Wer bin ich?

Menschen gibt es in vielen Erscheinungsformen – das ist auch vor David Precht schon einigen aufgefallen. Die Rollen, die wir im Leben spielen – z.B. Eltern sein, Kinder, Schüler, Partner, Kollege, Lösungsagent, Blitzableiter – zeigen uns in unterschiedlichsten Facetten. Zudem ist es in, „etwas Besonderes“ darzustellen, in den sozialen Netzwerken etwa, 15 Minuten Star sein…. und in dem Streben sind dann auch wieder alle gleich. Unser Zeitalter giert nach Individualität, Selbstverwirklichung ist ein „Must“, wie es scheint. Und gar nicht so einfach. Irgendwie macht doch jeder etwas, was andere schon vorher gemacht haben. Oder ist es die Lösung, einen Marathon als Erster rückwärts zu laufen…?

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Karrierecheck: Wo bin ich grad, wo will ich hin?

Machen und Tun, von Tag zu Tag, von Woche zu Woche – das ist für die Meisten von uns Programm. Die allgemeine Machseligkeit führt dazu, dass die Lemmingmasse meint, Nachdenken sei irgendwie uncool. Man macht halt immer weiter, beobachtet sich dabei irgendwie, kurz vor dem Eischlafen vielleicht, und denkt, so kann’s nicht weiter gehen.
„Wenn ich nur erst mal das und das hinter mir hab, dann gönne ich mir die Ruhepause zum Überlegen,“ sagt man sich. Und am nächsten Tag geht’s weiter wie bisher.
Die inneren Fragen „wo bin ich grad und wo will ich hin“ machen aber auch keine Pause. Sie werden immer lauter, verstummen werden sie nicht. Dabei braucht es gar nicht sooo viel Zeit, um mal eine Zwischenbilanz zu ziehen. Man kann das auch in kleinen Häppchen tun, mit einem neutralen Gesprächspartner…und jetzt, wo die Tage dunkler werden, ist sicher guter Moment dafür.

Kernfragen:
Ist, was ich tagtäglich tue, sinnvoll?
Welche Rollen in meinem Leben fülle ich mit Überzeugung, welche würde ich lieber loswerden?
Weiß ich, was Muße ist?
Wie gehe ich mit meiner Lebenszeit um – oder geht sie mit mir um?
Wenn ich meiner momentanen Lebensphase einen Buchtitel geben würde, wie hieße der?
Welche Ziele habe ich, privat und in der Karriere?
Wie viel von meinem Leben gehört mir, wie viel davon anderen?

„Change“ – aber bitte nicht beim Rollenverhalten!

Wir sind ja grad alle in Ferienlaune. Endlich mal „an nichts denken müssen“ … die „schönsten Wochen des Jahres“ stehen bevor. In eben solcher Laune stolpere ich über einen Artikel in der aktuellen Manager-Seminare, Titel: „Schöne Scheinwelt!“ Da geht es um die Behauptung vieler Unternehmen, „familienfreundliche Arbeitsplätze“ zur Verfügung zu stellen. In verblüffender Deutlichkeit weist Autor Axel Gloger nach, dass unsere deutsche Arbeitswelt genau das Gegenteil, nämlich familienfeindlich ist: Teilzeitarbeit machen zu 80% schlecht bezahlte Frauen, die Babypause ist immer ein Karriereknick… und so weiter, und so fort.
Der Artikel ist lesenswert und bestätigt vor allem eins: Deutschland ist „veränderungsresistent“ in Bezug auf die klassischen Rollenmodelle. Kein bisschen „Change“, sonst allgegenwärtiges Zauberwort im Managementsprech, wenn es um Männer und Frauen bei der Arbeit geht. Männer bevölkern die oberen Etagen. Familie und billige Arbeit ist Frauensache.
Tja. Some things never change. Schönen Urlaub!

Emotionsmanagement: Mit Tränen und Wut umgehen

„Ich bin einfach zu emotional“, das höre ich gelegentlich von meinen Klienten, männlich wie weiblich. Frauen haben „am Wasser gebaut“, Männern „platzt der Kragen“, wenn es nach Rollenstereotypen geht.

Nach gängiger Auffassung ist „man“ seinen Emotionen ausgeliefert, wenn sie raus wollen, brechen die Dämme. Das wird freilich oft „nicht gern gesehen“. Ob es „angebracht“ ist, solche Gefühle zu zeigen, ist zu einem großen Teil kulturell bestimmt.

Um im professionell abgesegneten Verhaltenskodex mit zu schwimmen, wird also „Selbstregulierung“ propagiert – nur nicht unangenehm auffallen ist die Devise. Die Forderung nach „Authentizität“ verschwindet dahinter – Wut und Trauer sollen ausgeblendet werden, auch wenn sie echt sind.

Also hat es der emotional geladene Mensch mit einer Paradoxie zu tun:
1. Mit dem eigenen Emotionsklops, der unweigerlich im Hals hochsteigt, umzugehen. Da wäre die beste Variante, die Gefühle raus zu lassen, und sie dann auch los zu sein.
2. Sozial akzeptabel zu handeln – die Gefühle also „runterzuschlucken“ und sich damit auf lange Sicht zu schaden, alles in sich „rein zu fressen“. Hoher Blutdruck, Rückenprobleme und Schlafstörungen sind mögliche Folgen.

Gibt es einen Weg dazwischen?

Es gibt viele Wege, darunter auch welche, die durch Coaching die Souveränität stärken. Das kann allerdings ein Weilchen dauern, denn dabei geht es ans Eingemachte. Hier ein „Fahrplan“, um kurzfristig mit aufwallenden Gefühlen umzugehen.

1. Bemerken, da kommt ein „Klops“ im Hals – ein nebulöses Emotionenknäuel.
2. Kurz Distanz schaffen zu der Situation, die diese Emotion hervorruft (ev. durch Betrachten des handys).
3. Innerer Diskurs, innerlich den „neutralen Beobachter/Teamchef“ etablieren, um Klarheit zu schaffen: Emotionsknäuel befragen und in seine unterschiedlichen Anteile zerlegen: Was stört mich gerade? Hat es mit der mir von den Interaktanten zugeschriebenen Rolle zu tun? Wie kann ich Teile/ oder den Hauptteil davon äußern? (i.e. den Druck loswerden, das Emotionenknäuel „würdigen“ als gutes Teammitglied)
4. Sich entsprechend äußern: „Ich habe den Eindruck, dass…“ oder räumlich Distanz schaffen: „Ich glaube, Ihr braucht mich gerade nicht. Ich komme in 5 Minuten wieder.“
5. Nicht jedesmal eine wesentliche Situationsänderung in der Außenwirkung erwarten – Ziel der Übung ist zunächst ein zufriedenstellender Umgang mit den eigenen aufwallenden Emotionen – ihnen ein „Ventil“ zu geben und sie als wichtiges Teammitglied zu integrieren. Und denken Sie an einen körperlichen Ausgleich: Boxen Sie Ihr heimisches Sofa, rennen Sie oder folgen Sie dem Motto „make love, not war“ – dann geht die Last raus aus dem Körper.
Mehr dazu bei Wiki

Zeitmanagement: Mehr Zeit für mich!

Eine Frau verlässt um fünf Uhr ihren Arbeitsplatz ohne weitere Erklärungen. Was denken ihre Kollegen? – Aha, die geht nach Hause zur Familie.
Ein Mann tut das Gleiche. Was denken die Kollegen? Aha, der geht zu einem Kundenbesuch.
Das liegt, wie Erin Reid, Dozentin an der Uni Boston, herausgefunden hat, nur zum Teil daran, wie die Rollenverteilung im öffentlichen Denken verankert ist. Es liegt auch daran, dass Männer besser im Schummeln sind. Die unausgesprochenen Regeln des Karrieremachens, zu denen es gehört, „keine Zeit“ zu haben, werden von ihnen nicht in Frage gestellt, sondern mit kleinen Tricks unterlaufen.
Die „Jackett-überm-Stuhl-Strategie“ ist eine der bekannteren Varianten, mal gemütlich einen Espresso zu trinken, aber gleichzeitig irgendwie „präsent“ zu sein. Vor allem gehört zu dieser Zeitmanagementstrategie, jedem, der es hören will oder nicht, um die Ohren zu hauen, wie (beruflich!) überlastet man ist, und wie opferbereit dazu. „Alles für die Firma geben“, auch wenn man(n) zu Hause im home office – oder im Garten sitzt.
Das System des gegenseitigen zur-Schaustellens von beruflicher Nachgefragtheit haben Frauen offenbar nicht durchdrungen. Sie sind zu ehrlich, „werben“ statt dessen um Akzeptanz für familiäre Belange.
Aber es gibt, wie Frau Reid meint, einen Hoffnungsschimmer: Die Zeiten ändern sich, glaubt sie. Ihre Studie beweise, dass Menschen, die weniger arbeiten (also auch die, die nur so tun als ob) genauso geschätzt werden wie Rund-um-die-Uhr-Malocher. Und dass Firmen keine Unterwürfigkeit mehr von ihren Angestellten erwarten könnten. Warum? Weil die nicht unbedingt zu besserer Leistung führe…
Mehr dazu: NYtimes

Tag der Arbeit, Frauentag und Tag der Jogginghose

Manchmal fragt man sich, wozu es sie gibt, diese zum Tag von irgendwas gemachten Daten. Gut, sie sollen das Geschäft ankurbeln. Drum „feiern“ wir den Valentinstag und „Haloween,“ für Floristen, „Grusel-Event-Händler“ und Kürbisverkäufer. Auch der Tag der Jogginghose (21.1.) machte zweifellos den Schlabberlook und die Message „das geht mir am A. vorbei“ straßenfähig.

Und wie steht’s mit dem „Internationale Frauentag“ (8.3.) oder dem Tag der Arbeit? Ich meine, außer, dass am Tag der Arbeit die Arbeit ruht und dass Deutschland seit Schröder ein Schlaraffenland für Flat-Rate-Prostitution ist?

Eine Untersuchung der Böcklerstiftung zeigt, dass deutsche Frauen ab Ende zwanzig der „Teilzeitknick“ erwartet. Dass sie immer noch 25 Prozent weniger verdienen als Männer in der selben Position wissen auch alle – aber wenn man darauf aufmerksam macht, hat das ein Gschmäckle. Darüber redet „man/n“ nicht. Überhaupt. Die Frauen sind doch selbst schuld. Können sich eben nicht richtig „verkaufen“ …

Da ist viel Zündstoff drin, in dem Thema. Seltsamerweise auch für die scheinbaren Gewinner, die Männer: Denn solang Teilzeit nicht auch von Männern wahrgenommen wird, müssen sie im Hamsterrad weiterlaufen. Bis der burnout kommt. Dann hat man/n viele Tage der Jogginghose.

Jobsuche mal anders: Escape the city

Gebetsmühlenartig wiederhole ich in Interviews, dass “Runterschalten” nichts mit dem landläufigen Verständnis von Versagen oder Scheitern zu tun hat. Dass der Prozess schwierig ist und mehr Aufwand kostet, als in ausgetretenen Karrierepfaden zu bleiben. Dass man danach nicht unter Palmen in der Hängematte schwingt, sondern eventuell sogar mehr arbeitet als vorher. Dass ich mit einem medial nachgefragten Manager-Protagonisten, der jetzt Schäfer ist, nicht dienen kann. Dass es sich trotz alledem lohnt, selbstbestimmt zu arbeiten.

Das alles ist, wie man so schön sagt, in Deutschland schwer zu vermitteln.

In England scheinen sie es nicht nur begriffen, sondern auch beispielhaft umgesetzt zu haben: Dort gibt es seit kurzem ein Jobportal für „Sinnsucher“.
Jobs werden überwiegend in England, aber auch global angeboten. Nur ein Land fehlt bisher offenbar: Deutschland. Gut Ding will eben Weile haben…
Mehr dazu auch bei SPIEGEL online Karriere.

Job macht Männer krank

Das Rollenmodell „Mann“, wie es in Deutschland existiert, scheint extrem anstrengend zu sein. So jedenfalls lässt sich eine kürzlich veröffentlichte Pressemitteilung der Deutschen Gesellschaft für Psychosomatische Medizin und Ärztliche Psychotherapie (DGPM) interpretieren. Demnach erkranken Männer öfter als Frauen aus Gründen, die sich auf die Arbeit zurückführen lassen. Was aber hat das mit dem Rollenmodell zu tun?

Allerhand: Den Hauptgrund für diese bedenkliche Entwicklung sehen die Forscher im Selbstverständnis deutscher Männer, der „Klassischen Männerrolle“ zu entsprechen, also vor Herausforderungen nicht einzuknicken. Das führe deutlich öfter als bei Frauen zu Belastungsstörungen, Depressionen und Neurosen.

Dazu kann ich nur sagen, wahre Stärke zeigt, wer seine Grenzen kennt.

Auf ein Neues: Frauen in Führungspositionen!

 

Nie hätte ich gedacht, dass dieses Thema  mich mein ganzes Berufsleben über begleiten würde: Frauen und ihre Gleichberechtigung am Arbeitsplatz. Spätestens seit den 80er Jahren und dem emanzipatorischen Wirbel damals dachte ich, das läuft! Niemand wird sich in ein paar Jahren mehr über weibliche Chefs wundern, und für gleiche Arbeit wird es auch das gleiche Geld geben.

Ein Irrtum, wie sich inzwischen gezeigt hat. Besonders Deutschland zeigt sich in Bezug auf Frauen in leitenden Positionen widerständig.

Warum ist das so?

Am Wochenende war ich als Leiterin eines workshops an eine Universität eingeladen. Das Thema dort war Führung. Einer der Vortragenden sagte, er habe sich auch mit dem Gender-Thema auseinander gesetzt. Widerstrebend, gab er zu. Das sei eigentlich nicht sein Thema, meinte er und man sah es seinem Essig-Gesicht an.  Nachdem er sich nun eingearbeitet habe in die Studien zu dieser Frage, hege er den Verdacht, dass es unter anderem an der Motivation der Frauen hapere.

Natürlich erntete er hier einen Sturm der Entrüstung. Aber vielleicht hat er ja Recht, dachte ich mir. Angesichts der verschwindenden Menge von Frauen, die in Deutschland in Gegenwart ihres Partners Auto fahren und von Männern, die das Klo putzen – angesichts des „traditionellen Rollenverständnisses“ hierzulande also – haben Frauen vielleicht wirklich keine Lust zum Führen.

Mehr dazu:

http://www.boell.de/de/2013/09/24/maennliche-monokultur-ohne-quote-keine-teilhabe-von-frauen-topetagen

 DIW-Managerinnen Barometer

Mitarbeitergespräch: Geschmeidiger sein und mehr lächeln?

 

Grundsätzlich, und wenn beide Seiten sich an die Regeln halten, ist so ein Mitarbeitergespräch ja eine gute Sache: Der Mitarbeiter weiß, woran er ist und wohin er sich entwickeln kann. Der Vorgesetzte wiederum wird seiner Führungsaufgabe gerecht, Ziele zu setzen, zu motivieren, Potentiale zu fördern und in akzeptabler Form Kritik zu üben.

Was aber, wenn dabei so ein Satz fällt: „Sie müssen geschmeidiger sein und mehr lächeln“.

Geht es hier etwa die Produktgestaltung von Streichkäse? Oder sind wir im Land des Lächelns?  Würde ein Mann diesen „Rat“ zu hören kriegen? Oder sind wir in einem Aerobic-Studio, wo etwas kraus Gelenkigkeit gemeint sein könnte?  Nein, wir sind in einem Finanzinstitut, beim Mitarbeitergespräch zwischen Vorgesetztem (männlich) und Mitarbeiterin (mittlere Führungsebene, weiblich).

Zugegeben, es hat schon wieder was Komisches. Ich empfehle nämlich oft meinen Klientinnen, weniger zu lächeln, weil sie sonst speziell in Männerrunden nicht ernst genommen werden.  Dieser Klientin gratuliere ich hiermit: Sie ist offenbar ein guter Sparringpartner für ihr sonst männlich besetztes Umfeld – und sie sollte daran auf keinen Fall etwas ändern!

Siehe dazu auch:

http://www.telegraph.co.uk/science/science-news/10101889/Key-to-promotion-for-women-dont-smile.html