Tschüß, Perfektionismus: Keine Angst vor Fehlern!

Angeblich wird man „aus Fehlern klug“. Trotzdem – Fehler machen, wer will das schon? Kein Wunder, bei der Kultur der „Selbstoptimierung“, die uns allerorten umgibt – selbst Onkel Aldi ruft zur Zeit mit einem Sonnenbank-Muskelprotz dazu auf „Mach dich krasser!“ (Noch krasser???)

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Schlechte Chefs, miese Führung?

Auf ein Neues: Laut Gallup haben wir in Deutschland ziemlich miese Führungskräfte. Das jedenfalls soll die aktuelle von dem Beratungsunternehmen erstellte Studie nach einer Umfrage mit über 1400 deutschen Arbeitnehmern belegen.Will man den Ergebnissen glauben, klafft eine geradezu groteske Lücke zwischen der Selbstwahrnehmung der Führungskräfte und der Fremdwahrnehmung ihrer Mitarbeiter. Während die Untergebenen ihren Chefs überwiegend schlechte Noten geben, sind die Führungskräfte selbst höchst zufrieden mit ihrer Leistung.

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Wer bin ich?

Menschen gibt es in vielen Erscheinungsformen – das ist auch vor David Precht schon einigen aufgefallen. Die Rollen, die wir im Leben spielen – z.B. Eltern sein, Kinder, Schüler, Partner, Kollege, Lösungsagent, Blitzableiter – zeigen uns in unterschiedlichsten Facetten. Zudem ist es in, „etwas Besonderes“ darzustellen, in den sozialen Netzwerken etwa, 15 Minuten Star sein…. und in dem Streben sind dann auch wieder alle gleich. Unser Zeitalter giert nach Individualität, Selbstverwirklichung ist ein „Must“, wie es scheint. Und gar nicht so einfach. Irgendwie macht doch jeder etwas, was andere schon vorher gemacht haben. Oder ist es die Lösung, einen Marathon als Erster rückwärts zu laufen…?

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Probleme lösen, wozu braucht man das?

Kennen Sie das? Sie machen eine zufällige Beobachtung und denken, da grinst dich der Zeitgeist an. Wie neulich, vom Balkon aus. Unten, auf der zu beiden Seiten beparkten Einbahnstraße, hatte jemand ein Problem. Er versuchte im neuen Corsa, rückwärts auszuparken. Zwei, drei, ja viermal wurde das Lenkrad nach links gedreht, rollte der Fahrer los, um dann zu merken, dass hinten kein Platz mehr war. Jedes Mal keilte er sich mehr ein. Schlimmer geht immer, sagt man im Coaching.

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Übung zur Selbstreflektion: Nach welchen Regeln ticke ich?

Partytime! – Die Fussball-EM beginnt, jetzt „muss“ gefeiert werden, in großen Gruppen, mit Alk und laut grölend, möglichst beim „Public Viewing“ …Selbstreflektion ist da eher nicht „angesagt“. Beste Voraussetzungen also, mitten in dem Trubel genau das anzuregen, nämlich über die Regeln, nach denen wir denken und handeln, mal nachzudenken. Damit meine ich das System von inneren „Mantras“, dem wir mehr oder weniger bewusst folgen. Oft werden sie auch „Glaubenssätze“, „Lebensregeln“ oder „mentale Konstrukte“ genannt. Es sind grundlegende Annahmen, die unser Verhalten stark beeinflussen.

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… es raubt mir den Schlaf! Konflikte bei der Arbeit

„Ich konnte einfach nicht einschlafen. Immer wieder sah ich diese Situation vor mir, als der Kollege mir Inkompetenz vorwarf und ich vor allen saublöd da stand. Danach fielen mir tausend Sachen ein, die ich hätte sagen können. Aber in dem Moment selbst war ich einfach nur platt und sprachlos.“

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Eine Gehaltserhöhung verhandeln – aber wie?

Das neue Jahr hat schon ein paar Wochen auf dem Zähler, das Hamsterrad läuft wieder auf vollen Touren. Für die Menschen im Rad gilt der übliche Appell: Leidenschaft zeigen! Es ist fast eine Liebesbeziehung, die da eingefordert wird, mit totalem Engagement und völliger Hingabe… kein Wunder, dass die Betroffenen vor lauter Engagement „vergessen“, auf ihre Belange und Anliegen zu achten.
Ein Anliegen, das an oberster Stelle stehen sollte, ist der Selbsterhalt, zu dem neben Sport die Achtsamkeit für genügend Erholpausen und Reflexionszeiten gehört. Würden sich die Menschen im Rad dies zugestehen, dann würden sie vermutlich schnell drauf kommen, dass sie ihrem Arbeitgeber einen Berg Überstunden schenken und ihren eigenen Wert „vor lauter lauter“ nicht ausreichend darstellen. Eine solche Darstellung ist das Gehaltsgespräch. Es sollte klug vorbereitet werden, Zug um Zug, wie ein Schachspiel. Wer sich da überfordert fühlt, sollte sich Unterstützung holen, sonst setzt ein nachhaltiger „Wertverlust“ der eigenen Arbeitskraft ein.
Gehaltserhöhung verhandeln, siehe SPIEGEL Karriere

Dafür oder dagegen? Über das leidige Entscheiden

Es ist schon eine Krux mit dem Entscheiden. Jede Entscheidung für etwas ist auch eine gegen etwas. Und nicht zu entscheiden, ist auch eine Entscheidung.
Man kommt einfach nicht drum rum im Leben. Positiv ausgedrückt heißt das, ich habe die Wahl. Aber für manch einen bedeutet das, ich habe die Qual der Wahl.
Die wenigsten fühlen sich nämlich wohl beim Entscheiden. Sie ziehen „Entscheidungen von der Stange“ vor – bei der Berufswahl etwa. Da nimmt man einfach Berufe, die „gefragt“ sind, also von vielen gewählt werden. Was für viele richtig ist, kann für mich doch nicht falsch sein. Oder?
Irrtum. Und wenn sich dann herausstellt, dass man zum Beispiel gar nicht gut kann mit zappeligen Drittklässlern, dann ist es meist schon sehr, sehr spät. Zu spät manchmal, um noch einen anderen Kurs zu finden.
Aber wie soll oder kann man es lernen, das „Richtig Entscheiden“?
Dieser Frage widmet sich bald die Ausstellung „Entscheiden“ in Mainz, die am 1. Oktober beginnt.
Aus meiner Sicht ist sie – da schon erfolgreich andernorts gelaufen – auf jeden Fall einen Besuch wert. Aber vielleicht ist das eine Fehlentscheidung… was meinen Sie?

Emotionsmanagement: Mit Tränen und Wut umgehen

„Ich bin einfach zu emotional“, das höre ich gelegentlich von meinen Klienten, männlich wie weiblich. Frauen haben „am Wasser gebaut“, Männern „platzt der Kragen“, wenn es nach Rollenstereotypen geht.

Nach gängiger Auffassung ist „man“ seinen Emotionen ausgeliefert, wenn sie raus wollen, brechen die Dämme. Das wird freilich oft „nicht gern gesehen“. Ob es „angebracht“ ist, solche Gefühle zu zeigen, ist zu einem großen Teil kulturell bestimmt.

Um im professionell abgesegneten Verhaltenskodex mit zu schwimmen, wird also „Selbstregulierung“ propagiert – nur nicht unangenehm auffallen ist die Devise. Die Forderung nach „Authentizität“ verschwindet dahinter – Wut und Trauer sollen ausgeblendet werden, auch wenn sie echt sind.

Also hat es der emotional geladene Mensch mit einer Paradoxie zu tun:
1. Mit dem eigenen Emotionsklops, der unweigerlich im Hals hochsteigt, umzugehen. Da wäre die beste Variante, die Gefühle raus zu lassen, und sie dann auch los zu sein.
2. Sozial akzeptabel zu handeln – die Gefühle also „runterzuschlucken“ und sich damit auf lange Sicht zu schaden, alles in sich „rein zu fressen“. Hoher Blutdruck, Rückenprobleme und Schlafstörungen sind mögliche Folgen.

Gibt es einen Weg dazwischen?

Es gibt viele Wege, darunter auch welche, die durch Coaching die Souveränität stärken. Das kann allerdings ein Weilchen dauern, denn dabei geht es ans Eingemachte. Hier ein „Fahrplan“, um kurzfristig mit aufwallenden Gefühlen umzugehen.

1. Bemerken, da kommt ein „Klops“ im Hals – ein nebulöses Emotionenknäuel.
2. Kurz Distanz schaffen zu der Situation, die diese Emotion hervorruft (ev. durch Betrachten des handys).
3. Innerer Diskurs, innerlich den „neutralen Beobachter/Teamchef“ etablieren, um Klarheit zu schaffen: Emotionsknäuel befragen und in seine unterschiedlichen Anteile zerlegen: Was stört mich gerade? Hat es mit der mir von den Interaktanten zugeschriebenen Rolle zu tun? Wie kann ich Teile/ oder den Hauptteil davon äußern? (i.e. den Druck loswerden, das Emotionenknäuel „würdigen“ als gutes Teammitglied)
4. Sich entsprechend äußern: „Ich habe den Eindruck, dass…“ oder räumlich Distanz schaffen: „Ich glaube, Ihr braucht mich gerade nicht. Ich komme in 5 Minuten wieder.“
5. Nicht jedesmal eine wesentliche Situationsänderung in der Außenwirkung erwarten – Ziel der Übung ist zunächst ein zufriedenstellender Umgang mit den eigenen aufwallenden Emotionen – ihnen ein „Ventil“ zu geben und sie als wichtiges Teammitglied zu integrieren. Und denken Sie an einen körperlichen Ausgleich: Boxen Sie Ihr heimisches Sofa, rennen Sie oder folgen Sie dem Motto „make love, not war“ – dann geht die Last raus aus dem Körper.
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Jobsuche mal anders: Escape the city

Gebetsmühlenartig wiederhole ich in Interviews, dass “Runterschalten” nichts mit dem landläufigen Verständnis von Versagen oder Scheitern zu tun hat. Dass der Prozess schwierig ist und mehr Aufwand kostet, als in ausgetretenen Karrierepfaden zu bleiben. Dass man danach nicht unter Palmen in der Hängematte schwingt, sondern eventuell sogar mehr arbeitet als vorher. Dass ich mit einem medial nachgefragten Manager-Protagonisten, der jetzt Schäfer ist, nicht dienen kann. Dass es sich trotz alledem lohnt, selbstbestimmt zu arbeiten.

Das alles ist, wie man so schön sagt, in Deutschland schwer zu vermitteln.

In England scheinen sie es nicht nur begriffen, sondern auch beispielhaft umgesetzt zu haben: Dort gibt es seit kurzem ein Jobportal für „Sinnsucher“.
Jobs werden überwiegend in England, aber auch global angeboten. Nur ein Land fehlt bisher offenbar: Deutschland. Gut Ding will eben Weile haben…
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