Bin ich’s oder die? Rückmeldungen auf Bewerbungen bewerten

Mir sitzt ein echter Profi gegenüber – unser Gesprächspingpong verläuft versiert und entspannt, keine Unsicherheiten.
Nur, als wir auf seinen CV zu sprechen kommen, kommt er ins Stocken. Das sei der wunde Punkt, meint er. Er habe bisher nie davor zurück geschreckt, in seinem Feld unterschiedlichste Erfahrungen zu machen. Immer war seine Devise „lernen, lernen!“, und seine Beweglichkeit war auch über eineinhalb Jahrzehnte lang gefragt. Bis der Stellenabbau kam.
Nun heißt die Devise, einen neuen Job suchen und „das Beste aus dem Lebenslauf machen“ – aber wie? „Die meinen alle, ich sei ein Tausendsassa und könne alles, aber nichts richtig,“ glaubt er nach den ersten Rückmeldungen auf seine Bewerbungen.
Mal angenommen, frage ich zurück, Sie wären ein Spezialist? Wie wären dann die Rückmeldungen?
Vermutlich genau umgekehrt – „zu spezialisiert, zu wenig anpassungsfähig.“
Die eigentliche Kunst ist es, als Bewerber mit solchen Reaktionen umzugehen. Valide Informationen – so sie denn überhaupt kommen – herauszufiltern und zu unterscheiden von rezeptartigen, unverbindlichen und unbrauchbaren Antwortfloskeln.

Wenn Sie spezialisiert sind, geht es darum, für Sie eine Nische zu finden – es gibt sie, diese Nischen. Wenn Sie Generalist sind, geht es darum, für Sie eine Helikopter-Position zu finden, wo Sie die meisten Ihrer Kompetenzen einbringen können. Auch das gibt es.

Sie jedenfalls sollten mit Sicherheit und Stolz auf Ihren Lebenslauf blicken und sagen, das bin ich, das kann ich, und das ist gut so! Natürlich gehört dazu, einen CV auf die Adressaten zu zuschneidern. Aber von Allerwelts-Rückmeldungen sollten Sie sich nicht verunsichern lassen – es sind gute Zeiten für einen Jobwechsel!

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