Freigestellt… und was nun?

Eben noch war man Tag für Tag „eingespannt“, hat nachts Jobprobleme gewälzt, sich morgens aus dem Bett gequält, seinen Job gemacht, danach im vollen Supermarkt eingekauft, sich über den Feierabendverkehr geärgert, und so weiter und so fort. Jahrelang lief das so. Manchmal war man sogar zu schlapp, abends noch was zu unternehmen, oder gar ans Telefon zu gehen. Aber plötzlich ist alles anders: Man ist „freigestellt“.
Man kann tagsüber einkaufen. Kein Wecker mehr, der einen frühmorgens aus den Federn holt. Ein unbekanntes Territorium tut sich auf: Zeit! Gestaltlos liegen Tage und Wochen vor einem: Was wollen die eigentlich von mir? Wie soll ich sie anpacken? Was soll ich anfangen mit dem Zeitüberschuss?

Viele fühlen sich unwohl mit dem plötzlichen Zeitgeschenk „Freistellung“. Stimmt, sagen sie, eigentlich ist es ja ein Geschenk. Was hat man sich immer gesehnt nach freier Zeit. Jetzt auf einmal hat man sie, und weiß nicht, was anfangen damit. Zeit, wenn man sie im Überfluss hat, wird zur zähen Masse, die die eigene Sinnhaftigkeit in Frage stellt.

Zeit soll „genutzt“ werden, suggeriert die Mehrheitsmeinung. Sie einfach zu verbringen, ohne in Aktionismus auszubrechen, vermittelt Schuldgefühle. Die Mehrheitsmeinung meldet sich regelmäßig in Form von anteilnehmenden Freunden und Familie, die fragen, hast Du schon einen neuen Job. Mit anderen Worten: Hast Du schon einen neuen Zeitvernichter?

Eigentlich schade, dass das, was man ist, so verbunden ist mit dem, was man beruflich tut. Dass Freizeit nur neben Unfreizeit existiert. Einfach Mensch sein ist nicht… oder doch?
Eine Klientin berichtet, dass sie rückblickend froh ist über die freie Zeit, die sie hatte, bevor sie ihren neuen Job gefunden hat. Sie hat nämlich endlich etwas für sich getan, wofür sie sonst „nie Zeit“ hatte: Sie hat Yoga erlernt, und das wird ihr den Einstieg in den neuen Job und überhaupt den Umgang mit Zeitvernichtern erleichtern….