Tschüß, Perfektionismus: Keine Angst vor Fehlern!

Angeblich wird man „aus Fehlern klug“. Trotzdem – Fehler machen, wer will das schon? Kein Wunder, bei der Kultur der „Selbstoptimierung“, die uns allerorten umgibt – selbst Onkel Aldi ruft zur Zeit mit einem Sonnenbank-Muskelprotz dazu auf „Mach dich krasser!“ (Noch krasser???)

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Ein besseres Gehalt verhandeln – wie geht das?

Wie es ist…

Jeder Karriereschritt sollte von einer Gehaltssteigerung in Höhe von mindestens zehn bis fünfzehn Prozent begleitet sein, manchmal auch mehr. Sollte. Immer wieder begegne ich engagierten Mitarbeitern, die „kurzfristig eingesprungen“ sind. Sie haben für ihr Unternehmen eine Führungsposition übernommen, weil umstrukturiert wurde und „sonst niemand in Frage kam“. Sie haben mehr Verantwortung, mehr Arbeit – mehr Gehalt aber haben sie „erst mal“ nicht. Dieses „erst mal“ dehnt sich dann „überraschenderweise“ so lange aus, bis sich alle dran gewöhnt haben. Bis allein die Frage nach mehr Gehalt durch das eigene Verhalten ausgehebelt wird: Für das Unternehmen geht es ja längst so, wie es geht – warum dann mehr Geld dafür hinlegen?

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… es raubt mir den Schlaf! Konflikte bei der Arbeit

„Ich konnte einfach nicht einschlafen. Immer wieder sah ich diese Situation vor mir, als der Kollege mir Inkompetenz vorwarf und ich vor allen saublöd da stand. Danach fielen mir tausend Sachen ein, die ich hätte sagen können. Aber in dem Moment selbst war ich einfach nur platt und sprachlos.“

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Selbstfürsorge lernen… wie geht das?

Zucker ist gut, Margarine und Plastik auch, die Eltern soll man ehren und „Balkonien“ ist ein Ort der Ruhe. Das waren mehrheitsfähige Meinungen in meiner Jugend.

Zucker ist schlecht, Margarine und Plastik auch, die Eltern soll man ehren und Partybalkone soll man haben – das sind mehrheitsfähige Meinungen unsrer Gegenwart.

Wir sehen, so manches hat sich geändert – nur da, wo es um die Eltern geht… da ist alles beim Alten geblieben. Selbstfürsorge lernen… wie geht das? weiterlesen

Emotionsmanagement: Mit Tränen und Wut umgehen

„Ich bin einfach zu emotional“, das höre ich gelegentlich von meinen Klienten, männlich wie weiblich. Frauen haben „am Wasser gebaut“, Männern „platzt der Kragen“, wenn es nach Rollenstereotypen geht.

Nach gängiger Auffassung ist „man“ seinen Emotionen ausgeliefert, wenn sie raus wollen, brechen die Dämme. Das wird freilich oft „nicht gern gesehen“. Ob es „angebracht“ ist, solche Gefühle zu zeigen, ist zu einem großen Teil kulturell bestimmt.

Um im professionell abgesegneten Verhaltenskodex mit zu schwimmen, wird also „Selbstregulierung“ propagiert – nur nicht unangenehm auffallen ist die Devise. Die Forderung nach „Authentizität“ verschwindet dahinter – Wut und Trauer sollen ausgeblendet werden, auch wenn sie echt sind.

Also hat es der emotional geladene Mensch mit einer Paradoxie zu tun:
1. Mit dem eigenen Emotionsklops, der unweigerlich im Hals hochsteigt, umzugehen. Da wäre die beste Variante, die Gefühle raus zu lassen, und sie dann auch los zu sein.
2. Sozial akzeptabel zu handeln – die Gefühle also „runterzuschlucken“ und sich damit auf lange Sicht zu schaden, alles in sich „rein zu fressen“. Hoher Blutdruck, Rückenprobleme und Schlafstörungen sind mögliche Folgen.

Gibt es einen Weg dazwischen?

Es gibt viele Wege, darunter auch welche, die durch Coaching die Souveränität stärken. Das kann allerdings ein Weilchen dauern, denn dabei geht es ans Eingemachte. Hier ein „Fahrplan“, um kurzfristig mit aufwallenden Gefühlen umzugehen.

1. Bemerken, da kommt ein „Klops“ im Hals – ein nebulöses Emotionenknäuel.
2. Kurz Distanz schaffen zu der Situation, die diese Emotion hervorruft (ev. durch Betrachten des handys).
3. Innerer Diskurs, innerlich den „neutralen Beobachter/Teamchef“ etablieren, um Klarheit zu schaffen: Emotionsknäuel befragen und in seine unterschiedlichen Anteile zerlegen: Was stört mich gerade? Hat es mit der mir von den Interaktanten zugeschriebenen Rolle zu tun? Wie kann ich Teile/ oder den Hauptteil davon äußern? (i.e. den Druck loswerden, das Emotionenknäuel „würdigen“ als gutes Teammitglied)
4. Sich entsprechend äußern: „Ich habe den Eindruck, dass…“ oder räumlich Distanz schaffen: „Ich glaube, Ihr braucht mich gerade nicht. Ich komme in 5 Minuten wieder.“
5. Nicht jedesmal eine wesentliche Situationsänderung in der Außenwirkung erwarten – Ziel der Übung ist zunächst ein zufriedenstellender Umgang mit den eigenen aufwallenden Emotionen – ihnen ein „Ventil“ zu geben und sie als wichtiges Teammitglied zu integrieren. Und denken Sie an einen körperlichen Ausgleich: Boxen Sie Ihr heimisches Sofa, rennen Sie oder folgen Sie dem Motto „make love, not war“ – dann geht die Last raus aus dem Körper.
Mehr dazu bei Wiki

Job macht Männer krank

Das Rollenmodell „Mann“, wie es in Deutschland existiert, scheint extrem anstrengend zu sein. So jedenfalls lässt sich eine kürzlich veröffentlichte Pressemitteilung der Deutschen Gesellschaft für Psychosomatische Medizin und Ärztliche Psychotherapie (DGPM) interpretieren. Demnach erkranken Männer öfter als Frauen aus Gründen, die sich auf die Arbeit zurückführen lassen. Was aber hat das mit dem Rollenmodell zu tun?

Allerhand: Den Hauptgrund für diese bedenkliche Entwicklung sehen die Forscher im Selbstverständnis deutscher Männer, der „Klassischen Männerrolle“ zu entsprechen, also vor Herausforderungen nicht einzuknicken. Das führe deutlich öfter als bei Frauen zu Belastungsstörungen, Depressionen und Neurosen.

Dazu kann ich nur sagen, wahre Stärke zeigt, wer seine Grenzen kennt.

Hilfe, ich bin die Feuerwehr in der Firma!

Wer hilft eigentlich der Feuerwehr? Diese Frage stellte sich neulich in einer Beratung. Ein Klient stellte sich vor als Feuerwehrmann seines Unternehmens: Hallo, hier brennt es, hilf mal löschen, hieße es regelmäßig.

Der Vorteil an der Sache: Seine Tätigkeit ist extrem abwechslungsreich – es sind immer andere Feuer, die er löschen muss. Der Nachteil: Er kratzt immer nur an der Oberfläche und hinterlässt Schwelbrände, die bei nächster Gelegenheit wieder auflodern. Zu gern, sagt er, würde er sich mal mit seinen Aufgaben eingehender beschäftigen. Mehr Hingabe zeigen, tiefer in die Materie einsteigen. Aber da erklingt schon der nächste Feueralarm…

 Mein Klient hat ein Problem mit der Oberflächlichkeit seines Tuns, und mit der damit verbundenen Anerkennung seiner Persönlichkeit. Gibt er Tipps, wie die Schwelbrände zu löschen wären, verhallen diese ungehört.

Allerdings ist mein Klient nicht hilflos. Er kann vieles ändern – seine Sicht auf die Dinge, sein Verhalten, er kann sogar Einfluss nehmen auf seinen Aufgabenbereich. Aber wer ständig Qualm vor Augen hat, sieht das nicht gleich.

Mit Kritik am Arbeitsplatz umgehen – aber wie?

„Die Schmidt hat immer was an meiner Arbeit auszusetzen.“  „Kollege Thomas soll sich doch mal an die eigene Nase fassen…“

So oder ähnlich durchzuckt es manchen, der mit Kritik konfrontiert wird. Ganz klar: Wir wollen das eigentlich nicht hören, Anerkennung ist uns lieber.  Und ja, nicht jede Kritik ist konstruktiv formuliert, da gehen wir meist ganz „automatisch“ in Abwehrhaltung.

Von Fall zu Fall mag das auch angebracht sein.

Wie immer bedingt der Kontext, welche Reaktion angemessen ist. In einem rauen Klima zieht man sich dick an, auch ein Gegenangriff ist da manchmal angezeigt.

In unsrer Bürowelt aber gelten weniger transparente Regeln – da herrschen ganz unterschiedliche Erwartungen darüber, wer Kritik wie vorbringen und wie entgegennehmen kann. Rezeptbuchwissen a la „Tun Sie dies, tun Sie das“ hilft da wenig. Erfolg versprechender ist es, das feine who is who der sozialen Verflechtungen am Arbeitsplatz zu durchschauen und danach einschätzen zu können, ob die Kritik angebracht oder gar wertvoll ist. Wenn es Ihnen aber generell schwer fällt, kritische Kommentare zu verdauen, kann die Auseinandersetzung mit Ihrem Selbstverständnis, vielleicht mit der wertschätzenden Unterstützung durch einen Coach, weiterhelfen.

Und bedenken Sie: Die schärfsten Kritiker der Elche…..

Trennungsschmerz nach langer Firmentreue

 

Die Tage fühlen sich grau an, man leidet unter Appetit-, und Lustlosigkeit. Man bekommt aufmunternde Schulterklopfer: „Das geht vorbei, so ein Trennungsschmerz!“

Aber wer sich hier trennen will, ist nicht etwa ein seit langem verbandeltes Paar. Es ist ein Angestellter, der nach über zwanzig Jahren Unternehmenszugehörigkeit „eigener Wege“ gehen will, wohin, das weiß er noch nicht genau.

Jedoch beunruhigt ihn nicht die momentane Ziellosigkeit – er hat mehrere vielversprechende Möglichkeiten zur Auswahl. Nein, er macht sich seit Tagen Gedanken um die Trennung von seinem bisherigen Arbeitgeber, mit dem er sich „identifiziert“ hat. Das Unternehmen hat einen großen Namen, wer ihn nannte, erntete ein anerkennendes Raunen. Mehr als zwei Jahrzehnte hat er „dazu“ gehört, er war ein XY-janer mit Haut und Haaren.

Immer wieder stellt er sich vor, wie das sein wird, wenn er den Firmenausweis abgibt – wird das ein flaues oder ein Jubelgefühl sein?

Die Frage, die ihn am meisten beschäftigt, ist: Woher bekomme ich dann Identität?

Ich berate ihn wie jemanden, der unter Liebeskummer leidet. Ich lenke den Blick in den Rückspiegel erst zu den schönen, dann zu den enttäuschenden Momenten. Die rosa Brille des Trennungsleidenden muss runter – plötzlich wird klar: Sooo toll war die Beziehung gar nicht. Das gute Gehalt wurde intern „Schmerzensgeld“ genannt. Die Strukturen waren durch Seilschaften geprägt, manch guter Mitarbeiter wurde „rausgemobbt“. Die Arbeitszeiten waren mit einem Familienleben nicht vereinbar.

Die Frage nach der Identität beantwortet mein Klient jetzt mit einem Grinsen: Er wird seine eigene Marke!

Mehr zum Thema Identifikation mit dem Unternehmen bei manager-magazin und in der ZEIT.

Was tun, als Print-Journalist?

Was tun, als Print-Journalist?

Ein Coach spürt wirtschaftliche Erosionen in Form von orientierungssuchenden Menschen, die es aus unterschiedlichen Richtungen anspült. Wenn Ebbe herrscht in bestimmten Branchen, ist bei mir Flut. In diesem Herbst – vielleicht auch wegen der Berichterstattung über mich und wegen meinem eigenen journalistischen Hintergrund – habe ich u.a. eine Flut von Anfragen aus dem Print-Sektor: Hochqualifizierte Journalisten aus Zeitungs-, und Buchverlagen, die sich wegen der stets steigenden Belastung bei immer schlechter werdenden Arbeitsbedingungen umorientieren wollen.

Aus der einstigen Liebe zu Sprache und Entdeckertum sind Frust, Verachtung und Zynismus gegenüber der Entwertung eines ganzen Standes und dem Strukturwandel geworden.

Tja, neulich beim Zahnarzt ging es mir ähnlich.

Da ging ich raus aus der Behandlung und fragte mich, ob ich die nun bekommen habe, weil es mir oder weil es dem Zahnarzt damit besser geht.

Aber wir können lamentieren so viel wir wollen – der Trend zu mehr Profit ist da. Da er einher geht mit Schnelligkeit und nicht mit Tiefe, die bekanntlich Zeit braucht, sind bestimmte „Tiefen-Bereiche“ besonders betroffen, wie eben der Print-Journalismus.

Da hilft nur eins: Die Liebe für die Sprache in andere Kanäle lenken und neue Betätigungsfelder für sich entdecken.

Mehr zum Wandel im Journalismus hier.   Und falls Sie sich die Lust am Lesen guter Kolumnisten erhalten wollen, hier eine Idee, oder hier das „Original“.