Kompetenz ohne Zertifikat?

Wir brauchen Anerkennung von anderen und möchten gern alles schriftlich haben. Das gilt besonders für die Bescheinigung eigener Kompetenzen – ohne Arbeitszeugnis oder Belege für Abschlüsse und Weiterbildungen kann man sich hinten anstellen. Seltsam allerdings finde ich, dass manche Klienten auch selbst erarbeiteten Kenntnissen gegenüber skeptisch sind: „Das habe ich mir selbst beigebracht, das kann ich gar nicht richtig,“ höre ich dann oft.


Der Autodidakt, obwohl deutlich motivierter beim Lernen und besser im Memorieren, scheint sich selbst nicht über den Weg zu trauen. Die Tatsache, dass man/frau mit dem selbst Erlernten im Beruf erfolgreich ist, reicht wohl nicht. Dabei gibt es so viele Spezialisten „ohne Schein“: PR-und HR-Fachleute, IT-Spezialisten, Führungskräfte… – jede/r hat selbst erarbeitete Kompetenzen.

Weshalb sollte Wissen, das sich praktisch bewährt, weniger wert sein als solches, das einen offiziellen Stempel trägt? Dem ist nicht so. Die Wertminderung passiert im Kopf des Anwenders. Schade eigentlich. Es geht doch darum, dass das Wissen berufstauglich ist. Darauf kann man/frau stolz sein, und das sollte sich auch im Gehalt niederschlagen. Umgekehrt ist ein Zertifikat ja auch kein Garant für Funktionstüchtigkeit. Auch Zertifikatsinhaber können dysfunktional handeln, getreu dem Motto „mehr Schein als Sein“….
https://de.wikipedia.org/wiki/Autodidakt