Berufliche Zwischenbilanz: Fragen, die Sie sich stellen sollten

Fürs Auto gibt es regelmäßige Wartungsintervalle, für die Zahnhygiene auch. Beide Checks liefern ihren nachvollziehbaren Nutzen – und wenn er nur im Wiederverkaufswert und im Bonusheftchen abzulesen ist. Aber wie steht es mit unsrer körperlichen und seelischen Gesundheit? – Dafür fehlen die vordefinierten Intervalle und Bonusheftchen. Keine „Anreize“ also – und so vieles in unserem Leben funktioniert nur über solche Anreize von außen.

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Kein Gefühl für Erfolg mehr

Mein Gegenüber hat viel geleistet und erreicht in seinem Leben. Er hat sich Ziele gesetzt, hart gearbeitet und sie erreicht. Jetzt ist er da, wo er immer hin wollte. Er könnte zufrieden sein, sich selbst auf die Schultern klopfen. Aber das geht nicht, denn etwas stimmt nicht, sagt er. Er hat das Gefühl verloren, das gute Gefühl, wenn man erfolgreich ist.

Früher, da waren Erfolge immer ein Fest für ihn, sagt er. Er habe sie zuhause oder mit Freunden oder Kollegen gefeiert, habe sich feiern lassen. In letzter Zeit aber habe er davon Abstand genommen. Dieses Verhalten passe nicht mehr zu einem über 40-jährigen, meint er. Auch habe sich seine Umgebung daran gewöhnt, dass ihm fast alles gelingt. Die Erwartungshaltung an ihn sei immer hoch, und seine Erfolge würden dann „abgenickt“ werden – man hat es ja nicht anders erwartet.

Er schaut mich mit einem fragenden Ausdruck an. Der Job, das Gehalt, die Arbeitsbedingungen … all das sei okay, aber irgendwie fad geworden. Wie, fragt er, kann ich das Gefühl zurück bekommen, das gute Gefühl des Erfolgreichen?

Wir haben uns daraufhin auf den Weg gemacht in die Gefühlswelt meines Klienten. Es ist ein Aufbruch zu eher kindlichen Anteilen seiner Persönlichkeit, zu Eigenschaften hinter einer Fassade von Professionalität und Seniorität. Sie bringt überraschende Erkenntnisse, diese Reise. Unter anderem, dass man tatsächlich älter und anders wird, sich dabei aber in keine Erwartungs-Zwangsjacke rein zwängen muss. Dass man Erfolge nach wie vor feiern kann und dass man Jobs, wenn sie fad werden, wechseln kann.

Als Job-Anfänger „nein“-Sagen zu Überstunden?

Keine einfache Situation, als Berufseinsteiger. Man ist froh über den Job, und doch noch nicht firm in „Firmenpolitik“ und „Selbstmarketing“. Auf jeden Fall will man zeigen, dass sich das Vertrauen des Arbeitgebers lohnt. Also heißt es richtig loslegen, Begeisterung und Einsatz zeigen, und zwar mehr als „normal“: Überstunden! Gerade ein Job-Anfänger will ja wahrgenommen und gesehen werden, mehr noch, will ankommen im neuen System. Versteht sich von selbst, dass man sich erst mal „von der besten Seite“ zeigt, also viel arbeitet – oder nicht?

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Was geschieht im assesment-center?

Fast könnte man sagen, es ist chic geworden, das Assessment-Center. Es wird gern und oft angewendet: Um sich  von Menschen zu trennen, die in umstrukturierten Firmen keinen Platz mehr haben, oder um Bewerber anzuheuern. Die Methode soll fair und objektiv sein, sagen die Anwender.  Sie geht  auf Rekrutierungsverfahren der deutschen Wehrmacht und später der US Army zurück.

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Eine Gehaltserhöhung verhandeln – aber wie?

Das neue Jahr hat schon ein paar Wochen auf dem Zähler, das Hamsterrad läuft wieder auf vollen Touren. Für die Menschen im Rad gilt der übliche Appell: Leidenschaft zeigen! Es ist fast eine Liebesbeziehung, die da eingefordert wird, mit totalem Engagement und völliger Hingabe… kein Wunder, dass die Betroffenen vor lauter Engagement „vergessen“, auf ihre Belange und Anliegen zu achten.
Ein Anliegen, das an oberster Stelle stehen sollte, ist der Selbsterhalt, zu dem neben Sport die Achtsamkeit für genügend Erholpausen und Reflexionszeiten gehört. Würden sich die Menschen im Rad dies zugestehen, dann würden sie vermutlich schnell drauf kommen, dass sie ihrem Arbeitgeber einen Berg Überstunden schenken und ihren eigenen Wert „vor lauter lauter“ nicht ausreichend darstellen. Eine solche Darstellung ist das Gehaltsgespräch. Es sollte klug vorbereitet werden, Zug um Zug, wie ein Schachspiel. Wer sich da überfordert fühlt, sollte sich Unterstützung holen, sonst setzt ein nachhaltiger „Wertverlust“ der eigenen Arbeitskraft ein.
Gehaltserhöhung verhandeln, siehe SPIEGEL Karriere

Den Traumjob finden – wie geht das?

„… und wovon träumen Sie nachts,“ das ist die Frage, die eine oder einen wieder schnell auf den Boden der Tatsachen zurück bringt, wenn es um „Traumpartner, Traumhaus, Traumjob“ geht.

Die drei Begriffe zeigen, wie hier in allen möglichen Lebensbereichen „geträumt“ wird, also von einem „Ideal“ ausgegangen wird, das zum „Träumer“ passen soll. Und ja, ist Ihnen das noch nicht aufgefallen? Wer so einen Trauminhalt sucht, ist offenkundig ein Träumer… wobei hier nichts gegen gelegentliches Träumen einzuwenden ist, gegen ständiges aber schon…

Um es also ganz klar zu sagen: Auf die oben genannte Frage gibt es aus Sicht eines Coaches zwei Antworten:
1. Man findet den Traumjob, indem man genau weiß, wovon man träumt. Ein Widerspruch an sich. Genau das ist nämlich meist ziemlich nebulös. Da heißt es, „ich weiß es, wenn er – Traumjob/ oder Partner – mir begegnet…“ ach jaaa. Da erfüllt sich ein Wunsch von außen, ohne eigenes Zutun. Das klingt danach, als ob sich jemand unbewusst ein klitzekleines Hintertürchen offen hält: Die unsanfte Landung, das unerfreuliche Erwachen – dann wird die Sache ganz plötzlich zum Albtraum, aber dafür kann ein Träumer natürlich nichts…

2. Man hört (s.o.) auf, zu träumen. Man macht sich klar, was man beruflich braucht, was es am Markt gibt und welche Schnittmengen es zwischen beidem gibt. Man übernimmt Verantwortung für berufliche Entscheidungen und ihre Konsequenzen. Dabei kann man sich natürlich auch Unterstützung holen….

Bin ich’s oder die? Rückmeldungen auf Bewerbungen bewerten

Mir sitzt ein echter Profi gegenüber – unser Gesprächspingpong verläuft versiert und entspannt, keine Unsicherheiten.
Nur, als wir auf seinen CV zu sprechen kommen, kommt er ins Stocken. Das sei der wunde Punkt, meint er. Er habe bisher nie davor zurück geschreckt, in seinem Feld unterschiedlichste Erfahrungen zu machen. Immer war seine Devise „lernen, lernen!“, und seine Beweglichkeit war auch über eineinhalb Jahrzehnte lang gefragt. Bis der Stellenabbau kam.
Nun heißt die Devise, einen neuen Job suchen und „das Beste aus dem Lebenslauf machen“ – aber wie? „Die meinen alle, ich sei ein Tausendsassa und könne alles, aber nichts richtig,“ glaubt er nach den ersten Rückmeldungen auf seine Bewerbungen.
Mal angenommen, frage ich zurück, Sie wären ein Spezialist? Wie wären dann die Rückmeldungen?
Vermutlich genau umgekehrt – „zu spezialisiert, zu wenig anpassungsfähig.“
Die eigentliche Kunst ist es, als Bewerber mit solchen Reaktionen umzugehen. Valide Informationen – so sie denn überhaupt kommen – herauszufiltern und zu unterscheiden von rezeptartigen, unverbindlichen und unbrauchbaren Antwortfloskeln.

Wenn Sie spezialisiert sind, geht es darum, für Sie eine Nische zu finden – es gibt sie, diese Nischen. Wenn Sie Generalist sind, geht es darum, für Sie eine Helikopter-Position zu finden, wo Sie die meisten Ihrer Kompetenzen einbringen können. Auch das gibt es.

Sie jedenfalls sollten mit Sicherheit und Stolz auf Ihren Lebenslauf blicken und sagen, das bin ich, das kann ich, und das ist gut so! Natürlich gehört dazu, einen CV auf die Adressaten zu zuschneidern. Aber von Allerwelts-Rückmeldungen sollten Sie sich nicht verunsichern lassen – es sind gute Zeiten für einen Jobwechsel!

Über Führung lästern ist nicht schwer…

…selber führen dagegen sehr!
So lässt sich zusammenfassen, was viele über das Thema Führung denken. Oder anders, in den Worten eines Klienten: „Ich war völlig ahnungslos. Mein Chef rief mich rein, ich dachte, es ist die übliche Wochenbesprechung. Eine halbe Stunde später war ich selbst Chef einer neu gebildeten Abteilung. Ich ging raus und dachte, nanu, träum‘ ich?“
Es ist gar nicht so selten, dass die Führungsaufgabe so plötzlich auf eine/n zukommt, ohne vorherige Entwicklungsprogramme oder dergleichen. Die Freude darüber ist nicht immer ungetrübt, denn selbst führen in ein anspruchsvolles neues Rollenmodell, das ganz eigene Fragen aufwirft:

– Wie mit den vorherigen Kollegen umgehen? Plötzlich gehört man nicht mehr dazu. Was denken die jetzt von mir? Und ich? Wo gehöre ich denn jetzt dazu?
– Politik: Welche Vernetzungen sind gut für mich? Wer kann mich bei der neuen Aufgabe unterstützen, inhaltlich wie mental?
– Eigener Anspruch: Woran orientiere ich meinen Führungsstil? Habe ich ein Vorbild? Oder versuche ich es „nach dem Buch“ (aufgabenorientiert/transformational/transaktional/ Kotter/ Lewin…). Will ich „perfekt“ sein oder kann ich mir Fehler eingestehen? Wie ist überhaupt die Fehlertoleranz im Unternehmen? Will ich fair oder will ich gerecht sein? Kann man das überhaupt immer? Wie gehe ich mit meinem neuen „workload“ um? Will und kann ich weiter auf meine work-life-balance achten? Oder ist jetzt richtig schuften angesagt? Wohin will ich mit der neuen Führungsaufgabe? Wie will ich mich entwickeln?

Und so weiter und so fort. Je mehr man darüber nachdenkt, desto mehr Fragen stellen sich. Da ist es nützlich, sich ab und zu, vielleicht mit Unterstützung von außen, in der neuen Aufgabe zu reflektieren. ..

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Zur (K)Lage der Nation bei der Arbeit

„Change“ – aber bitte nicht beim Rollenverhalten!

Wir sind ja grad alle in Ferienlaune. Endlich mal „an nichts denken müssen“ … die „schönsten Wochen des Jahres“ stehen bevor. In eben solcher Laune stolpere ich über einen Artikel in der aktuellen Manager-Seminare, Titel: „Schöne Scheinwelt!“ Da geht es um die Behauptung vieler Unternehmen, „familienfreundliche Arbeitsplätze“ zur Verfügung zu stellen. In verblüffender Deutlichkeit weist Autor Axel Gloger nach, dass unsere deutsche Arbeitswelt genau das Gegenteil, nämlich familienfeindlich ist: Teilzeitarbeit machen zu 80% schlecht bezahlte Frauen, die Babypause ist immer ein Karriereknick… und so weiter, und so fort.
Der Artikel ist lesenswert und bestätigt vor allem eins: Deutschland ist „veränderungsresistent“ in Bezug auf die klassischen Rollenmodelle. Kein bisschen „Change“, sonst allgegenwärtiges Zauberwort im Managementsprech, wenn es um Männer und Frauen bei der Arbeit geht. Männer bevölkern die oberen Etagen. Familie und billige Arbeit ist Frauensache.
Tja. Some things never change. Schönen Urlaub!

Mit welchen Eigenschaften macht man Karriere?

Bange Blicke von meinem Gegenüber. Der junge Mensch leitet erfolgreich eine Kommunikationsabteilung in einem internationalen Konzern. Er ist seit 5 Jahren dabei und hat eine steile Karriere gemacht. Jetzt aber ist es genug. Er hat alles eingebracht an Loyalität, strategischem Input und Leistungsbereitschaft, was geht. Jetzt bin ich dran, sagt der junge Mensch.

Allerdings, und nun kommt der bange Blick ins Spiel, könnte das bedeuten, dass es ruckzuck zuende ist mit der Karriere. Will man das riskieren? Andererseits, sagt der junge Mensch, heißt es doch immer, Querdenker seien gefragt, solche, die sich kreativ und auf neue Weise für ihr Unternehmen engagieren, die lateral denken und innovativ?

Tja. Mer waas es net, wie der Hesse sagt. Die Sage vom in der Wirtschaft nachgefragten Querdenker hält sich laut „Die Zeit“ zwar. Ein Grund dafür könnte hier aber auch akademisch gezuckertes Wunschdenken sein. Andere Quellen behaupten das Gegenteil, darunter auch eine von Andrea Derler verfasste Studie der Fernuni Hagen.

Demnach gibt es einen Widerspruch zwischen der Aussendarstellung der Firmen und gelebter Wirklichkeit. Derler befragte deutsche und österreichische Führungskräfte und fand heraus, dass vermeintliche „Querdenker-Eigenschaften“, nämlich Selbstbewusstsein, Unbelehrbarkeit und Abweichen von Firmentrends nicht gewünschte Eigenschaften sind. Gefragt seien vielmehr die klassischen Anpasser-Tugenden „Fleiß, Höflichkeit und Teamfähigkeit.“

Link zur Studie