Eine Gehaltserhöhung verhandeln – aber wie?

Das neue Jahr hat schon ein paar Wochen auf dem Zähler, das Hamsterrad läuft wieder auf vollen Touren. Für die Menschen im Rad gilt der übliche Appell: Leidenschaft zeigen! Es ist fast eine Liebesbeziehung, die da eingefordert wird, mit totalem Engagement und völliger Hingabe… kein Wunder, dass die Betroffenen vor lauter Engagement „vergessen“, auf ihre Belange und Anliegen zu achten.
Ein Anliegen, das an oberster Stelle stehen sollte, ist der Selbsterhalt, zu dem neben Sport die Achtsamkeit für genügend Erholpausen und Reflexionszeiten gehört. Würden sich die Menschen im Rad dies zugestehen, dann würden sie vermutlich schnell drauf kommen, dass sie ihrem Arbeitgeber einen Berg Überstunden schenken und ihren eigenen Wert „vor lauter lauter“ nicht ausreichend darstellen. Eine solche Darstellung ist das Gehaltsgespräch. Es sollte klug vorbereitet werden, Zug um Zug, wie ein Schachspiel. Wer sich da überfordert fühlt, sollte sich Unterstützung holen, sonst setzt ein nachhaltiger „Wertverlust“ der eigenen Arbeitskraft ein.
Gehaltserhöhung verhandeln, siehe SPIEGEL Karriere

„Change“ – aber bitte nicht beim Rollenverhalten!

Wir sind ja grad alle in Ferienlaune. Endlich mal „an nichts denken müssen“ … die „schönsten Wochen des Jahres“ stehen bevor. In eben solcher Laune stolpere ich über einen Artikel in der aktuellen Manager-Seminare, Titel: „Schöne Scheinwelt!“ Da geht es um die Behauptung vieler Unternehmen, „familienfreundliche Arbeitsplätze“ zur Verfügung zu stellen. In verblüffender Deutlichkeit weist Autor Axel Gloger nach, dass unsere deutsche Arbeitswelt genau das Gegenteil, nämlich familienfeindlich ist: Teilzeitarbeit machen zu 80% schlecht bezahlte Frauen, die Babypause ist immer ein Karriereknick… und so weiter, und so fort.
Der Artikel ist lesenswert und bestätigt vor allem eins: Deutschland ist „veränderungsresistent“ in Bezug auf die klassischen Rollenmodelle. Kein bisschen „Change“, sonst allgegenwärtiges Zauberwort im Managementsprech, wenn es um Männer und Frauen bei der Arbeit geht. Männer bevölkern die oberen Etagen. Familie und billige Arbeit ist Frauensache.
Tja. Some things never change. Schönen Urlaub!

Zeitmanagement: Mehr Zeit für mich!

Eine Frau verlässt um fünf Uhr ihren Arbeitsplatz ohne weitere Erklärungen. Was denken ihre Kollegen? – Aha, die geht nach Hause zur Familie.
Ein Mann tut das Gleiche. Was denken die Kollegen? Aha, der geht zu einem Kundenbesuch.
Das liegt, wie Erin Reid, Dozentin an der Uni Boston, herausgefunden hat, nur zum Teil daran, wie die Rollenverteilung im öffentlichen Denken verankert ist. Es liegt auch daran, dass Männer besser im Schummeln sind. Die unausgesprochenen Regeln des Karrieremachens, zu denen es gehört, „keine Zeit“ zu haben, werden von ihnen nicht in Frage gestellt, sondern mit kleinen Tricks unterlaufen.
Die „Jackett-überm-Stuhl-Strategie“ ist eine der bekannteren Varianten, mal gemütlich einen Espresso zu trinken, aber gleichzeitig irgendwie „präsent“ zu sein. Vor allem gehört zu dieser Zeitmanagementstrategie, jedem, der es hören will oder nicht, um die Ohren zu hauen, wie (beruflich!) überlastet man ist, und wie opferbereit dazu. „Alles für die Firma geben“, auch wenn man(n) zu Hause im home office – oder im Garten sitzt.
Das System des gegenseitigen zur-Schaustellens von beruflicher Nachgefragtheit haben Frauen offenbar nicht durchdrungen. Sie sind zu ehrlich, „werben“ statt dessen um Akzeptanz für familiäre Belange.
Aber es gibt, wie Frau Reid meint, einen Hoffnungsschimmer: Die Zeiten ändern sich, glaubt sie. Ihre Studie beweise, dass Menschen, die weniger arbeiten (also auch die, die nur so tun als ob) genauso geschätzt werden wie Rund-um-die-Uhr-Malocher. Und dass Firmen keine Unterwürfigkeit mehr von ihren Angestellten erwarten könnten. Warum? Weil die nicht unbedingt zu besserer Leistung führe…
Mehr dazu: NYtimes

Tag der Arbeit, Frauentag und Tag der Jogginghose

Manchmal fragt man sich, wozu es sie gibt, diese zum Tag von irgendwas gemachten Daten. Gut, sie sollen das Geschäft ankurbeln. Drum „feiern“ wir den Valentinstag und „Haloween,“ für Floristen, „Grusel-Event-Händler“ und Kürbisverkäufer. Auch der Tag der Jogginghose (21.1.) machte zweifellos den Schlabberlook und die Message „das geht mir am A. vorbei“ straßenfähig.

Und wie steht’s mit dem „Internationale Frauentag“ (8.3.) oder dem Tag der Arbeit? Ich meine, außer, dass am Tag der Arbeit die Arbeit ruht und dass Deutschland seit Schröder ein Schlaraffenland für Flat-Rate-Prostitution ist?

Eine Untersuchung der Böcklerstiftung zeigt, dass deutsche Frauen ab Ende zwanzig der „Teilzeitknick“ erwartet. Dass sie immer noch 25 Prozent weniger verdienen als Männer in der selben Position wissen auch alle – aber wenn man darauf aufmerksam macht, hat das ein Gschmäckle. Darüber redet „man/n“ nicht. Überhaupt. Die Frauen sind doch selbst schuld. Können sich eben nicht richtig „verkaufen“ …

Da ist viel Zündstoff drin, in dem Thema. Seltsamerweise auch für die scheinbaren Gewinner, die Männer: Denn solang Teilzeit nicht auch von Männern wahrgenommen wird, müssen sie im Hamsterrad weiterlaufen. Bis der burnout kommt. Dann hat man/n viele Tage der Jogginghose.

Zugeständnisse beim Gehalt für den Traumjob?

 

Mein Gegenüber ist, was man eine „gestandene Frau“ nennt: Sie weiß, was sie will,  ist erfolgreich und reich an Erfahrung. Sie hat schon so manche Schlacht am Verhandlungstisch gewonnen, so schnell haut sie nichts um.

Mit mir will sie eine Neuorientierung erarbeiten. Alle nötigen Zusatzqualifikationen dafür hat sie inzwischen in der Tasche. Es ist ihr Traumjob, den sie nach 20 Jahren Berufserfahrung in einem anderen Feld nun anpeilt. Entsprechend begeistert ist sie, wenn sie sich ihre Zukunft vorstellt – alle berufliche Ausgebufftheit ist auf einmal weg, wie ein junges Mädel, das endlich das versprochene Geschenk erhält.

Daher kommt es, dass sie eine Frage stellt, die ich so von Männern noch nie gehört habe: Ob sie nicht beim Gehalt Zugeständnisse machen solle…? Schließlich sei sie ja jetzt wieder so etwas wie eine Anfängerin und außerdem seien doch endlich die Inhalte viel wichtiger als alles andere…?

Wie gesagt, leider ist das eine typisch weibliche Frage. Letztlich muss sie jede/r für sich selbst entscheiden. Hier ein paar Entscheidungshilfen:

Frauen und Gehaltsverhandlungen.

Über den behaupteten Fachkräftemangel und seine Effekte auf die Gehälter in D.

Auf ein Neues: Frauen in Führungspositionen!

 

Nie hätte ich gedacht, dass dieses Thema  mich mein ganzes Berufsleben über begleiten würde: Frauen und ihre Gleichberechtigung am Arbeitsplatz. Spätestens seit den 80er Jahren und dem emanzipatorischen Wirbel damals dachte ich, das läuft! Niemand wird sich in ein paar Jahren mehr über weibliche Chefs wundern, und für gleiche Arbeit wird es auch das gleiche Geld geben.

Ein Irrtum, wie sich inzwischen gezeigt hat. Besonders Deutschland zeigt sich in Bezug auf Frauen in leitenden Positionen widerständig.

Warum ist das so?

Am Wochenende war ich als Leiterin eines workshops an eine Universität eingeladen. Das Thema dort war Führung. Einer der Vortragenden sagte, er habe sich auch mit dem Gender-Thema auseinander gesetzt. Widerstrebend, gab er zu. Das sei eigentlich nicht sein Thema, meinte er und man sah es seinem Essig-Gesicht an.  Nachdem er sich nun eingearbeitet habe in die Studien zu dieser Frage, hege er den Verdacht, dass es unter anderem an der Motivation der Frauen hapere.

Natürlich erntete er hier einen Sturm der Entrüstung. Aber vielleicht hat er ja Recht, dachte ich mir. Angesichts der verschwindenden Menge von Frauen, die in Deutschland in Gegenwart ihres Partners Auto fahren und von Männern, die das Klo putzen – angesichts des „traditionellen Rollenverständnisses“ hierzulande also – haben Frauen vielleicht wirklich keine Lust zum Führen.

Mehr dazu:

http://www.boell.de/de/2013/09/24/maennliche-monokultur-ohne-quote-keine-teilhabe-von-frauen-topetagen

 DIW-Managerinnen Barometer

Arbeiten nach der Familienpause: Informationsquellen

 

Wenn Sie diese Überschrift lesen, woran denken Sie da? An Väter, die zurück kehren in ihren Job? Sicher nicht.

Richtig gedacht:  Darum geht es auch nicht. Vielmehr zielt die vom Bundesfamilienministerium, der Arbeitsagentur und dem Europäischen Sozialfonds geschaltete Seite auf den „Normalfall“ hierzulande: Frauen, die nach mehrjähriger Familienphase wieder zurück in den Job wollen.

Nach der Mütterrente nun also eine interaktive Seite, die den Wiedereinstieg der Mütter unterstützen soll. Keine schlechte Idee an sich, denn unserer Wirtschaft gehen durch ausscheidende Mütter hochqualifizierte Fachkräfte abhanden. Allerdings könnten diese Fachkräfte etwas anderes gebrauchen als anklickbare „Erfolgsgeschichten“ und „Motivation“, deren Botschaft ist, „wo ein Wille ist,….“

Nämlich Strukturen, die den sich verweigernden Firmen auf die Finger hauen.  www.perspektive-wiedereinstieg.de

Mitarbeitergespräch: Geschmeidiger sein und mehr lächeln?

 

Grundsätzlich, und wenn beide Seiten sich an die Regeln halten, ist so ein Mitarbeitergespräch ja eine gute Sache: Der Mitarbeiter weiß, woran er ist und wohin er sich entwickeln kann. Der Vorgesetzte wiederum wird seiner Führungsaufgabe gerecht, Ziele zu setzen, zu motivieren, Potentiale zu fördern und in akzeptabler Form Kritik zu üben.

Was aber, wenn dabei so ein Satz fällt: „Sie müssen geschmeidiger sein und mehr lächeln“.

Geht es hier etwa die Produktgestaltung von Streichkäse? Oder sind wir im Land des Lächelns?  Würde ein Mann diesen „Rat“ zu hören kriegen? Oder sind wir in einem Aerobic-Studio, wo etwas kraus Gelenkigkeit gemeint sein könnte?  Nein, wir sind in einem Finanzinstitut, beim Mitarbeitergespräch zwischen Vorgesetztem (männlich) und Mitarbeiterin (mittlere Führungsebene, weiblich).

Zugegeben, es hat schon wieder was Komisches. Ich empfehle nämlich oft meinen Klientinnen, weniger zu lächeln, weil sie sonst speziell in Männerrunden nicht ernst genommen werden.  Dieser Klientin gratuliere ich hiermit: Sie ist offenbar ein guter Sparringpartner für ihr sonst männlich besetztes Umfeld – und sie sollte daran auf keinen Fall etwas ändern!

Siehe dazu auch:

http://www.telegraph.co.uk/science/science-news/10101889/Key-to-promotion-for-women-dont-smile.html

Wie lerne ich, nein zu sagen

Wie lerne ich, „nein“ zu sagen?

Auf den ersten Blick glaubt man, das „nein“ sagen können sei ein „typisch weibliches“ Problem. Es gebe diesen Typ Frau mit „Helfersyndrom“, der Anerkennung und Zuwendung suche und sich dafür vor fast jeden Karren spannen ließe, meinen viele. Da mag etwas dran sein. In ähnlicher Form gilt das aber durchaus auch für Männer. Auch sie treibt das Bedürfnis an, dazu zu gehören. Darüber hinaus wollen sie als Leistungsträger und damit auch als „Mann“ anerkannt werden. Motto „nur der high Performer gehört zum Club“.

Eine verhängnisvolle Gleichung. Denn leider heißt sie nicht „nur, wer auf sich achtet und seine Grenzen kennt, gehört zum Club.“

Der erste Schritt zum „nein sagen können“ bedeutet also, dieses fadenscheinige Mitgliedsangebot zu durchschauen und auf eigene Bedürfnisse zu achten. Mehr dazu hier.

Die Frau, die Wirtschaft und Deutschland

 

Irgendetwas war anders. Bloß was? War etwa Muttertag?  Oder Blumen-Konsum-Tag? – Verzeihung, Valentine’s Day? Nee, falsches Datum.  Mir fiel jedenfalls die Frauenlastigkeit in einem spätabendlichen Kulturmagazin auf. Da plötzlich kapierte ich, das war’s: Der achte März, WELTFRAUENTAG!

Wie konnte der nur so spurlos an mir vorübergehen? Ich bin aufgestanden, habe gelebt und gearbeitet, ohne dieses meiner Art geltende Achtsamkeits-Datum zu bemerken. Ein Tag wie jeder andere, wären der aspekte-Moderatorin nicht die Bälger um die Beine gekrabbelt ..

Ach ja. Wäre es nicht wunderbar, wenn wir mal Claus Kleber oder Tom Buhrow mit Kleinkind-umflorten Beinen zu sehen bekämen?

Dann bräuchte vermutlich auch keiner mehr einen „Weltfrauentag“ auszurufen…

Übrigens, laut einer vom WEF erstellten weltweiten Rangliste ist Deutschland im letzten Jahr in Bezug auf die Verringerung geschlechtsspezifischer Unterschiede in der Wirtschaft von Platz 11 auf Platz 13 gefallen.

P.S.  eine Woche später: Demnächst – am 21. März – ist „Equal Pay Day“ – ein möglicherweise wichtigeres Datum für messbare Gleichstellung von Frauen. Mehr „Messbares“  im sogenannten 2. Atlas zur Gleichstellung von Männern und Frauen.

Auch interessant für Frauen, die Familienernährerinnen sind, ein vom Bundesfamilienministerium und DGB gemeinsam finanziertes Projekt.