Mein Chef, mein Freund?

Mein Klient schaut mich an, als hätte er in eine Zitrone gebissen. „Mein Chef will unser aller Freund sein. Er erzählt mir Dinge aus seinem Privatleben, die ich eigentlich gar nicht wissen will…“
Das Resultat dieser freundschaftlichen Führung ist, dass der Vorgesetzte in seiner Abteilung als „schlechter Chef“ gesehen wird: Er vermischt private und berufliche Anforderungen und kann sich nach oben und im Team nicht durchsetzen, heißt es. Man nimmt ihn nicht ernst.


Tja – Führung ist hierzulande ein Dauerbrenner und klar, immer eine Gratwanderung. Einerseits ruft der Trend der Seminaranbieter nach dem authentischen Chef, der „als Mensch sichtbar“ wird, und Emotionen zeigt. Andererseits soll er oder sie „durchsetzungsfähig, überzeugend und entscheidungsstark sein“ – also distanziert von den Mitarbeitern.
Führungskompetenz fällt nicht vom Himmel – und allen kann man es auf keinen Fall recht machen. Was hilft? Vielleicht, als Vorgesetzte/r in Bewegung zu bleiben und sich ab und zu Zeit nehmen, die eigene Rolle zu reflektieren.
Mehr zum Rollendilemma in Führungspositionen.