Der körperlose Mensch: Wie körperlos sind Sie?

 

Es ist schon seltsam. Da sitzt mir ein Mensch gegenüber, im sogenannt besten Alter (um die Vierzig), die Schultern hängend, dazwischen ein in den Sitz gedrückter Oberkörper, die Hände zucken manchmal, ein Bein angewinkelt, das andere ausgestreckt, ein Fuß hier, der andere da. Die Stimme kommt von irgendwoher und erzählt mir von Prozessen, von schwierigen Meetings, von Zahlenvorgaben, die kaum zu erfüllen sind.

 Ein körperloser Mensch, denke ich. Er hat seinen Körper hier deponiert, während sein Geist  irgendwo irrlichtert, vielleicht sogar zwischen elektronischen files.

 Hatte er also recht, der Spinner und geniale Vordenker Marshall McLuhan, als er in seinen apokalyptischen Schriften den „körperlosen Menschen“ vorhersah? Gut, er stellte sich einen elektronischen Menschen vor, der, von seinem Körper losgelöst, mit Menschen auf anderen Kontinenten telefoniert, während der Fernseher sein zentrales Nervensystem besiedelt.

 Aber mal ehrlich: Wovon nicht alles lassen wir unser zentrales Nervensystem besiedeln?

„To do-Listen“, Multitasking-, und Effizienz-Ideen, Changemanagement, you name it, they have it.

Körperlich arbeiten, schmecken, riechen, fühlen, lieben, tanzen, kitzeln, singen, wandern, laut lachen, schwimmen… all das kommt in unsrer “Zentral-Programmierung” immer seltener vor, oder?