Einsamkeit: Kolateralschaden des Berufslebens

Einsamkeit: Kolateralschaden des Berufslebens

Erinnern Sie sich? „Kolateralschaden“ war das Unwort des Jahres 1999. Unter anderem hieß es in der Begründung, die Verwendung des Wortes verharmlose militärische Schäden als unwichtige Nebensache.

Mir scheint, der Begriff wäre nützlich, um in ähnlich zynischer Weise die Begleitschäden unserer Arbeitswelt zu beschreiben. Der „Burnout“ ist ja mittlerweile allgegenwärtig, aber wer spricht über die emotionale und tatsächliche Vereinsamung unserer „Helden der Arbeit?“

Immer wieder sitzen mir 30-, bis 40-jährige „High Performer“ gegenüber, die eine rasante Karriere hingelegt haben und richtig gut Geld verdienen. Für ihre Flexibilität zahlen sie einen hohen Preis: Sie haben jenseits der virtuellen Netzwerke kaum Freunde und auch keine dauerhaften Partnerschaften.

Vor die Wahl gestellt, abends in die leere Luxuswohnung heim zu kehren oder noch eine Stunde Arbeit dranzuhängen, wählen sie letzteres. Mit zunehmendem Alter verschlimmert sich die Einsamkeit: Je älter, desto weniger kompatibel. Bald werden wir eine „Generation einsamer Silberwolf“ haben – Menschen, die allzu spät in ihrem Leben merken, dass Arbeit doch nicht alles ist.

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