Weihnachtszeit, Stresszeit: Was hilft gegen Stress?

Es ist mal wieder so weit. Das alljährliche Gerenne um Jahresabschluss, Inventur und „letzte“ Kundentermine ist in vollem Gange. Obendrauf noch die Jagd nach Geschenken, die unsäglichen Weihnachtsfeiern, das Karten Verschicken und keinen vergessen… Stress in Reinkultur.

Beschauliche Vorweihnachtszeit? – Eher das Gegenteil.
Wer sich dieser Tage fragt, ob der Stress nicht überhand nimmt, kann Unterstützung aus dem Netz bekommen. Das neue E-Learning-Werkzeug „Gesund Arbeiten“ benennt individuelle Belastungsfaktoren und erstellt eine persönliche Auswertung. Es ist entstanden aus der Initiative „Neue Qualität der Arbeit“ des Bundesarbeitsministeriums und wurde am Institut für Arbeits-, und Sozialmedizin der RWTH Aachen University entwickelt. Nützlich daran sind nicht nur die auf die eigene Situation zugeschnittenen Ergebnisse, sondern auch Vorschläge zur Entlastung… genau richtig in dieser Zeit, falls Sie Zeit dazu haben!

Zum kostenfreien Online-Programm.

Zeitmanagement: Mehr Zeit für mich!

Eine Frau verlässt um fünf Uhr ihren Arbeitsplatz ohne weitere Erklärungen. Was denken ihre Kollegen? – Aha, die geht nach Hause zur Familie.
Ein Mann tut das Gleiche. Was denken die Kollegen? Aha, der geht zu einem Kundenbesuch.
Das liegt, wie Erin Reid, Dozentin an der Uni Boston, herausgefunden hat, nur zum Teil daran, wie die Rollenverteilung im öffentlichen Denken verankert ist. Es liegt auch daran, dass Männer besser im Schummeln sind. Die unausgesprochenen Regeln des Karrieremachens, zu denen es gehört, „keine Zeit“ zu haben, werden von ihnen nicht in Frage gestellt, sondern mit kleinen Tricks unterlaufen.
Die „Jackett-überm-Stuhl-Strategie“ ist eine der bekannteren Varianten, mal gemütlich einen Espresso zu trinken, aber gleichzeitig irgendwie „präsent“ zu sein. Vor allem gehört zu dieser Zeitmanagementstrategie, jedem, der es hören will oder nicht, um die Ohren zu hauen, wie (beruflich!) überlastet man ist, und wie opferbereit dazu. „Alles für die Firma geben“, auch wenn man(n) zu Hause im home office – oder im Garten sitzt.
Das System des gegenseitigen zur-Schaustellens von beruflicher Nachgefragtheit haben Frauen offenbar nicht durchdrungen. Sie sind zu ehrlich, „werben“ statt dessen um Akzeptanz für familiäre Belange.
Aber es gibt, wie Frau Reid meint, einen Hoffnungsschimmer: Die Zeiten ändern sich, glaubt sie. Ihre Studie beweise, dass Menschen, die weniger arbeiten (also auch die, die nur so tun als ob) genauso geschätzt werden wie Rund-um-die-Uhr-Malocher. Und dass Firmen keine Unterwürfigkeit mehr von ihren Angestellten erwarten könnten. Warum? Weil die nicht unbedingt zu besserer Leistung führe…
Mehr dazu: NYtimes

Gute Wünsche an alle

Es ist wieder Hochzeit fürs Wünschen. Alle im Bekanntenkreis müssen mit guten Wünschen bedacht werden, als wenn die Welt enden würde. Ach ja, der Weltuntergang: Der ist ja, so sagt das neuzeitliche Orakel (Internet), am Freitag. Was haben Sie da so vor? Ich werde mich mit englischen Crisps, meinem Mann und einem Bier vor die Glotze setzen und „Hitchhiker’s Guide to the Galaxy“ von DVD gucken, da kommen ja dann die Vogons und retten einen.

Falls Sie ein tiefergehendes Interesse an diesem Ereignis haben, empfehle ich Ihnen, mal im Fachbereich Soziologie der Uni Koblenz vorbei zu schauen, da finden Sie unter anderem diesen beeindruckenden Satz:

Im Rahmen des von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) geförderten Forschungsprojektes wird untersucht, wie in diesem Amalgam eine Chance entsteht, die Aufmerksamkeit einer allgemeinen Öffentlichkeit auf periphere Wissensgebiete zu lenken, indem etwa die Theorien der „morphogenetischen Felder“ (Rupert Sheldrake), der „instrumentellen Transkommunikation“ (Ernst Senkowski) oder der bio-physischen Bedeutung elektromagnetischer Felder (Dieter Broers) in ihrem innovativen Potential ausgelotet und gegebenenfalls als Wissenskulturen allgemein anerkannt werden.

Alles klar?

Ich wünsche Ihnen, daß Sie die Wunschtirade gut überstehen und Ihre Vorsätze im neuen Jahr umsetzen können – mit oder ohne „morphogenetischen“ Schnickschnack.

Gemeinsam einsam: Fernbeziehungen für den Job

„Die Zeit hier geht mit Arbeit drauf“, sagt mein Klient. Unter der Woche sei ohnehin niemand da, der auf ihn warte: „Meine Frau arbeitet in Brüssel – wenn wir Glück haben, sehen wir uns zweimal im Monat. Schon seit sechs Jahren geht das so…“

Anfangs, meint er, habe das noch etwas reizvolles, nomadenhaft-romantisches gehabt: Man hob sich ab von der Tristesse der Häuslebauer, jedes Treffen war ein Date, man sehnte sich, freute sich, weinte beim Abschied.

Eine einzige Gefühls-Berg-und-Talfahrt, wieder und wieder, dazu der anspruchsvolle Job, das Reisen, die doppelte Haushaltsführung – inzwischen sei das nur noch anstrengend.

„Beide sind wir wochentags zu Einzelkämpfern geworden, unsere Freunde kommen zu kurz und haben inzwischen auch keine Zeit mehr…“

Ob dieser Job das wirklich wert sei, fragt sich mein Klient. Ich glaube, die Antwort kennt er schon….

Freigestellt… und was nun?

 

Es ist wie eine Vollbremsung nach rasanter Fahrt. Eben noch war man Tag für Tag „eingespannt“, hat nachts Jobprobleme gewälzt, sich morgens aus dem Bett gequält, dann  seinen Job gemacht, danach im vollen Supermarkt eingekauft, sich über den Feierabendverkehr geärgert, um dann, endlich zuhaus, vor laufendem Fernseher einzunicken.

Jahrelang lief das so. Manchmal war man sogar zu schlapp, sich abends noch mit Freunden  zu verabreden, oder gar ans Telefon zu gehen.

Doch plötzlich ist alles anders.

Man kann tagsüber einkaufen. Kein Wecker mehr, der einen frühmorgens aus den Federn holt. Ein unbekanntes Territorium tut sich auf: Zeit! Gestaltlos liegen Tage und Wochen vor einem: Was wollen die eigentlich von mir? Wie soll ich sie anpacken? Was soll ich anfangen mit dem Zeitüberschuss?

Immer wieder erlebe ich bei meinen freigestellten Klienten, dass sie sich unwohl fühlen mit dem plötzlichen Zeitgeschenk. Stimmt, sagen sie, eigentlich ist es ja ein Geschenk. Was hat man sich immer gesehnt nach freier Zeit; auf einmal hat man sie, und weiß gar nicht, was anfangen damit. Zeit im Überschuss ist den Meisten keine Kostbarkeit mehr, sie wird zur zähen Masse, die die eigene Sinnhaftigkeit in Frage stellt.

 Zeit soll „genutzt“ werden, suggeriert die Mehrheitsmeinung. Sie einfach zu verbringen, ohne in Aktionismus auszubrechen, ist sündig, vermittelt Schuldgefühle. Die Mehrheitsmeinung meldet sich regelmäßig in Form von anteilnehmenden Freunden und Familie, die fragen, hast Du schon einen neuen Job. In anderen Worten: Hast Du schon einen neuen Zeitvernichter?

Eigentlich schade, dass das, was man ist, so verbunden ist mit dem, was man beruflich ist. Dass Freizeit nur neben Unfreizeit existiert. Einfach Mensch sein ist nicht… oder doch?

Eine Klientin berichtet, dass sie rückblickend froh ist über die freie Zeit, die sie hatte, bevor sie ihren neuen Job gefunden hat. Sie hat nämlich endlich etwas für sich getan, wofür sie sonst „nie Zeit“ hatte: Sie hat Yoga erlernt, und das wird ihr den Einstieg in den neuen Job  und überhaupt den Umgang mit Zeitvernichtern erleichtern….