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Karrieretipp Einschmeicheln: Bringen Komplimente mich voran?

„Ich schleime einfach nicht genug. Deshalb komme ich nicht voran.“

Glauben Sie das auch von sich? Wenn „einschleimen“ hier  für „netzwerken“ und „Selbstmarketing“ steht, ist da vielleicht sogar etwas dran. Denn diese beiden Fähigkeiten sind nötig, um beruflich voran zu kommen. Viele meinen, der Verzicht auf Schmeicheln sei ein Qualitätsmerkmal für aufrechte, redliche Menschen. Schade nur, dass  diese Art von Redlichkeit auf Dauer weniger gut ankommt. Meist ist es nämlich leichter, andere für sich einzunehmen, als sie davon zu überzeugen, dass man kompetent ist.

Es ist also nützlich, ab und zu auch das Einschmeichel-Register ziehen zu können. Aber Vorsicht: Im beruflichen Umfeld Komplimente zu verteilen hat, je nach Dosis und Zielgruppe, unterschiedliche Effekte. Wenn  von unten nach oben geschmeichelt wird, sehen das nicht nur die lieben Kollegen mit Missfallen. Vergleichen Sie mal die folgenden beiden Aussagen:

 1.  Chef an MA: „Sie machen gute Arbeit. Wir profitieren davon. Weiter so!“

2.  MA an Chef: „Sie machen gute Arbeit. Wir profitieren davon. Weiter so!“

Sie werden zugeben, die zweite Aussage kommt uns schräg vor. Warum? Sie verletzt die Rollenerwartungen für Personen mit niedrigerem Status. Ein „Untergebener“ will hier seinen Vorgesetzten beurteilen können. Vielleicht kann er das ja, aber Beurteilen zu dürfen ist nach herkömmlicher Übereinkunft ein Vorrecht des Statushöheren. Es ist auch eine – unausgesprochene – Funktion dieses Sprechakts, genau diesen Statusunterschied zu etablieren.

Da sind wir bei den Nebenwirkungen eines jeden Kompliments. Wer ein Kompliment macht, bezweckt irgendetwas damit. Und sei es nur, Sie zu (noch) mehr Arbeit zu „motivieren“…

Erfolgreich bewerben: Was ist mein USP?

Der Arbeitsmarkt zieht wieder an: Jetzt ist eine gute Zeit für einen Stellenwechsel. Aber wie machen Sie einem potentiellen neuen Arbeitgeber klar, dass Sie die beste Wahl für ihn sind?

Der erste Schritt in die richtige Richtung lautet: Glauben Sie an Ihre Einzigartigkeit! Leider haben viele Arbeitnehmer im Kopf, dass sie „eigentlich austauschbar“ seien. Wenn Sie das glauben, spielen Sie Ihrem Arbeitgeber einen Trumpf zu. Überlegen Sie doch mal: Jeder Lebenslauf ist anders, und hinter jedem Lebenslauf stehen unterschiedliche Charaktere. Sie sind ein Unikat.  Auch wenn bei der Neubesetzung einer Stelle die Inhalte gleich bleiben – wovon nicht immer auszugehen ist – wird der oder die Neue diese Inhalte anders und neu ausfüllen.

Die große Frage für Ihren künftigen Arbeitgeber wird also sein: Wie wird der oder die Neue den Job machen? Was wird ihn auszeichnen?

Nach dem ersten Schritt wird es also für Sie darauf ankommen, aus der Stellenanzeige und sonstigen Informationen (Telefongespräche o.ä.) herauszufiltern, was genau man von Ihnen erwartet und was Sie liefern können. Noch besser: Was können Sie, das andere nicht können?

Hier geht es also um Ihr USP, um Ihr Alleinstellungsmerkmal, das Besondere an Ihnen. Haben Sie einen besonderen Draht zu den Kunden? Sind Sie besonders erfolgreich im Verhandeln von Verträgen? Was können Sie besser als andere und inwieweit profitiert Ihr künftiger Arbeitgeber davon?

 Wenn Sie sich über solche Fragen klar sind, haben Sie einen Riesenvorsprung gegenüber  all den Konkurrenten, die glauben, dass alle Jobanwärter eigentlich austauschbar seien….

Wie erkenne ich gutes Coaching?

„Coaching“ ist in aller Munde, aber was leistet es? Was darf der Klient vom Coach erwarten? Und umgekehrt? Wie sieht ein gelungener Coaching-Prozess aus?

Fragen über Fragen. Eine Studie der Trigon Entwicklungsberatung bringt etwas  Licht ins Dunkel.

Befragt wurden insgesamt 297 Ansprechpartner: Klienten, Personalentwickler und Coaches. Demnach  hat ein optimales Coaching die folgenden Charakteristika:  Ein  professionelles Gespräch, gefolgt von flexiblem Vorgehen und einem ganzheitlichen Bezug. Wichtig ist, dass der Klient das Coaching freiwillig in Anspruch nimmt.  Weitere Qualitätsmerkmale sind kontinuierliche Zielarbeit, eine zeitlich begrenzte Begleitung und der notwendige Mix aus Sach- und Personenaspekten. Coaching per Telefon, Internet oder Mails wurde als weniger optimal angesehen.

Was zeichnet einen guten Coach aus?

Ein guter Coach achtet die Verschwiegenheit und verfügt über ein breites Lebensspektrum und Erfahrungen. Er oder sie ist empathisch, lässt  seinen Kunden Raum  und hält sich zurück, geht  aber strukturiert und geordnet vor.  Gefragt ist die Meta-Perspektive, der Coach soll den Blick von oben liefern können, erst an achter Stelle erwartet man von ihm  Feld- und Fachkenntnis.  Gar nicht gut kommt es an, wenn der Coach indiskret ist oder sich in Geschäfte einmischt.

Welche Inhalte sind nachgefragt für Coachings?

Inhaltlich stehen für 21 Prozent der Befragten Zielfindung, Karriere, Selbstwert, und berufliche-persönliche Entwicklung wie neue Rollen im Vordergrund. Kommunikation, Verhaltensweisen und Gesprächsführung sind für 14 Prozent die Themen. Beziehungsfragen, Konflikte und Umgang mit schwierigen Situationen gaben weitere 14 Prozent an. An vierter Stelle mit zwölf Prozent rangieren Themen wie Arbeitsorganisation und Selbstmanagement. Alltags- und aktuelle Themen nennen zehn Prozent der Befragten als ihr Anliegen.

Wie lange dauert ein Coaching?

Der typische Coaching-Prozess umfasst etwa vier bis fünf Gesprächseinheiten, Tendenz steigend. Zu 98 Prozent wird Einzel-Coaching genutzt. Dabei ist die 90-Minuten-Einheit die Regel. 98 Prozent der befragten Kunden würden Coaching weiterempfehlen.

Wie werde ich schlagfertiger?

 

Mein Klient,  ein aufmerksamer, kompetenter Seniorberater bei einem großen Beratungsunternehmen,  ist „nicht auf den Mund gefallen“: Er liefert professionelle Präsentationen ab, ist versiert am Telefon und in anderen beruflichen Situationen.

Nur in einem Fall versagt ihm regelmäßig die Sprache: Wenn er seinem „Chefchef“ begegnet, der ihn gern mit ironischen Kommentaren herausfordert.

Mein Klient beschreibt das, was dann in ihm abläuft, so: „Ich sehe ihn auf mich zukommen und ahne schon, jetzt kommt wieder irgend ein saudummer Spruch, auf den mir nichts einfällt. Dann geht in meinem Kopf die rote Lampe an, alle Gedanken frieren ein und rrrums, schon habe ich wieder eine volle Breitseite kassiert. Ohne Gegenwehr.“

 Schlagfertigkeit ist eine gefragte rhetorische Kompetenz im Berufsleben.  Sie erfordert  Schnelligkeit,  Wachheit und  Witz. Aber vor allem zwei Dinge sind nötig: Respektlosigkeit – also keine Angst vor großen Tieren, sondern innerliche Augenhöhe! – und die Fähigkeit, auf der „Metaebene“ blitzgeschwind zu analysieren: Was macht dieser Ausspruch mit mir? Welche Funktion hat er, und wie will der Sprecher erscheinen?  Wenn Sie das schnell erfassen und in Ihrer Replik spiegeln, ist das Gegenüber entwaffnet. Die gute Nachricht in diesem Zusammenhang: Die Fähigkeit zur Blitz-Analyse kann man, z.B. im Coaching,  relativ zügig trainieren, nur das mit der Respektlosigkeit dauert eventuell etwas länger…

Arbeiten bei Hitze: „Hitzefrei“ ab 35 Grad?

Der von vielen herbeigesehnte Sommer – endlich Rudelgrillen! Party! – ist da, allerdings anders als erwünscht: Nicht nur an den Badeseen rinnt der Schweiß, auch  in Werkhallen und Büros. Für alle, die in nicht klimatisierten Räumen arbeiten, kann das unerträglich werden.

Seit dem 23. Juni 2010 gilt eine neue sogenannte „Technische Regel für Arbeitsstätten ASR A3,5 Raumtemperatur“, die das Arbeiten bei Hitze regelt.

Laut dieser Arbeitsstättenverordnung dürfen Arbeitnehmer keinen Gefahren für Sicherheit und Gesundheit ausgesetzt sein. Nach wie vor soll bei der Arbeit ein Wert von 26 Grad –außer, wenn es betriebsnotwendig ist – nicht überschritten werden.  Falls die Außentemperaturen höher liegen, muss der Arbeitgeber Schutzmassnahmen ergreifen. Wird es drinnen heißer als 30 Grad, kann der Arbeitnehmer darauf bestehen, einen kühleren Arbeitsplatz zugewiesen zu bekommen.  Bei mehr als 35 Grad und ohne besonderen Schutz ist ein Raum zum Arbeiten „nicht geeignet“. Ein eindeutiges Verbot  hört sich anders an.

Wer hat bei diesen Regelungen wohl „Pate“ gestanden und sich den Ring küssen lassen? Besonders gesundheitsorientiert sind sie jedenfalls nicht –  bleibt abzuwarten, ob Arbeitnehmer nun gegen zu heiße Arbeitsräume klagen werden.

Selbstständig, das Gegenteil von Unselbstständig!

Es gibt wohl kein anderes Land, das der Selbstständigkeit so skeptisch gegenüber steht wie Deutschland. Im europäischen Vergleich gehören wir zu den Schlusslichtern, was die Bereitschaft angeht, zu gründen oder Solounternehmer zu werden. Vor der Selbstständigkeit wird überwiegend gewarnt: Ein Drittel der  Selbstständigen geben nach zwei bis drei Jahren auf, heißt es. Dass dies bedeutet, dass zwei Drittel erfolgreich am Markt bleiben, hört man nicht.

Ich hatte gerade eine Solounternehmerin in der Beratung – es ging ihr um Zeitmanagement, denn der Laden brummt, wie sie sagt. Sie kennt den Vergleich mit dem Angestelltendasein und ihr Fazit lautet: Endlich selbstständig – nie wieder angestellt!

Den „blöden Spruch“ mit „ständig selbst“ wehrt sie ab: Sie genießt es, ihre Zeitplanung und ihre Prozesse selbst gestalten zu können. Das „Selbst“ sieht sie als hohen Wert, für den ihrer Meinung nach die meisten nicht taugen, weil sie „unselbstständig“ sind.

Hinzu kommt, dass viele Menschen viel darüber meinen, aber wenig darüber wissen.  Wenn Sie das Ziel haben, sich selbstständig zu machen, ist es wichtig, sich gut vorzubereiten und zu informieren, hier zum Beispiel. Dann sagen Sie vielleicht auch in ein paar Jahren: Endlich selbstständig!

Downshifting erst recht in der Krise, meint die Haufe-Akademie

Die gefühlte Krise ist in Deutschland schlimmer als die gemessene, soviel ist klar. Aber jetzt gibt es zu einer Frage, die viele in diesem Zusammenhang bewegt, endlich auch Messbares: Die Frage lautet, „Darf man in der Krise überhaupt noch Downshiften oder an work-life-balance denken?“

Das alte Bild, dass man in Krisenzeiten „die Ärmel aufkrempeln“ müsse und  anzupacken habe, hält sich hartnäckig in den Hinterköpfen. Das kann es ja auch gern –  denn Downshiften heisst nicht Aussteigen.

Gemeinsam mit der Uni Detmold hat die Haufe Akademie 92 Führungskräfte zum Thema work-life-balance in Krisenzeiten befragt. Einige der Ergebnisse können Sie hier nachlesen.

Aber um es kurz zu machen, das Fazit lautet „jetzt erst recht“. Und darüber bin ich froh. Denn gerade, wenn  Angst den Menschen in den Knopflöchern steckt, tendieren sie dazu, ohne Nachzudenken zu  „funktionieren“  und sich selbst zu vernachlässigen. Die Folge davon ist auch messbar: Burnout und Herzkrankheiten, wie eine Langzeitstudie mit Namen „Whitehall II“ bestätigt. Also: Achten Sie auf sich, seien Sie sich selbst ein guter Coach!

Downshifting, erlebt und zum Nachlesen

Ist Downshifting in Zeiten staatlich verordneter Kürzungen überhaupt noch ein Thema?, wurde ich kürzlich in einem Interview gefragt. Gerade wenn man das Leben als überwiegend fremdbestimmt erlebt, ist es ein Thema, war meine Antwort. Und in so genannten Krisenzeiten ist diese Fremdbestimmtheit besonders stark: Man macht Kompromisse, die man sonst nur als  faule bezeichnen würde, man schenkt dem Arbeitgeber Überstunden, weil man meint, nur so den Arbeitsplatz erhalten zu können, und so weiter und so fort. Ein selbstbestimmtes Leben sieht anders aus.

 Glücklicherweise sehen das die Meinungsmacher auch so und zeigen uns immer wieder Einblicke in das Leben von erfolgreichen Downshiftern. So kürzlich wieder der WDR 5 mit einem Portrait des seit dreißig Jahren in Köln lebenden Briten John Sykes – schauen Sie doch mal vorbei.

Karriereplanung: Bewerben, auch wenn das Profil nicht ganz passt?

Meinem Gegenüber steht ein Fragezeichen auf der Stirn. „So richtig passe ich nicht auf die Stellenausschreibung,“ meint er. Die mitgedachte Frage lautet: „Soll ich mich trotzdem bewerben?“

Im Reich der Personalarbeit gibt es ja viele Sagen und Legenden. Eine davon ist der „gradlinige Lebenslauf“, eine andere das sogenannte „perfect fit“, das Headhunter ihren Firmenkunden liefern sollen: Die hundertprozentige Übereinstimmung zwischen Kandidat und Stellenausschreibung. Nach meiner Erfahrung –  ich berate seit zehn Jahren – gibt es die selten oder gar nicht. Viel wahrscheinlicher ist eine Übereinstimmung von sechzig bis siebzig Prozent.

Allerdings gehen Kandidaten mit dieser Diskrepanz unterschiedlich um. Männer bewerben sich meist noch, wenn ihr Profil nur zu 50% oder auch weniger übereinstimmt, Frauen scheinen mehr Prozentpunkte fürs Bewerben zu brauchen.

Wenn also so eine erwartbare Abweichung vom Anforderungsprofil da ist, kommt es aus Bewerbersicht darauf an, klug damit umzugehen. Filtern Sie Informationen aus der Stellenanzeige: Welche Anforderungen sind obligatorisch? Welche sind verhandelbar oder durch Ihre Stärken kompensierbar?  

Wenn Sie das klar haben und im Selbstmarketing gut sind – das kann man bekanntlich üben! –  bewerben Sie sich!  Ihr Ziel ist es schließlich, erst mal ins Gespräch zu kommen – also die Gelegenheit zu einem Vorstellungsgespräch zu bekommen.

Umgang mit der Krise: Darf’s ein bisschen mehr sein?

Wirtschaftskrise, Bankenkrise, Euro-Krise, Kreditkrise, Vertrauenskrise…Unser Leben scheint, will man den Medien glauben, zur Dauerkrise geworden zu sein, von persönlichen Krisen (Midlife? Sinn? Partnerschaft?) mal  ganz zu schweigen.

Was macht das mit uns? Ein Coaching-Klient sagte neulich, „Ich kann es schon nicht mehr hören, dieses Krisengeschwafel. Früher gab es das nicht. Ich dreh dann einfach weg, und hör Musik.“

Auch eine Lösung. Sie steuern so aus der Perma-Krisenberieselung, allerdings ist das Ergebnis kein Zurück in den Ursprungszustand, sondern ein bewusstes Ausblenden.  Der Angstmacher ist zwar noch da, aber irgendwo im Nebulösen, wo er auf den Alltag nicht mehr so deutlich zugreifen kann. Dadurch kann der Alltag leichter und unbeschwerter werden. 

Eine Freundin macht es ganz anders. Seit sie durch eine handfeste Lebenskrise gegangen ist,  ist sie Krisenfan geworden. Sie sagt, „Krise als Chance, das kann zwar keiner mehr hören – aber es ist so!“ Obwohl sie selbst an diesen System-Krisen nichts ändern kann, hat sie keine Angst davor. Menschen haben immer in Krisenzeiten gelebt, meint sie, einen paradiesischen Urzustand gab es nie. Und irgendwie haben viele Menschen auch viele Krisen gemeistert. Sie geht mit dem „Krisengefühl“ um wie mit einer Schwäche: Sie kennt sie, achtet auf die Schwäche und gibt ihr manchmal auch Raum. Die Schwäche gehört zu ihr. Genauso, wie das Krisengefühl zu unsrer Zeit gehört. Es hilft uns, achtsam und beweglich zu bleiben, meint meine Freundin. Was meinen Sie?