Wie wichtig ist das Bewerbungsfoto?

Jede Antwort von „Ohne Foto geht gar nichts!“ bis „auf den Inhalt kommt es an“ ist denkbar. Wahrscheinlich ist jedoch eher „sehr wichtig, es sei denn, Sie bewerben sich politisch korrekt ohne Bild.“ Denn das Bewerbungsfoto stellt ohne Worte eine direkte Beziehung zum Betrachter her. Es sagt ihm etwas über Sie, den Bewerber. Man muss kein Psychologe sein, um aus einem Gesichtsausdruck Informationen ableiten zu können. Im Gegenteil, das „Lesen“ von menschlicher Mimik gehört zu unsrem täglichen Verhaltens-, und Überlebensrepertoire. Wie weit diese Interpretationen gehen, zeigt angeblich eine vor kurzem veröffentlichte Studie. Dort wird die These aufgestellt, dass kanadische Studenten aus Fotos von Gesichtern ihrer Altersgruppe ablesen können, ob sie einen „reichen“ oder „armen“ Hintergrund haben.

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Jobwechsel: Wann, wenn nicht jetzt?

Ich bin aus der Übung, sagt mein Gegenüber. Er meint damit nicht etwa seine Fitness oder seine Fremdsprachenkompetenz, nein, er spricht über die Fähigkeit, sich zu bewerben. Relativ lange ist er seinem Unternehmen treu geblieben, und ein möglicher Jobwechsel wäre ungewohntes Neuland. Wie macht man das überhaupt, sich darstellen, sich bewerben?

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Jobwechsel ohne „verbrannte Erde“

Neulich beim Coaching. Mein Klient, Ende zwanzig, denkt laut über einen Jobwechsel nach: Das sei ja fast wie Schluss machen mit einer Geliebten, meint er. Mir steht ein Fragezeichen auf der Stirn – diese Art der emotionalen Verbandelung mit dem Arbeitgeber kann ich nicht nachvollziehen. Mein Klient erklärt es mir: Er habe ein enorm schlechtes Gewissen, es sei doch schließlich sein erster Arbeitgeber nach dem Studium gewesen. Die Atmosphäre sei einfach prima, seine Kollegen allesamt seine Freunde und mit seinen Vorgesetzten verstehe er sich auch so gut – allerdings habe er den neuen Vertrag schon unterschrieben. Die Konditionen beim künftigen Arbeitgeber seien einfach besser. Ob und wie ihm wohl ein ordentlicher Abschied gelingen kann, fragt er und fügt hinzu: Er habe im Internet gelesen, man solle keine „verbrannte Erde“ hinterlassen.

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Beruflicher Neustart mitten im Leben?

Mein Klient schaut auf den Boden neben sich, stockend sagt er „… ich glaube, dafür fehlt mir die Fantasie …“ Eine Vision seines künftigen beruflichen Selbst jenseits der bisherigen Inhalte zu entwerfen, empfindet er als kaum zu bewerkstelligende Herausforderung.

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Den Traumjob finden – wie geht das?

„… und wovon träumen Sie nachts,“ das ist die Frage, die eine oder einen wieder schnell auf den Boden der Tatsachen zurück bringt, wenn es um „Traumpartner, Traumhaus, Traumjob“ geht.

Die drei Begriffe zeigen, wie hier in allen möglichen Lebensbereichen „geträumt“ wird, also von einem „Ideal“ ausgegangen wird, das zum „Träumer“ passen soll. Und ja, ist Ihnen das noch nicht aufgefallen? Wer so einen Trauminhalt sucht, ist offenkundig ein Träumer… wobei hier nichts gegen gelegentliches Träumen einzuwenden ist, gegen ständiges aber schon…

Um es also ganz klar zu sagen: Auf die oben genannte Frage gibt es aus Sicht eines Coaches zwei Antworten:
1. Man findet den Traumjob, indem man genau weiß, wovon man träumt. Ein Widerspruch an sich. Genau das ist nämlich meist ziemlich nebulös. Da heißt es, „ich weiß es, wenn er – Traumjob/ oder Partner – mir begegnet…“ ach jaaa. Da erfüllt sich ein Wunsch von außen, ohne eigenes Zutun. Das klingt danach, als ob sich jemand unbewusst ein klitzekleines Hintertürchen offen hält: Die unsanfte Landung, das unerfreuliche Erwachen – dann wird die Sache ganz plötzlich zum Albtraum, aber dafür kann ein Träumer natürlich nichts…

2. Man hört (s.o.) auf, zu träumen. Man macht sich klar, was man beruflich braucht, was es am Markt gibt und welche Schnittmengen es zwischen beidem gibt. Man übernimmt Verantwortung für berufliche Entscheidungen und ihre Konsequenzen. Dabei kann man sich natürlich auch Unterstützung holen….

Lügenmärchen im Jobinterview – vom Unternehmen?

Als Beraterin höre ich es immer wieder: Das Einstellungsgespräch war vielversprechend – im wörtlichen Sinn. Da werden dem Kandidaten Zusagen gemacht – auf Aufstiegsmöglichkeiten, Gehaltssteigerungen, etc. – die später, wenn der Vertrag geschlossen ist, nicht eingehalten werden.
Das Dumme dabei: Einen Rechtsanwalt oder Zeugen mitzunehmen zum Vorstellungsgespräch, wäre zwar ratsam, aber „das macht man nicht.“ Der Kandidat ist allein, die „andere Seite“ in der Überzahl. Auch ideologisch scheint das so zu sein: Eine Internetsuche zum Stichwort „Lügenmärchen im Einstellungsgespräch“ bringt schier endlose Ergebnisse zu Gaukeleien auf Seiten des Bewerbers. Hier wird der Betrug von Anfang an mitgedacht und unterstellt. Ausgeklügelte Durchleuchtungssysteme, Assessments genannt, sollen verhindern, dass sich der Arbeitgeber auf ein faules Ei einlässt.

Wie aber kann sich der Bewerber vor falschen Versprechungen auf Seiten des potentiellen Arbeitgebers schützen?

1. Indem Sie sich im Vorfeld möglichst gut über den künftigen Arbeitgeber informieren. Seien Sie Ihr eigener Job-Agent. Besuchen Sie die Webseiten des Arbeitgebers, um die offizielle Selbstdarstellung zu untersuchen. Was fehlt? Sind Umstrukturierungen abzusehen? Haben Ihre Ansprechpartner die Kompetenzen für verbindliche Zusagen? Scannen Sie die Presse zu dem Arbeitgeber und lassen Sie auch Portale wie www.glassdoor.com nicht aus. Haben Sie sonstige Kontakte ins Unternehmen? Welche Repräsentanten gibt es bei Xing u.ä.? Stellen Sie sich aus diesem Scan einen Fragenkatalog zusammen, den Sie im Einstellungsgespräch anbringen. Auch sie können Fragen stellen.

2. Wenn beide Seiten zu einem Vertragsabschluss kommen wollen, stellen Sie die Verbindlichkeit der Zusagen sicher, indem Sie auf ihre schriftliche Fixierung bestehen. Sollte das „nicht möglich sein“, haben Sie die Luftnummer Ihres künftigen Arbeitgebers schon entlarvt. Wie Sie dann weitermachen, ist Ihre Entscheidung.
Mehr dazu:

http://www.faz.net/aktuell/beruf-chance/gebrochene-aufstiegsversprechen-von-wegen-befoerdert-11803227.html

http://www.ra-uwe-jahn.de/archiv/Arbeitsrecht/individualarbeitsrecht/abgeworben.pdf

Selbstständigkeit für Manager – geht das?

 

Als Coach und Karriereberaterin hätte ich manchmal gern ein Megaphon. Damit würde ich dann in die Menschheit rufen wollen: 1. Es gibt keine gradlinigen Lebensläufe mehr. 2. Schaut Euch um: Überall im Bekanntenkreis gibt es Zweitkarrieren, haben Menschen sich neu erfunden. Sie sind angekommen in einem neuen, für sie besseren Leben!

Was würde ich dann sehen? Stirnrunzeln. Man befindet sich in einer Komfort-Zone, was man kennt, ist vertraut und vor einem oder einer liegt erst mal nur Nebel. Wie soll das gehen, sich neu zu erfinden?

Wie kriegt man diesen besonders schwierig erscheinenden kulturellen Wechsel vom Angestellten zum Selbstständigen hin?

Das ist in Deutschland in der Tat ein harter Knochen. Wir Deutschen sind traditionell risikoavers und überversichert. Wir ziehen unser Selbstverständnis aus dem maskulinen Prinzip der Konkurrenz, legen viel Wert auf Status und neigen zu Zynismus, wie Geert Hofstedes kulturelle Untersuchungen zeigen.

Früher Angestellter, jetzt Selbstständig, das erscheint in solch einem Umfeld als riesige Herausforderung: Mit wem soll man sich messen? („Ich hätte schon gern eine Bürogemeinschaft…“) Wie soll man all das aufsetzen, wo man doch bisher eher fremdbestimmt gearbeitet hat? Wird man nicht alle Freunde verlieren?

Der Tenor, mit dem solche Kurswechsel in der deutschen Presse bedacht werden, passt zum kulturellen Wertesystem: Er ist  skeptisch bis warnend.  So sind wir halt. Eine Vollkaskogesellschaft, die wenig bis gar nichts wagt und dem „Selbst“ weniger zutraut als einem Kollektiv.

Dabei hat man hier alles, was es braucht, um einen soliden Neustart  auf die Beine zu stellen. Zeit, Ressourcen, Planungstools und für jedes Thema die richtigen Berater. Hier ist nicht Indien. Allerdings sind dort die Selbstständigen wesentlich rühriger.

Berufliche Neuorientierung oder leichte Umorientierung?

Wir Deutschen sind eine Vollkaskogesellschaft, heißt es. Sicherheitsbewusst, bodenständig, nicht unbedingt für Experimente zu haben. Drum meinen wir, ein Schuster müsse bei seinen Leisten bleiben.

Trotzdem schleichen sich bei vielen um die Lebensmitte Zweifel ein, die die Berufswahl betreffen. Was auch nicht weiter überrascht: Warum sollten die Werte, die Anfang zwanzig für jemanden beruflich gut waren, auch um die vierzig noch Bestand haben? Der Mensch ändert sich, das soll und darf er auch.

Die Frage, die sich dann stellt, lautet: Etwas ganz Neues oder nur eine leichte Kursanpassung?

Für eine leichte Kursanpassung würde sprechen, wenn die folgenden Annahmen zuträfen:

–        Der Job an sich macht Freude, nur das momentane Umfeld nicht.

–        Sie sind erfolgreich, das Unternehmen schätzt Sie, aber Sie haben dort alles erreicht, was zu erreichen ist.

–        Alles ist gut, aber die Routine macht über 50% aus und Sie beginnen, sich zu langweilen.

Wenn Sie sich aber sagen, dass Sie auf dem völlig falschen Dampfer sitzen und diesen Verdacht nicht erst seit gestern hegen, dann ist es Zeit. Denn je länger Sie mit einer Neuorientierung zögern, desto größer wird der Frust und das ungute Gefühl morgens beim Aufstehen. Arbeitszeit ist Lebenszeit. Und die falsche Arbeit ist ein falsches Leben.

Zugeständnisse beim Gehalt für den Traumjob?

 

Mein Gegenüber ist, was man eine „gestandene Frau“ nennt: Sie weiß, was sie will,  ist erfolgreich und reich an Erfahrung. Sie hat schon so manche Schlacht am Verhandlungstisch gewonnen, so schnell haut sie nichts um.

Mit mir will sie eine Neuorientierung erarbeiten. Alle nötigen Zusatzqualifikationen dafür hat sie inzwischen in der Tasche. Es ist ihr Traumjob, den sie nach 20 Jahren Berufserfahrung in einem anderen Feld nun anpeilt. Entsprechend begeistert ist sie, wenn sie sich ihre Zukunft vorstellt – alle berufliche Ausgebufftheit ist auf einmal weg, wie ein junges Mädel, das endlich das versprochene Geschenk erhält.

Daher kommt es, dass sie eine Frage stellt, die ich so von Männern noch nie gehört habe: Ob sie nicht beim Gehalt Zugeständnisse machen solle…? Schließlich sei sie ja jetzt wieder so etwas wie eine Anfängerin und außerdem seien doch endlich die Inhalte viel wichtiger als alles andere…?

Wie gesagt, leider ist das eine typisch weibliche Frage. Letztlich muss sie jede/r für sich selbst entscheiden. Hier ein paar Entscheidungshilfen:

Frauen und Gehaltsverhandlungen.

Über den behaupteten Fachkräftemangel und seine Effekte auf die Gehälter in D.

Mein Job macht mich fertig – wirklich nur der Job?

Der Begriff burnout irrlichtert durch die Medien.

Dort finden wir, was „Vordenker“ schreiben, damit wir uns das Nachdenken sparen können.

Nach dieser medial vorverdauten Denkungsart handelt es sich beim burnout um einen „Zustand emotionaler Erschöpfung,… meist durch Stress ausgelöst“ (http://de.wikipedia.org/wiki/Burnout-Syndrom).  Die Ursache, der Stressauslöser, wird überwiegend in der Arbeitswelt lokalisiert.

Dass diese Sicht der Dinge vielleicht zu kurz greift, zeigt ein Artikel meines lieben Kollegen Peter Gester. Peter ist eine wandelnde Enzyklopädie und verblüfft immer wieder mit seinem Blick aufs Ganze. Dabei mag seine Sprache aufgebläht und kanzelhaft wirken, aber gut, so ist das eben bei Leitwölfen von seinem Schlag. Wenn man diesen Schaum abzieht, kann man wertvolle Perlen finden.

So ging es mir mit diesem Artikel, da wo et um den burnout jeht. Peter beschreibt das Phänomen als Antwort auf ein „längerdauerndes biographisches Unbehagen“,  und mit Blick auf Antonovskys Gesundheitskonzept („Salutogenese“) als Unterbrechung des Kohärenzgefühls, der Stimmigkeit mit sich selbst. Eine Krise, die letztlich zu einer „transzendentalen Obdachlosigkeit“ führt.  Hier ein paar Appetithappen:

[…] man könnte einen Burn-out als die Folge eines seit längerem nicht mehr passenden biographischen Anzugs verstehen, den der Betroffene aber (noch) nicht ablegen wollte […]

In diesem Falle wird der Zusammenbruch meistens jedoch nicht durch die Unterdrückung der eigenen Selbstverwirklichungswünsche ausgelöst, sondern durch eine Verkleinbürgerlichung durch überangepasste und vorwiegend geld- und leistungsgetriebene Karriereverwicklung. Dieser überangepasste Selbstverwirklichungspfad hat sich von den primärprozesshaften Tiefenstrukturen des Eigners so weit entfernt und distanziert, dass dadurch die eigenen Energie-, Kraft- und Kreativitätsquellen aus der Balance geraten sind […]

Mit anderen Worten: Es gibt kein richtiges Leben im falschen.

Aber lesen – und denken – Sie selbst: http://www.missing-link-institut.de/pages/de/-latest-n-e-w-s-.php