Beruflicher Neustart mitten im Leben?

Mein Klient schaut auf den Boden neben sich, stockend sagt er „… ich glaube, dafür fehlt mir die Fantasie …“ Eine Vision seines künftigen beruflichen Selbst jenseits der bisherigen Inhalte zu entwerfen, empfindet er als kaum zu bewerkstelligende Herausforderung.

Das überrascht wenig, wenn man bedenkt, dass er aus einem hochtechnisierten Umfeld kommt, in dem Prozesse und Entscheidungenwege vorgegeben sind. Zudem ist die Idee, mitten im Leben nochmal „was Neues“ anzufangen, schwierig für all jene, die bisher „alles fürs Unternehmen gegeben“ haben. Dem in der Managementliteratur gepriesenen Bild vom „unternehmerischen Selbst“ hat man voll und ganz entsprochen, man hat sich rund um die Uhr engagiert, hat Leidenschaft gezeigt. Aus einem Arbeitsvertrag wurde eine Art Liebesverhältnis, das möglicherweise mit der bitteren Erkenntnis seiner Einseitigkeit endet.
Wer mit einem solchen Hintergrund einen Neustart machen will, ist doppelt gefordert: Mit seinen Enttäuschungen und Kränkungen umzugehen und die eigene Lebensführung nicht nur als „Projekt“ zu sehen, sondern als Spiel mit Möglichkeiten, als Feld für die eigene Kreativität, die möglicherweise lange brach gelegen hat. Etwas Fantasie, oder Mut zur Fantasie braucht es schon dafür …