Übung zur Selbstreflektion: Nach welchen Regeln ticke ich?

Partytime! – Die Fussball-EM beginnt, jetzt „muss“ gefeiert werden, in großen Gruppen, mit Alk und laut grölend, möglichst beim „Public Viewing“ …Selbstreflektion ist da eher nicht „angesagt“. Beste Voraussetzungen also, mitten in dem Trubel genau das anzuregen, nämlich über die Regeln, nach denen wir denken und handeln, mal nachzudenken. Damit meine ich das System von inneren „Mantras“, dem wir mehr oder weniger bewusst folgen. Oft werden sie auch „Glaubenssätze“, „Lebensregeln“ oder „mentale Konstrukte“ genannt. Es sind grundlegende Annahmen, die unser Verhalten stark beeinflussen.

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Weniger Stress als Führungskraft

 

Langsam, aber stetig steigt in Deutschland das Bewusstsein für Stress am Arbeitsplatz und den unermesslichen Schaden, den er anrichtet.

Besonders Führungskräfte sehen sich oft einer Stress-Zwickmühle ausgesetzt, aus der sie kaum heraus kommen. Einerseits sollen sie ein Vorbild für die Mitarbeiter abgeben – aber wäre es nicht vorbildlich, sich an begrenzte Arbeitszeiten zu halten? – andererseits verlangen die „Firmenstrukturen“ immer wieder schier endloses Engagement.

 Mal abgesehen davon, dass auch solche Strukturen von Menschen gemacht und somit veränderbar sind,  glauben Menschen unter Stress jedoch immer weniger daran, irgendetwas ändern zu können. Immer tiefer schlittern Sie in das „Funktionieren-Müssen“, statt selbstverantwortlich und für die Mitarbeiter verantwortlich zu handeln.

 Um dies möglichst im Keim zu verhindern, gibt es jetzt eine neue Initiative: Das Projekt „PsyGa“ – Psychische Gesundheit in der Arbeitswelt -, das vom BKK  Dachverband geleitet wird. Da die Verantwortung für die eigene psychische Gesundheit und die der Mitarbeiter bei den Führungskräften liegt, bündelt diese Initiative Wissen und Empfehlungen zum Thema Stressbewältigung auf ihren Internetseiten.  

Pdfs zu unterschiedlichsten Fragen – Selbstmanagement, work-life-balance, Umgang mit Konflikten – sind hier abrufbar.

Konflikt mit dem Chef

  

Neues Jahr, alte Sorgen. Ein besonders „beliebtes“ Coachingthema: Konflikte mit dem Vorgesetzten. Gerade auf der mittleren Führungsebene, in den sogenannten Sandwichpositionen, funkt es heftig und nachhaltig. Oder gar nicht, weil der oder die Vorgesetzte Stagnation und „Harmonie“ zum Wahlspruch gemacht hat.

Für die Mitarbeiter beginnt an diesem Punkt eine erfahrungsreiche Zeit des Lavierens und Probierens: Wie komme ich an einen narzisstischen Chef ran, der nur Applaus will und sich um sonst nichts kümmert? Wie gehe ich mit einem Kontrollfreak um, der keinem vertraut und mir zu wenig Spielraum lässt? Was mache ich bei einem entscheidungsmüden Vorgesetzten, der unter Aufschieberitis leidet, aber von oben beste Rückendeckung hat?

Wer allein an diese Fragen rangeht, sieht oft vor lauter Bäumen den Wald nicht. Es braucht etwas Abstand und möglicherweise den Blick von Außen, um da weiter zu kommen und neue Strategien zu finden. Wie coache ich meinen Chef – das lässt sich lernen. Mit einem guten Coach an Ihrer Seite.

Wieso passiert mir das immer wieder? -Ratlos mit Ratgebern.

 

Neulich hat sie eine Auseinandersetzung mit ihrer Vorgesetzten gehabt und mal wieder den Kürzeren gezogen, erzählt eine Klientin. Erst nachher sind ihr die passenden Erwiderungen eingefallen. Sie verstehe das nicht, warum ihr das immer wieder passiert. Sie habe ja auch schon so viele Ratgeber gelesen, und alles nütze nichts…

Tja, was will uns das sagen, wenn alles nichts nützt, noch nicht mal die Lektüre von Ratgebern? Als Ratgeberautorin kann ich da nur sagen, es gibt so ne und so ne: Rezeptbücher und solche, die Impulse für die individuelle Entwicklung geben, und das selbst Denken anstoßen. 

Ich würde, statt Lösungen von der Stange zu nehmen, einen anderen Weg vorschlagen:  Sich zur Abwechslung mal mit sich selbst auseinander setzen. Gewissermaßen einen Ratgeber für sich entwerfen. Bestimmte, sich wiederholende Vorfälle analysieren und über mögliche Alternativen nachdenken und sie auch ausprobieren. Mit anderen Worten: Selbst denken und handeln.

Guter Rat ist also doch teurer als die paar Euro fuffzig für einen Ratgeber. Er kostet Zeit und Energie für die Selbstreflektion.  Aber alleine müssen Sie das nicht machen – es gibt auch menschliche Ratgeber.

Sie wollen Ziele erreichen? Zückerli nicht vergessen!

Manche wissenschaftlichen Erkenntnisse kommen einem so banal vor, dass man meint, das habe ich mir doch gleich gedacht. Aber man meint das eben nur.

Dass zum Beispiel Marathon-Läufer auf ihren Blutzuckerspiegel achten müssen, ist  weithin bekannt. Aber dass die Banane zwischendurch nicht nur dafür gut ist, die Muskeln zu unterstützen, sondern auch die Willenskraft, ist wohl eher eine neue Erkenntnis.

Roy Baumeister von der Florida State University forscht seit Jahrzehnten zu den Themen Selbst und Selbstkontrolle. Für ihn ist nach langen Versuchsreihen zweierlei klar:

Menschen, die sich selbst kontrollieren können, sind erfolgreicher als andere. Und zweitens: Die Fähigkeit, einer Versuchung zu widerstehen und dagegen zu steuern, gleicht einer Muskelanstrengung. Sie nimmt mit steigender Beanspruchung ab. Der „Muskel“ dafür nennt sich Gehirn – dieses Organ verbraucht ohnehin schon 20 Prozent der Körperenergien, obwohl es nur 2 Prozent der Körpermasse einnimmt. Bei Willensanstrengungen war der Verbrauch deutlich erhöht – mehr dazu lesen Sie hier: Self Control relies on glucose as a limited energy source (pdf-Datei, 136 KB)

Was bedeutet das für das Erreichen von Zielen? Egal, ob es die Gehaltsverhandlung mit dem Vorgesetzten oder das Bestehen des Assessment Centers ist: Denken Sie in jeder Hinsicht an Ihr (Trauben-)Zückerli:  Als Unterstützung Ihres Denkmuskels während der Zielerreichung und danach, im übertragenen Sinn als „Belohnung“:  Gönnen Sie sich etwas Schönes, wenn Sie es geschafft haben!

Deutsche Angst – aber sonst geht’s uns gut

Wie verhält man sich dazu, wenn man plötzlich mit Tod und Verderben konfrontiert ist, daheim auf dem Sofa? Man ist betroffen. Man nimmt gedanklich Anteil und beisst in die Chips. Die Fernseh-Nation hat umgedacht (und Gott hat gelacht?): Plötzlich dreht sich der Wind der öffentlichen Meinung, keiner will mehr Atomkraftwerke – die Halbwertszeit dieses Stimmungswandels ist allerdings ungewiss. Das gefragteste Produkt hierzulande, im Land der Sicherheits-Affinen, 10000 km entfernt von der Katastrophe, sind zur Zeit Geigerzähler. Sie sind ausverkauft.    

Da frage ich mich, geht’s noch? Haben die Briten recht, die uns gern die „German Angst“ andichten? Brauchen wir eine Katastrophen-Sehnsucht, um wieder zu merken, wer wir sind? Ist unsere Urteilskraft vollkommen zum Fähnchen im Wind der Medienberieselung degeneriert?

Ich habe keine Antwort auf diese Fragen, allerdings  ein paar Anregungen zur Reflektion oder Selbst-Coaching.

Etwa diese Geschichte aus der griechischen Mythologie. Pan, der lustige Gott mit Hörnern und Ziegenbeinen, freut sich auf eine Liebesnacht. Beim Lupfen der Bettdecke allerdings ergreift ihn das blanke Entsetzen, er flieht: Seine vermeintliche Gespielin hat männliche Geschlechtsteile, ist ein Hermaphrodit. Daher das Wort Panik. Panik ist entstanden aus einer Diskrepanz zwischen Vorstellung und Wirklichkeit.

Und hier noch links zur kulturell entgegengesetzten Haltung, die wir derzeit wieder bei den von der Katastrophe betroffenen Japanern beobachten, zur Disziplin bis zur Selbstverleugnung:

Tod bei der Arbeit 

Nickerchen von der Arbeit

Shimpū Tokkōtai

Rückschläge verarbeiten – aber wie?

Rückschläge verarbeiten – aber wie?

 Auf das Vorstellungsgespräch haben Sie sich ausführlich vorbereitet, sind mit gutem  Gefühl hinein gegangen und dabei blieb es im Verlauf. Dann die Hiobs-Botschaft: Das Panel hatte einen ganz anderen Eindruck. Die Stelle wird an einen anderen Kandidaten gehen. Was ist da geschehen? Wie kam es dazu, dass Fremd-, und Selbstbild so voneinander abwichen? Und vor allem: Wie kann man das verdauen?

 Menschen, die Rückschläge gut verarbeiten, nennt man landläufig „Stehaufmännchen“. In Soziologie und Psychologie spricht man von Resilienz als der Fähigkeit, Krisen ohne anhaltende Beeinträchtigungen zu meistern. In meinem Buch „Runterschalten!“ nenne ich das die „Schiffbruch-Kompetenz“. Dort bespreche ich auch die Stadien, durch die eine Verarbeitung von Rückschlägen geht. Denn Reden ist nicht alles – aber ein erster Schritt.   Erfolge feiert man mit Freunden, Schiffbrüche durchsteht man erst mal mit sich selbst.  Rückzug ist eine verständliche erste Reaktion, aber wer sich mit seinem Schiffbruch raus traut, ihn mit Freunden oder anderen Schiffbruch-Kompetenten betrachtet, geht in die richtige Richtung. Das Reden hilft in vieler Hinsicht: Es entlastet, Gedanken klären sich und der Schiffbruch wird dabei zu (einer) Geschichte. Er wird Vergangenheit, dabei kann die Wunde vernarben, und ausserdem wird man hören, so banal das ist, dass viele schon ähnliche Erfahrungen gemacht haben. Das Ereignis wird sich relativieren. Und wenn Sie ein wahrer Schiffbruchkünstler sind, werden Sie in der Lage sein, die versteckte Botschaft Ihres Schiffbruchs zu erkennen.  Denn jeder Schiffbruch will dem Schiffbrüchigen etwas sagen. Wer diese Botschaft versteht, wird den Schiffbruch meistern und kann zu neuen Ufern aufbrechen… auch wenn unterwegs neue Gefahren lauern.

Bewerben: Was tun, wenn nur Absagen kommen?

Selbst Personalprofis ist das schon passiert: Man schickt Bewerbung um Bewerbung raus, bekommt aber keine Antwort.  Und weil hier wie anderswo der Satz gilt „keine Antwort ist auch ne Antwort“, wird dann die Frage „woran liegt es nur?“ zu einer Hauptsorge.

Eins vorweg: Den einen, „wahren“ Grund kann es nicht geben. Und selbst wenn, würden Sie ihn nicht erfahren: Das allgemeine Gleichstellungsgesetz steht dieser Forderung im Weg – schriftlich formulierte Absagen sind vage gehalten, um zu verhindern, dass ein verschmähter Kandidat den Klageweg beschreitet.

Mögliche Gründe gibt es dagegen einige. Manche Positionen werden nur der Form halber ausgeschrieben, sind aber im Prinzip schon „intern“ besetzt.  Da Sie als Bewerber so etwas aber nicht erfahren werden, gilt immer: Lassen Sie sich nicht den Wind aus den Segeln nehmen, bleiben Sie am Ball! Genauso, wenn vermutlich ein anderer Bewerber das Rennen gemacht hat: Sie wissen einfach nicht, woran das gelegen hat und sollten daraus kein düsteres Vorzeichen konstruieren.

Vielleicht ist auch gerade Flaute in Ihrer Branche. Das war noch bis vor kurzem –Stichwort Krise – verbreitet der Fall. Momentan jedoch geht es mit den meisten Personalmärkten wieder aufwärts.

Aber wenn Sie sich schon an die eigene Nase fassen wollen, fragen Sie sich: Sind meine Unterlagen wirklich adressatenorientiert geschrieben und auf die Vakanz zugeschnitten? Ist mein Profil scharf genug und überzeugend formuliert? Habe ich meine Passgenauigkeit mit den Anforderungen herausgearbeitet? Habe ich die richtige Suchstrategie?

Im Zweifel nehmen Sie sich einen Coach oder Karriereberater zur Seite, der Sie aus neutraler Sicht durch die Bewerbungsphase begleitet. Und falls Sie zwischendurch doch mal in den Seilen hängen: Gönnen Sie sich etwas, was Ihnen Spaß macht, nutzen Sie Ihre freie Zeit!

Downshifting erst recht in der Krise, meint die Haufe-Akademie

Die gefühlte Krise ist in Deutschland schlimmer als die gemessene, soviel ist klar. Aber jetzt gibt es zu einer Frage, die viele in diesem Zusammenhang bewegt, endlich auch Messbares: Die Frage lautet, „Darf man in der Krise überhaupt noch Downshiften oder an work-life-balance denken?“

Das alte Bild, dass man in Krisenzeiten „die Ärmel aufkrempeln“ müsse und  anzupacken habe, hält sich hartnäckig in den Hinterköpfen. Das kann es ja auch gern –  denn Downshiften heisst nicht Aussteigen.

Gemeinsam mit der Uni Detmold hat die Haufe Akademie 92 Führungskräfte zum Thema work-life-balance in Krisenzeiten befragt. Einige der Ergebnisse können Sie hier nachlesen.

Aber um es kurz zu machen, das Fazit lautet „jetzt erst recht“. Und darüber bin ich froh. Denn gerade, wenn  Angst den Menschen in den Knopflöchern steckt, tendieren sie dazu, ohne Nachzudenken zu  „funktionieren“  und sich selbst zu vernachlässigen. Die Folge davon ist auch messbar: Burnout und Herzkrankheiten, wie eine Langzeitstudie mit Namen „Whitehall II“ bestätigt. Also: Achten Sie auf sich, seien Sie sich selbst ein guter Coach!

Umgang mit der Krise: Darf’s ein bisschen mehr sein?

Wirtschaftskrise, Bankenkrise, Euro-Krise, Kreditkrise, Vertrauenskrise…Unser Leben scheint, will man den Medien glauben, zur Dauerkrise geworden zu sein, von persönlichen Krisen (Midlife? Sinn? Partnerschaft?) mal  ganz zu schweigen.

Was macht das mit uns? Ein Coaching-Klient sagte neulich, „Ich kann es schon nicht mehr hören, dieses Krisengeschwafel. Früher gab es das nicht. Ich dreh dann einfach weg, und hör Musik.“

Auch eine Lösung. Sie steuern so aus der Perma-Krisenberieselung, allerdings ist das Ergebnis kein Zurück in den Ursprungszustand, sondern ein bewusstes Ausblenden.  Der Angstmacher ist zwar noch da, aber irgendwo im Nebulösen, wo er auf den Alltag nicht mehr so deutlich zugreifen kann. Dadurch kann der Alltag leichter und unbeschwerter werden. 

Eine Freundin macht es ganz anders. Seit sie durch eine handfeste Lebenskrise gegangen ist,  ist sie Krisenfan geworden. Sie sagt, „Krise als Chance, das kann zwar keiner mehr hören – aber es ist so!“ Obwohl sie selbst an diesen System-Krisen nichts ändern kann, hat sie keine Angst davor. Menschen haben immer in Krisenzeiten gelebt, meint sie, einen paradiesischen Urzustand gab es nie. Und irgendwie haben viele Menschen auch viele Krisen gemeistert. Sie geht mit dem „Krisengefühl“ um wie mit einer Schwäche: Sie kennt sie, achtet auf die Schwäche und gibt ihr manchmal auch Raum. Die Schwäche gehört zu ihr. Genauso, wie das Krisengefühl zu unsrer Zeit gehört. Es hilft uns, achtsam und beweglich zu bleiben, meint meine Freundin. Was meinen Sie?