Register zu erweitern und den Chef mal einfach „in die Tasche zu stecken“ – das kann gelingen, wenn Sie den Mut dazu haben und einen guten Unterstützer an Ihrer Seite.